Herr Burger, Sie führen 30 Betriebe. Verlieren Sie niemals die Übersicht?
Das frage ich mich manchmal auch. Ich habe aber auch nie im Traum daran gedacht, dass ich einmal 30 Firmen führen werde. Im Gegenteil. Ich bin nicht passionierter Firmensammler, so wie andere Briefmarkenalben anlegen. Von Hause aus bin ich nämlich ein eher ängstlicher Mensch. Die Firmen habe ich gegründet, um den so genannten Schneeballeffekt zu vermeiden. Man kann ja oftmals beobachten, wie Unternehmen viele Unterfirmen gründen. Geht dann die Mutterfirma bankrott, sind die Tochterfirmen auch davon betroffen. Mein Prinzip war ein anderes: Ich habe zuerst nur eine Firma gegründet. Aus dem verdienten und notabene auch versteuerten Geld ist dann erst die nächste entstanden. So sind die 30 Firmen in den drei Bereichen Personal Management, Event Management und Veranstaltungen sowie Gastronomie entstanden. Dafür kann ich heute mit Stolz sagen, dass ich absolut eigenfinanziert und von den Banken unabhängig bin.
Wäre es nicht einfacher, alle Firmen in einer Holding zusammenzulegen?
Alle meine Freunde gaben mir den Tipp, eine solche zu gründen. Ich finde jedoch, dass die freie Entscheidung, was ich mit jeder einzelnen Firma anstellen kann, meiner Philosophie der Unabhängigkeit am meisten entgegenkommt. Viele Firmen gehören mir als Privatperson zu 100 Prozent. Bei anderen bin ich aber nur partnerschaftlich beteiligt. Eine Konsolidierung unter dem Dach einer Holding wäre also nicht immer so einfach. Die Aktiengesellschaft ist für mich ohnehin die beste aller Rechtsformen, da sie über eine hohe Transparenz verfügt.
Streben Sie bei Ihren Firmen immer die Mehrheit an?
Nein, da verfolge ich keine bestimmte Strategie. Eine neue Firmengründung erfolgt auch nicht strategisch, sondern aus einem Bedürfnis heraus. Ein Beispiel: 1990 hat mir der damalige Unterhaltungschef des Schweizer Fernsehens, Hannes Bichsel, bei unserem gemeinsamen, traditionellen Essen im Zürcher Restaurant "Wolfbächli" gesagt, dass er nun 40-jährig sei und sich beruflich verändern wolle. Ich machte ihm den Vorschlag, eine gemeinsame TV-Produktionsfirma zu gründen. Zu meinem Erstaunen ist Bichsel darauf eingestiegen. So entstand die "Bichsel & Burger Medien AG", die uns zu je 50 Prozent gehörte. 1999 hat einer der grössten und weltweit erfolgreichsten TV-Produzenten, die holländische Firma Endemol, bei B&B angeklopft. Wir gingen mit Endemol ein 50/50 Joint Venture ein und heissen seither "B&B Endemol".
Der Fernsehmarkt in der Schweiz ist total zusammengebrochen. Ist für Endemol eine solche Produktionsfirma überhaupt noch interessant?
Wir produzierten für TV3 grosse Shows wie "Big Brother" oder "Wer wird Millionär?". Nach der Einstellung des Senders Ende 2001 hatten wir natürlich ein gröberes Problem, da wir auch das Jahr 2002 stark auf TV3 ausgerichtet hatten. Seit September produzieren wir mit "Telescoop" erfolgreich eine tägliche Sendung für COOP auf SF DRS und auf TSR in französisch. Dies bedeutet ein Volumen von 420 Sendungen im Jahr.
Werden Sie weitere Endemol-Formate für die Schweiz adaptieren?
Die grossen Endemol-Formate sind für kommerzielle TV-Sender konzipiert. Im heutigen Schweizer Markt gibt es keinen Sender, der sich diese Formate leisten könnte. Also haben wir unsere Strategie geändert und entwickeln bei B&B neue Konzepte, massgeschneidert für den Schweizer Markt. Mit dem Schweizer Fernsehen führen wir momentan interessante Gespräche in dieser Richtung. Selbstverständlich haben wir nach wie vor Zugriff auf alle 500 Endemol-Formate. Darunter gibt es auch ganz kostengünstige. Wir sind übrigens einer der ganz wenigen Endemol-Partner, der nicht die Mehrheit abgegeben hat.
Was geben Sie einem Marketingspezialisten für einen Tipp, um aus Ihrer Erfahrung ein Konzept erfolgreich durchzuziehen?
Ich bin kein Marketingspezialist, der sein Business an der Universität erlernt hat. Im Gegenteil ich bin Unternehmer. Die Bezeichnung Unternehmer kommt von unternehmen. Wer etwas selber unternimmt, trägt auch das Risiko für sein Handeln und benimmt sich dementsprechend. Ich habe in meinem Job viel mit Marketingspezialisten, Juristen und Bankiers zu tun und stelle fest, dass diese sehr auf ihren Fachbereich fixiert sind. Bei mir ist das anders: Ich betrachte die Ausgangslage in ihrer vollen Breite und suche immer wieder nach Synergien. Begonnen hat meine Managerlaufbahn, indem ich Spitzenorchester für das Mascotte vermittelt habe. Als ich realisierte, dass man als Lokalbesitzer mehr verdient als ein einfacher Konzertorganisator, kaufte ich mich ein. Zuerst war ich Teilhaber, später übernahm ich das ganze Lokal. Durch das Studieren der Konkurrenzbetriebe bekam ich ein Gefühl für die Bedürfnisse des Publikums. Erst dann begann ich mit der Umsetzung meiner Ideen. Ein Akademiker hingegen lernt dies alles in der Theorie. Gerade bei vielen Spitzenmanagern sehe ich, dass sie zwar von der Uni kommen, aber über zu wenig Lebenserfahrung verfügen. In ihrem Glashaus haben sie keinen Lebensbezug. Einer der wesentlichen Fehler: viele Manager dürfen keine Schwächen zeigen. Tun sie dies, haben sie verloren. Das ist grauenhaft. Jeder macht Fehler und hat Schwächen auch ich. Warum sollte ich das verschweigen?

