15.01.2026

Coca-Cola

«In Coca-Cola steckt jede Menge Schweiz drin»

Seit 90 Jahren wird Coca-Cola in der Schweiz produziert. Anlässlich dieses Jubiläums sprechen die Chefs von Coca-Cola Schweiz, Fabio Cella, und Coca-Cola HBC Schweiz, Jürg Burkhalter, über die geplanten Feierlichkeiten, strategische Weichenstellungen und Parallelen zwischen ihrem Job und dem eines Fussballtrainers.
Coca-Cola: «In Coca-Cola steckt jede Menge Schweiz drin»
«Coca-Cola steht für Genuss, Lebensfreude und Optimismus»: Fabio Cella, Country Manager Coca-Cola Schweiz, und Jürg Burkhalter, General Manager Coca-Cola HBC Schweiz AG. (Bilder: Marc Wetli)

Herr Cella, Herr Burkhalter: Was ist das Beste an Ihrem Job bei Coca-Cola?
Fabio Cella: Ich muss niemandem erklären, wo ich arbeite (lacht)! Die Marke Coca-Cola ist weltweit bekannt, und jeder verbindet seine persönliche Geschichte damit.

Jürg Burkhalter: Tatsächlich erlebe ich das auch, dass viele Menschen eine Erinnerung an einen speziellen Coke-Moment haben. Das ist natürlich unglaublich schön. Für mich ist das Beste an meinem Job aber die Zusammenarbeit im Team, um unsere Kunden tagtäglich zu unterstützen.

Überrascht Sie noch etwas in Ihrem Job?
Burkhalter: Ich staune immer wieder, dass einige Leute glauben, wir würden Coca-Cola, Fanta oder Sprite aus den USA importieren. Viele wissen nicht, dass 95 Prozent der Zutaten aus der Schweiz stammen und dass wir in Dietlikon und Vals zwei lokale Produktionsstandorte betreiben. Wenn ein Getränk von Coca‑Cola in der Schweiz über die Theke geht, profitiert davon die ganze Schweizer Wirtschaft. Coca‑Cola generiert eine Wertschöpfung von 833 Millionen Franken entlang der Wertschöpfungskette. 

Cella: Bei Coca-Cola zu arbeiten, ist ein bisschen so, wie Fussballtrainer einer Nationalmannschaft zu sein!

Sie sehen Gemeinsamkeiten zwischen Ihrem Job und dem eines Fussballtrainers?
Cella: Nicht im engeren Sinn natürlich. Aber wie im Fussball haben die meisten Menschen auch zu Coca-Cola eine klare Meinung. Viele glauben, sie wüssten ganz genau, was wir bei Coca-Cola noch verbessern könnten.

Was wollen die Leute denn verbessern?
Cella: Zuerst einmal: Das Feedback unserer Konsumenten ist ein Eckpfeiler unserer Strategie. Wir hören nicht nur bei unseren täglichen Aktivitäten zu, sondern investieren auch gezielt in Kundentests, um neue Bedürfnisse zu antizipieren. Derzeit beobachten wir etwa eine starke Verlagerung hin zu funktionalen Getränken. Die Kundinnen und Kunden suchen mehr als nur Erfrischung – sie wollen zusätzliche Vorteile wie Vitamine und andere funktionelle Inhaltsstoffe. Ein gutes Beispiel dafür ist unser Coca-Cola Zero Zero. Zusätzlich zur zuckerfreien Variante haben wir eine koffeinfreie Alternative eingeführt – die perfekte Wahl für Menschen, die empfindlich auf Koffein reagieren oder später am Tag ein erfrischendes Getränk suchen. Diese Innovation erfüllt nicht nur ein klares Kundenbedürfnis, sondern erhöht auch die Reichweite unseres Portfolios.

In der Schweiz gibt es die Coca-Cola Company und die Coca-Cola HBC Schweiz AG. Was ist der Hintergrund dazu?
Cella: Die Coca-Cola Company ist Eigentümerin unserer Marken und produziert die Getränkekonzentrate, während unsere Aufgabe darin besteht, zu definieren, wie wir auf möglichst wirkungsvolle Weise mit unserer Kundschaft in Kontakt treten. Wir treiben Innovationen voran und legen die optimalen Strategien fest, um unsere Zielgruppen anzusprechen. Das reicht von der Entscheidung, welche neuen Produkte wir auf unseren Märkten einführen – beispielsweise Peace Tea in der Schweiz –, bis hin zur Ermittlung der «Passion Points», die bei unseren Kunden am meisten Anklang finden. Diese «Passion Points» leiten uns in unseren Aktivitäten, etwa bei Partnerschaften mit grossen Festivals wie dem Open Air Frauenfeld und dem Open Air St. Gallen.

Burkhalter: Ich bin für Coca‑Cola HBC Schweiz AG tätig. Wir sind der strategische Abfüllpartner der «Coca-Cola Company» und verantwortlich für die Produktion, die Distribution und den Verkauf von Getränken in der Schweiz. Wir sind ein unabhängiges Unternehmen, das an der Londoner sowie der Athener Börse kotiert ist und seinen Hauptsitz in Zug hat. Neben der Schweizer Niederlassung ist die Gruppe in noch 28 weiteren Märkten in Europa, Eurasien und Afrika tätig. In meiner Rolle bin ich verantwortlich für alle lokalen Marktaktivitäten, die Produktion und den Vertrieb. Fabio und ich arbeiten eng zusammen, obwohl wir für unterschiedliche Firmen tätig sind.

«Mit Blick auf 2026 planen wir eine Reihe von Feierlichkeiten»

Dieses Jahr feiert Coca-Cola in der Schweiz das 90-Jahr-Jubiläum. Was erwartet die Konsumentinnen und Konsumenten?
Cella: Im Jahr 2025 haben wir unsere Kampagne «Aus der Schweiz für Dich» lanciert, mit der wir unsere langjährige Partnerschaft mit dem lokalen Hotel-, Restaurant- und Catering-Sektor feiern. Diese Initiative würdigt nicht nur unsere Schweizer Wurzeln, sondern stärkt auch die Markenaffinität unserer Kunden und Mitarbeitenden. Mit Blick auf 2026 planen wir eine Reihe von Feierlichkeiten, an denen sowohl unsere Geschäftspartner als auch unsere Teams teilnehmen werden – damit bekräftigen wir unser Engagement für den Schweizer Markt. Seien Sie also gespannt auf das, was wir vorhaben!

Gibt es etwas, das typisch ist für den Schweizer Getränkemarkt?
Cella: Ja, zuckerfreie und zuckerreduzierte Getränke sind in der Schweiz sehr beliebt. So beträgt der Marktanteil an zuckerfreien und zuckerreduzierten Getränken hierzulande knapp 60 Prozent. Das ist im internationalen Vergleich ein Spitzenwert. 2021 haben wir den Geschmack von Coca-Cola Zero Zucker noch einmal verbessert. Es zeigt sich, dass viele Teilnehmende in Blind Tastings das Coca-Cola Zero Zucker nicht vom Coca-Cola Original Taste unterscheiden können. 

Burkhalter: Eine Besonderheit der Schweiz ist zudem der starke Ausser-Haus-Konsum. Daher ist eine enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden aus dem Gastgewerbe – darunter Take-Aways, Restaurants und Bars – der Schlüssel zu unserem gemeinsamen Erfolg. 

Wie amerikanisch ist Coca-Cola in der Schweiz?
Cella: Heute sind wir eine ikonische Marke mit globaler Präsenz, die tief im Alltag der Menschen in der ganzen Schweiz verankert ist. Davon zeugen auch unsere Schweizer Markenbotschafter wie zum Beispiel Luca Hänni, Loco Escrito, Stress oder Kings Elliot.

Burkhalter: Ich glaube, die Marke Coca-Cola steht weltweit vor allem für Genuss, Lebensfreude und Optimismus. Dies gilt auch für die Schweiz. Wir konzentrieren uns darauf, als lokales Unternehmen zu agieren. Für unsere Kundinnen und Kunden wollen wir in wichtigen Momenten des Tages präsent sein – vom Morgenkaffee bis zur Erfrischung am Abend. Dieses positive Gefühl wollen wir auch in der Schweiz vermitteln.

Der Genuss von Erfrischungsgetränken steht wegen des Zuckeranteils in der Kritik. Sie haben im Rahmen der sogenannten Erklärung von Mailand den Zuckergehalt in Ihrem Getränkeportfolio freiwillig um 10 Prozent gesenkt. Warum waren es nur 10 Prozent?
Cella: Es klingt vielleicht nach wenig, aber eine Reduktion des Zuckergehalts im Getränkeportfolio um 10 Prozent ist ein grosser Schritt. Für uns ist wichtig, dass der unvergleichliche Geschmack bestehen bleibt. Daran arbeiten wir bereits seit 2005. Unser Unternehmen hat seither mehrere zuckerfreie Innovationen eingeführt. Zudem ist die Zuckerreduktion um 10 Prozent nur der erste Schritt: Vor wenigen Wochen haben wir uns im Beisein von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider verpflichtet, den Zuckergehalt in unserem Portfolio bis im Jahr 2028 noch einmal um 10 Prozent zu senken.

Burkhalter: Wir sehen im Detailhandel eine überdurchschnittlich starke Nachfrage nach zuckerreduzierten und zuckerfreien Getränken. Auch fragen unsere Kundinnen und Kunden verstärkt nach unterschiedlichen Packungs- und Portionengrössen. Mit einem vielfältigen Angebot gehen wir auf die Wünsche der Kundschaft ein, sodass diese bewusst entscheiden kann, wann und wie viel Zucker sie konsumieren möchte. 

«Unsere freiwilligen Massnahmen zeigen Wirkung»

Ihr freiwilliges Engagement ist ja schön und gut. Wäre es nicht wirkungsvoller, wenn der Staat den Zuckeranteil in Getränken beschränken oder eine Steuer auf Zucker erheben würde?
Cella: Unsere freiwilligen Massnahmen zeigen Wirkung. Wir setzen auf Eigenverantwortung und Kooperation mit den Behörden statt auf zusätzliche Regulierung. So reduzieren wir kontinuierlich den Zuckergehalt in unseren Rezepturen, bieten kleinere Packungen zur Portionskontrolle an und fördern unsere zuckerarmen und zuckerfreien Varianten – unter anderem durch gezielte Werbung. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen ausserdem, dass eine Zuckersteuer nicht automatisch zu einer gesünderen Bevölkerung führt. 

Sind kalorienfreie Süssstoffe wirklich ungefährlich?
Cella: Die Sicherheit und Qualität unserer Produkte hat oberste Priorität. Süssstoffe wie Aspartam gehören zu den am gründlichsten untersuchten Inhaltsstoffen weltweit. Wissenschaftliche Studien haben ihre Sicherheit immer wieder bestätigt. Alle Inhaltsstoffe sind von den Schweizer und den europäischen Behörden genehmigt.

Warum bleibt der Zuckeranteil im Coca-Cola Original Taste unverändert?
Cella: Weil wir wissen, dass unsere Kundinnen und Kunden eine Auswahl wollen, und wir wissen, dass die Menschen den ursprünglichen Geschmack von Coca-Cola so lieben, wie er ist.

In der Schweiz setzen Coca-Cola und auch Valser stark auf Nachhaltigkeitsthemen. Wie passt das zu ihrem Markenimage?
Burkhalter: Das passt sogar sehr gut. Wir unternehmen viel, um unseren CO2-Fussabdruck zu minimieren. Und unsere Massnahmen lassen sich messen und finden Anerkennung. Coca-Cola HBC wurde 2024 bereits zum achten Mal von den Dow Jones Best-in-Class Indices zum nachhaltigsten Getränkehersteller der Welt gekürt. Dabei werden neben wirtschaftlichen Kriterien auch das ökologische und soziale Handeln von Unternehmen berücksichtigt. Aktuell stellen wir mit unserem Logistikpartner beispielsweise die Flotte auf E-Trucks um, wir setzen auf erneuerbare Energie und energieeffiziente Kühlgeräte. Zudem haben wir in eine neue Produktionslinie investiert.

Seit dem Markteintritt der deutschen Discounter Aldi und Lidl hat sich der Preiskampf in der Schweiz verschärft. Teilweise werden im hiesigen Detailhandel Coca-Cola-Produkte verkauft, die in anderen europäischen Ländern abgefüllt wurden. Verlangen Sie in der Schweiz überhöhte Preise?
Burkhalter: Nein, auf keinen Fall! In unserem Coca-Cola steckt jede Menge Schweiz drin, weil wir es hier vor Ort produzieren. Wir beschäftigen hierzulande rund 650 Mitarbeitende. 95 Prozent der verwendeten Zutaten beziehen wir von Schweizer Lieferanten. Mit unserer Tätigkeit vor Ort leisten wir rund 833 Millionen Franken Wertschöpfung für die Schweizer Wirtschaft und unterstützen mehr als 7700 weitere Arbeitsplätze, zum Beispiel in der Gastronomie, im Detailhandel, in der Logistik, in der Industrie oder in der Landwirtschaft. 

Cella: Hinzu kommen noch die erheblichen Investitionen, die wir auf lokaler Ebene in Aussenwerbung und Printmedien tätigen.

Hierzulande sind Sie sehr aktiv im Sponsoring. Darunter finden sich auch nicht kommerzielle Engagements wie bei Special Olympics. Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?
Cella: Das Engagement beinhaltet die Förderung des Sports für Menschen mit Beeinträchtigung. Special Olympics bietet regelmässige Trainingsmöglichkeiten und Wettkämpfe für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung und ermöglicht es Schweizer Delegationen, an internationalen Wettkämpfen teilzunehmen. Getragen werden die Spiele von Special Olympics Switzerland, einer unabhängigen nationalen Stiftung, deren wertvolle Arbeit wir gerne unterstützen. Die Coca‑Cola Company ist Gründungspartner der Special Olympics und unterstützt die Organisation seit 1968. Neben der globalen Partnerschaft mit Special Olympics, die im Sommer 2024 um weitere acht Jahre verlängert wurde, wird dieses Engagement in der Schweiz auf nationaler Ebene ergänzt. 

Im November startet jeweils die traditionelle Weihnachtstruck-Tour von Coca-Cola. Auch im Jubiläumsjahr?
Cella: Selbstverständlich gehört der Christmas Truck auch weiterhin fest zu unseren Weihnachtsattraktionen. Der ikonische Truck bringt den Zauber der Feiertage in verschiedene Orte der Schweiz – und natürlich ist auch der Coca-Cola-Santa mit dabei. Er sorgt seit Jahrzehnten für leuchtende Augen und ist längst zu einem festen Bestandteil der Weihnachtszeit geworden.

Gibt es etwas, worauf Sie als Chefs von Coca-Cola in der Schweiz besonders stolz sind?
Cella: Es ist schön zu sehen, wie viele unserer Mitarbeitenden sich vom sozialen und ökologischen Engagement des Unternehmens inspirieren lassen. Jährlich machen mehr als 80 Freiwillige im Rahmen der Partnerschaft mit dem Schweizerischen Roten Kreuz bei der Aktion «2× Weihnachten» mit. Ausserdem säubern Crews von Coca-Cola an den Clean-up-Days in den Gemeinden Brüttisellen/Dietlikon, Vals und Bussigny das Gelände und informieren an Ständen über die korrekte Abfallentsorgung. Und bei den Anlässen von Special Olympics stellen sich viele als freiwillige Helfer zur Verfügung. Das ist nicht selbstverständlich.

Burkhalter: Ich bin stolz darauf, dass wir in der Schweiz zeigen können, wie globales Markenversprechen und lokale Wertschöpfung Hand in Hand gehen. Auch im täglichen Business gehen unsere Teams immer wieder die berühmte Extrameile und schaffen es, die Ziele und Erwartungen zu übertreffen. Dass ich Teil dieses Schweizer Teams sein darf, macht mich sehr stolz.


Fabio Cella, 49, ist seit Anfang 2025 Country-Manager Coca-Cola Schweiz. Der gebürtige Italiener war zuvor in der gleichen Position für Coca-Cola Österreich tätig. Zuvor hatte er bei Danone verschiedene Führungspositionen inne. Zuletzt war er beim französischen Lebensmittelunternehmen Managing Director Schweiz, Österreich und Slowenien. 2021 wechselte Fabio Cella zu Coca-Cola. Er ist Absolvent der Wirtschaftswissenschaften der Universität Pavia und hält einen Masterabschluss in angewandter Wirtschaftswissenschaft von der Université Grenoble Alpes. Er ist verheiratet.

Jürg Burkhalter, 53, ist seit Juni 2023 General Manager der Coca-Cola HBC Schweiz AG. Der gebürtige Schweizer startete 2005 als Business Development Manager bei Coca-Cola HBC Schweiz. Er durchlief verschiedene kommerzielle Funktionen, bevor er die Position des Commercial Director Schweiz übernahm. 2016 wurde er zum Country Sales Manager für Serbien, Montenegro und Kosovo ernannt. Danach verantwortet er als General Manager während fünf Jahren den Markt in Bulgarien. Jürg Burkhalter verfügt über einen Master in Business Administration der Universität St. Gallen (HSG). Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern.


Das Interview wurde durch Nicole Kircher, Inhaberin und Geschäftsführerin der Kommunikationsagentur Kiro, geführt. Es ist zuerst in der Sonderausgabe «Coca-Cola Schweiz – Happy Birthday!» erschienen, dies als Beilage zur Dezember-Ausgabe der Printausgabe von persönlich.


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