Die Pro Helvetia setzt auf einen Quereinsteiger. Die Plenarversammlung der Schweizer Kulturstiftung hat am Donnerstag den 44-jährigen im Kultursponsoring erfahrenen Kulturmanager und Jazzfan Pius Knüsel zum neuen Direktor gewählt. Knüsel setzte sich gegen den 40-jährigen François Wasserfallen durch, der als damaliger Vizechef im letzten Sommer interimistisch die Nachfolge des zurückgetretenen Direktors Bernard Cathomas antrat. Knüsel tritt sein Amt am 1. August an. Ob Wasserfallen bei der Pro Helvetia bleibt, ist noch offen.
Knüsel, der in Zug aufwuchs und in Zürich wohnt, ist seit 1998 für das internationale Kultursponsoring der Credit Suisse zuständig. Der an der Uni Zürich ausgebildete Germanist hatte das Zürcher Jazzrestaurant Moods aufgebaut und war auch für die Neuansiedlung des erfolgreichen Jazzlokals im neuen Schiffbau des Zürcher Schauspielhauses zuständig. Er war auch Programmleiter des Zürcher Festivals Jazznojazz. In den 80er und Anfang der 90er Jahre war Knüsel als Kultur- und Newsjournalist für das Schweizer Fernsehen DRS tätig.
An einer Medienorientierung nach der Wahl begründete Pro Helvetia-Stiftungsratspräsidentin Yvette Jaggi Knüsels Wahl auch mit dessen Erfahrungen als Kultursponsor in der Privatwirtschaft. Die Kulturstiftung des Bundes sei in den letzten Jahren stark mit sich selber und ihren internen Reformen beschäftigt gewesen. Der 25-köpfige Stiftungsrat erachte Knüsel als den richtigen Mann, um die Stiftung im Klima des Wettbewerbs, der auch die Kultur ergriffen habe, neu zu positionieren. Pro Helvetia müsse mit Knüsel "offensiver" werden.

