26.02.2013

Erfolgreiche Frauen

Senka Stütz im Interview

Die Marketingchefin von Strellson über Liebe und Hausmänner.
Erfolgreiche Frauen: Senka Stütz im Interview

Eigentlich wollte Sie Textilmaschinen bauen. Nach ein paar Semestern Ingenieurstudium landete sie dann aber eher zufällig bei der damals noch jungen Männermode-Marke Strellson in Kreuzlingen. Das war vor 21 Jahren. Heute ist Senka Stütz bereits seit vielen Jahren Marketingchefin des erfolgreichen Schweizer Konzerns Holy Fashion Group, wo sie neben Strellson auch die Brands Windsor und Joop betreut. Im 23. Teil unserer Serie spricht die 47-jährige charismatische Powerfrau über ihre grosse Liebe, den trendbewussten "Strellson-Hausmann" und über ihre Rolle als einzige Frau in einem Männerteam. 

Frau Stütz, was war heute Morgen Ihr erster Gedanke? 
Mein erster Gedanke galt den Terminen. Diese sind heute allesamt sehr erfreulich und so bin ich mit positiven Gedanken in den Tag gestartet. Ich dachte beispielsweise daran, dass ich heute den Vertrag für eine neue Mitarbeiterin unterschreiben darf. Aus ihrem Praktikum wird nun eine Festanstellung, und darüber freue ich mich sehr. 

Ich las, Sie sind ein New Media Junkie. Beginnt Ihr Arbeitstag schon morgens im Bett, indem Sie übers Smartphone Ihre Emails abrufen?
Ja genau. Sobald der Wecker klingelt, schnappe ich mir als erstes meine elektronische Agenda. So weiss ich schon in den ersten Minuten des Tages, was mich erwartet und kann mich mental darauf vorbereiten. Das habe ich mir vor einiger Zeit angewöhnt, da ich heute mehr Termine bewältigen muss, als früher. Und dann beantworte ich übers Smartphone auch gleich die ersten Mails.

Und die letzten, bevor Sie abends einschlafen?
Genau, das ist doch aber nichts Ungewöhnliches. Meine Kollegen ticken auch so. Gut, vielleicht bin ich darin noch etwas extremer, als die anderen. Dadurch, dass ich keine Kinder habe, kann ich mich dem Medienkonsum natürlich noch mehr hingeben.

Welche Medien konsumieren Sie?
Ich lese praktisch nur Onlinemedien. In erster Linie Fashion- und Lifestyle-Blogs. In der Modebranche läuft alles über Blogs. Das macht mich zum Blogjunkie, mit einer langen Blogliste. Am Wochenende konsumiere ich ergänzend Fachzeitschriften wie die 'Textilwirtschaft' und die 'Textilrevue'.

Sie gehören zum 'Schöpfer-Team' der Herrenmode-Marke Strellson und sind seit 20 Jahren im Unternehmen. In einem Interview sagten Sie kürzlich, Sie seien glücklich mit Ihrem Job verheiratet.
Dieses Jahr werden es sogar schon 21 Jahre! Eine sehr beständige Ehe, wie Sie sehen (lacht). Ja, mein Job und ich, wir sind ein gutes Duo.

Was ist das Beste an dieser Ehe?
Die Liebe! Wie in einer richtigen Ehe eben. Damit es funktioniert, muss man sich ja lieben, man muss seine Rolle, seine Aufgaben, seine Kollegen lieben, und die Chemie muss stimmen. Das ist das Fundament und das verbindet mich mit diesem Unternehmen. Strellson und ich sind miteinander gewachsen, zusammen mit dem damaligen Kernteam, das dieses Unternehmen aufgebaut hat und  auch heute noch, 20 Jahre später, an einem Strang zieht: oben nach wie vor der Visionär, unser CEO, und unten an den richtigen Schlüsselstellen wie Kreation, Vertrieb und Marketing die langjährigen Mitarbeiter, die gut zu ihrem Bereich und ihren Leuten schauen und den Unternehmensgeist und die Erfahrungen an die neuen Teammitglieder weitergeben. Wie in einer Familie, wo die Grosseltern etwas an die Eltern und diese wiederum an die Enkel weitergeben.

Das klingt nach purer Romantik und vollkommener Harmonie. In einer Ehe ist doch aber auch nicht immer alles rosig.
Genau! Auch eine gute Ehe hat ihre Hürden zu meistern. Bei der Strellson AG ist das Unternehmenswachstum momentan eine grosse Herausforderung, die wir gemeinsam bewältigen müssen. Wir sind in den letzten Jahren stark gewachsen. Neben der Marke Strellson gehören seit ein paar Jahren auch Windsor und Joop zu unserem Konzern, der Holy Fashion Group. Wir haben mehr Marken, mehr Aufgaben, mehr Gebäude, mehr Leute. Früher sassen wir alle unter einem Dach, da war die Kommunikation viel einfacher, man sah sich ja ständig. Nun müssen wir darauf achten, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren und wir alle in die gleiche Richtung schauen. Gleichzeitig muss jede Marke ihre klare Linie verfolgen – wir haben ja drei Marken mit ganz unterschiedlichen Identitäten, die wir individuell pflegen müssen. Heute sind auch mehr Menschen in einen Entscheidungsprozess involviert. Alleingänge sind nicht möglich.

War 'Fremdgehen' nie ein Thema?
Ich hatte einige Angebote von anderen Unternehmen, aber ich habe nie einen Grund gesehen, mich von Strellson zu trennen. Es ist wie in einer Beziehung: Da laufen einem auch immer mal wieder vermeintlich schönere und attraktivere Möglichkeiten über den Weg. Wenn du dann aber genauer hinschaust, weisst du, was du zu Hause hast. Ganz einfach.

Trotz aller Liebe: Ihr Arbeitgeber befindet sich in der Kleinstadt Kreuzlingen im Kanton Thurgau. Das ist nicht gerade der Nabel der Welt. Fällt Ihnen dort nicht manchmal die Decke auf den Kopf?
Nein, ich bin hier aufgewachsen und sehe es als Luxus, dass ich wegen meines Jobs nie wegziehen musste. Kreuzlingen ist ein guter Ort, schön und idyllisch am Bodensee gelegen, gleich nebenan ist die attraktive Stadt Konstanz. Und ausserdem war ich während meiner Ausbildungs- und Studienzeit bereits auf Reisen gewesen, bevor ich bei Strellson einstieg. Ich war lange Zeit in London, und Paris, einige Monate in Italien, wo ich die Sprachen gelernt und Stages in Modeunternehmen absolviert habe. Und Asien habe ich damals auch bereist.

Als Marketing Director der Holy Fashion Group sind Sie für die Herrenmarke Strellson und seit kurzem auch für die Herren- und Damen-Marken Windsor und Joop verantwortlich. Wie viele Mitarbeiter führen Sie?
Ich habe neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie zwei Praktikanten. Meine Leute arbeiten in eigenständigen Teams für je eine Marke und ich bin die, die oben den Überblick über die drei Brands behält und die Fäden zusammenführt.

Um bei der Marke Strellson zu bleiben: Unter Ihnen entstanden anfangs der Neunzigerjahre die ersten Werbekampagnen für Strellson-Männermode. Das gesellschaftliche Bild vom Mann hat sich über die zwei Jahrzehnte verändert. Wie hat dieser 'Mannswandel' die Marke Strellson geprägt?
Im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren sind die Männer heute mehr an Mode interessiert, als früher. Sie wissen eher, was modisch 'richtig' und was 'falsch' ist. Sie achten mehr auf ihr Erscheinungsbild und es ist selbstverständlich, dass der Mann heute ein paar Minuten mehr im Bad verbringt und etwas länger in den Kleiderschrank schaut. Der 'Strellson-Mann' ist im Vergleich zu früher trendbewusster geworden. Als wir begannen für Strellson Kampagnen zu entwickeln, steckten Charakterköpfe und keine Models in den Strellson-Kleidern. Das waren kernige, männliche Typen, die eine Haltung gezeigt haben. Mode war zweitrangig. Erst lange Zeit später haben wir dann begonnen, die Mode in der Kommunikation mehr ins Zentrum zu rücken. Der Fokus liegt heute mehr auf unseren Produkten, den Outfits und aktuellen Trends der Kollektion und der Zielgruppe der Männer, die wir ansprechen.

Wenn Sie die Marke Strellson anhand eines Mannes beschreiben müssten, welche Eigenschaften hat Mister Strellson? Was für ein Leben führt er?
Der 'Strellson-Mann' ist trendbewusst. Er ist vielseitig, intelligent, modern. Er lebt den Zeitgeist und lässt diesen in seinen persönlichen Stil einfliessen. Er weiss, was er will und ist auf dem Weg, seine Ziele zu erreichen. Er ist beruflich engagiert.

Ist der 'Strellson-Mann' auch Hausmann?
Ja, wenn er das möchte, kann er auch Hausmann sein. Ich glaube, er ist stark genug, um zu entscheiden, ob er den Berufsweg einschlagen möchte oder die Kinderbetreuung und Erziehung übernimmt. Der 'Strellson-Mann' steht im Leben und hat genügend Selbstbewusstsein, um zu sagen 'ich unterstütze meine Frau'. Das ist heute normal. In Sachen Mode sind wir für den Business- wie für den 'Haus-Mann' gut aufgestellt, denn wir haben eine Premium Linie mit Business Mode, und Sportswear für die Freizeit. Damit können wir unsere Zielgruppe in allen Lebenslagen bedienen.

Mal abgesehen von den Marken Joop und Windsor, die Sie seit jüngerer Zeit auch betreuen, leben Sie durch die Herrenmarke Strellson in einer Männerwelt. Sie mussten sich von Anfang an in die Bedürfnisse des männlichen Geschlechts hineinversetzen. Nahm man Sie als Frau immer ernst?
Ja, das ging ganz gut. Ich war lange Zeit die einzige Frau im Team, hatte aber stets die Unterstützung meiner Kollegen. Es hilft natürlich, wenn man ein paar gute Voraussetzungen für den Job mit sich bringt, von der Ausbildung bis zu den persönlichen Fähigkeiten. Und den Rest muss man sich schnell aneignen und dann gilt es, sich im Alltag zu beweisen, sich weiterzuentwickeln und vor allem Resultate vorzulegen.

Ist die Modebranche ein guter Ort, um als Frau Karriere zu machen?
Ich hatte nie das Gefühl, als Frau benachteiligt zu sein, never. Du musst dich als Frau genauso einbringen, wie als Mann, und du musst genau gleich viel Leistung zeigen. Auch andere Frauen sind in unserem Haus erfolgreich ihren Weg gegangen. Aber ab und zu muss man sich natürlich auch gegenüber den Männern behaupten. Ich habe wohl das Glück, dass ich ein ziemlich starkes Stimmorgan habe (lacht). Es ist ganz klar, dass im Herrenmode-Bereich mehr Herren arbeiten, und dadurch, dass ich mich seit jeher in dieser Domäne bewege, hatte ich nie einen Vergleich, ich weiss also nicht, ob es in einem Frauen dominierten Unternehmen anders ist. Ich denke, dass man sich immer durchkämpfen muss, egal, ob man unter Frauen oder Männern arbeitet. Vielleicht hat es eine hübsche Frau in einer Branche, wo es um Ästhetik und Lifestyle geht, anfangs etwas einfacher. Schlussendlich ist es aber ein harter Markt, wo alle ihre Ziele verfolgen. Wenn du deine Resultate nicht bringst, nützt dir all das Schöne auch nichts.

Wo holen Sie sich die Energie für Ihren Alltag?
Manchmal muss ich meinem Alltag 'entschwirren'. Dann tanke ich in der Natur auf: im Wald, am See, in den Bergen, in den Ferien am Meer. Manchmal allein, manchmal mit Freunden. Diese Balance ist absolut wichtig.

Sie zu fragen, wie viele Stunden Ihr Arbeitsalltag hat, wäre aber sinnlos, denn Sie führen ja eine Job-Ehe.
Ja, es fliesst bei mir alles schön zusammen. Meine Arbeit, meine Freunde, Geschäftspartner und Kollegen ergeben ein Ganzes, das mein Leben ausmacht. Das ist ein Universum, wo aus Geschäftspartnern und Arbeitskollegen Freunde wurden. Es gibt schon auch noch Freunde, die gar nichts mit meinem Job zu tun haben. Beispielweise meine beste Freundin - zwar halt…, das stimmt ja gar nicht. Auch sie habe ich bei einem Fotoshooting kennengelernt. Sie war damals Visagistin und für Haare und Make-Up verantwortlich. (Macht eine kurze Pause) Es ist also wirklich alles zusammen verbunden und verankert.

Und welche nächsten grossen Projekte hält das Universum für Sie bereit?
In Kürze stehen die Fotoshootings für die nächsten Herbst-/Winter-Kampagnen aller drei Marken an. Ausserdem werden wir demnächst ein Joop-Brandbook entwickeln und noch einiges mehr. Was mir sehr am Herzen liegt, ist in diesem Jahr unser neues Team und die grösser gewordene Marketingabteilung gut zusammenzuführen und alle gesteckten Ziele gemeinsam zu erreichen.

Welche Gedanken schiessen Ihnen ob der bevorstehenden Herausforderungen durch den Kopf?
'Juhui' und 'spannend'. Es wird nie langweilig. Es ist nach 21 Jahren nach wie vor jeden Tag interessant und herausfordernd. Meine Gedanken in Richtung Zukunft sind einfach positiv.
 

Interview: Claudia Thöny
Foto: Strellson



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