12.06.2026

Marketingprüfungen

Streit landet vor dem Friedensrichter

Swiss Marketing und die Trägervereine der Marketingprüfungen sind in einen Konflikt geraten. Am 23. Juni entscheidet ein Friedensrichter. Im Zentrum steht die Frage, wer die eidgenössischen Diplome im Marketing und Verkauf künftig verantwortet.
Marketingprüfungen: Streit landet vor dem Friedensrichter
Wer schreibt künftig die Prüfungen? Die Zuständigkeit ist umstritten. (Symbolbild: KI-generiert, ChatGPT)

«Marketing als Disziplin und Berufsfeld verdient besser als das» – so kommentierte der ehemalige Prüfungsexperte Claudio Kaufmann den Streit am 10. Juni auf LinkedIn. Er stellte die Frage, ob es noch um Bildungsqualität gehe oder längst um Vorherrschaft.

Die Vorgeschichte: Im November 2025 änderten die vier Trägervereine – für Marketingfachleute, Verkaufsfachleute, Marketingleiter und Verkaufsleiter – ihre Statuten. Gemäss einem Schreiben von Swiss Marketing vom 7. Juni, das persoenlich.com vorliegt, wurde damit die institutionelle Mitwirkung des Verbands in den Vorständen erheblich beschnitten.

Im Mai 2026 kündigten die Trägervereine das langjährige Prüfungssekretariat Suxxess.org AG, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Swiss Marketing. Als Nachfolgeorganisation tritt seither Marketing-education.ch auf – laut Robert Wernli, Präsident des Trägervereins Marketing, und Christoph Portmann, Präsident des Trägervereins Verkauf, vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) offiziell anerkannt. Wernli und Portmann zufolge war es zunächst eine ordentliche Kündigung. Swiss Marketing habe diese zurückgewiesen – was laut Wernli und Portmann rechtlich nicht möglich sei – worauf die Trägervereine zur fristlosen Kündigung übergingen.

Ebenfalls gemäss dem Schreiben vom 7. Juni hat Swiss Marketing den Austritt aus den vier Trägervereinen beschlossen, eine Aufsichtsbeschwerde beim SBFI eingereicht und die Statutenänderungen beim Friedensrichteramt angefochten.

Auf Anfrage von persoenlich.com schreiben Wernli und Portmann: «Es besteht aus unserer Sicht kein Konflikt.» Gleichzeitig beschreiben sie in ihrer Stellungnahme «ungenügende und nicht vertragskonforme Leistungserbringung» durch Suxxess.org, gescheiterte Verhandlungen und «unkooperatives Verhalten» von Swiss Marketing. Swiss Marketing seinerseits bezeichnete in seinem Schreiben an die Bildungsinstitute die von Marketing-education.ch verbreiteten Informationen als «zweifelhaft» – ohne dies zu konkretisieren.

Swiss Marketing äussert sich auf Anfrage von persoenlich.com mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht schriftlich. Nach dem Friedensrichter-Termin vom 23. Juni werde man transparent kommunizieren, hiess es in einem telefonischen Gespräch.


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