Die Zurich Pride Demonstration findet dieses Jahr ohne Festival statt. Das haben die Organisatoren Mitte Februar angekündigt. Zur «Pause» hätten «angeschlagene Finanzen des Vereins, Altlasten aus den Vorjahren, schwierige Rahmenbedingungen und fehlende Ressourcen» den Ausschlag gegeben.
Der Verein Zurich Pride Festival nennt auch «veränderte externe Rahmenbedingungen» und führt auf: «Die aktuelle wirtschaftliche und politische Unsicherheit wirkt sich auch auf das Engagement von Unternehmen aus. Einige Organisationen überprüfen derzeit ihre Ausgaben, insbesondere im Bereich Diversität und Inklusion.»
Vor einem Jahr hatte die Organisation zwei Sponsoren und damit 150'000 Franken verloren, berichtete damals das «Regionaljournal Zürich Schaffhausen». Die Organisatoren fürchteten weitere Abgänge wegen Donald Trumps Angriffen auf Diversity-Programme.
Konkret stellt sich die Frage, ob die Anti-Diversitätsagenda der US-Regierung eine Rolle in der Absage des Festivals gespielt hat. Zu den Sponsoren des Festivals gehören einige internationale Firmen.
UBS dabei, Holcim prüft
Dazu will der Verein keine Aussagen zu einzelnen Unternehmen machen und bleibt vage: «Grundsätzlich beobachten wir – wie viele Organisationen im Diversitäts- und Kulturumfeld – dass gewisse internationale Entwicklungen Diskussionen in Unternehmen auslösen», schreibt der Verein auf Anfrage. Von Partnern gebe es aber auch klare Signale für ein weiteres Engagement. Pauschale Rückschlüsse liessen sich also derzeit nicht ziehen.
persoenlich.com hat die Hauptpartner, Co-Partner und Supporter gefragt, wie es mit ihrer Unterstützung weitergeht. Die meisten kontaktierten Firmen beteuern ihre Unterstützung. Swiss als «Official Airline Partner» hatte letztes Jahr eine starke Präsenz am Festival. Nun prüft die Fluggesellschaft, wie sie ihr Engagement dieses Jahr gestalten wird. Sie werde an der Demo teilnehmen. Auch Sunrise, die ZKB sowie international tätige Unternehmen wie UBS, Google und der Pharmakonzern Takeda schreiben, dass sie die Pride auch dieses Jahr unterstützen.
Holcim schreibt seinerseits, dass die Sponsoringengagements und Partnerschaften regelmässig geprüft werden. «Im Fall des Zurich Pride Festivals und einer allfälligen Verlängerung wurde noch kein definitiver Entscheid gefällt.»
Programme weniger sichtbar
Vom Hauptsponsor Gilead, Co-Partner Johnson & Johnson sowie vom Supporter MSD hat persoenlich.com keine Antwort erhalten. Alle drei sind US-amerikanische Pharmaunternehmen mit Schweizer Standorten und tragen das Swiss LGBTI-Label für Firmen, die sich für die innerbetriebliche Gleichberechtigung von LGBTI-Personen einsetzen.
Laut der Organisation hinter dem Label würden die meisten in der Schweiz ansässigen internationalen Unternehmen an ihren Diversitätsprogrammen festhalten, schreibt Geschäftsleiter Alejandro Betancor auf Anfrage. Aber: «Wir beobachten einen leichten Rückgang an der Visibilität nach aussen», so Betancor. Er erwartet ausserdem, dass die Zahl der Firmen mit Label leicht zurückgehen könnte – nachdem sie in den letzten Jahren stets gewachsen ist.

