08.07.2018

SBB

Verkaufsflächen für die «smarte Tante Emma»

In einem neuen Projekt will die SBB lokalen Anbietern Flächen für Pop-Up-Stores zur Verfügung stellen und so dem Strukturwandel entgegenwirken. Wer zum Zug kommt, entscheiden die Kunden. Der Gewerbeverband hatte sich über die hohen Mietpreise für SBB-Verkaufsflächen beklagt.
SBB: Verkaufsflächen für die «smarte Tante Emma»
Gemäss dem Gewerbeverband sind SBB-Verkaufsflächen nur noch für Grosskunden und internationale Ketten zahlbar. Hier: Die 2014 eröffnete Ladenpassage im Zürcher HB. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Die SBB wollen im Rahmen eines neuen Projekts kleinen Händlern eine Chance geben, sich zu etablieren, wie die «Schweiz am Wochenende» berichtet. Im Frühjahr 2019 lancieren die Bundesbahnen im Zürcher Hauptbahnhof das neue Projekt «Smart Emma» in Anlehnung an die alten Tante-Emma-Geschäfte, die dem Strukturwandel zum Opfer gefallen sind.

Wöchentlich, täglich oder je nach Tageszeit

Dabei sollen lokale Anbieter mit ihren Produkten eine temporäre Chance erhalten, um sich etablieren zu können. Die Pop-up-Filialen können laut SBB-Sprecher Reto Schärli «wöchentlich, vielleicht aber auch täglich oder je nach Tageszeit» wechseln. Das Spezielle: Wer zum Zug kommt, entscheiden die Kunden per Online-Abstimmung. Die Verkaufsflächen in den Bahnhöfen sind heiss begehrt.

Denn der gesamte Detailhandelsmarkt entwickelt sich negativ. In den letzten sieben Jahren sind laut dem Marktforscher GfK über 6000 Läden verschwunden. Die Bahnhofsshops hingegen konnten ihre Umsätze – an denen die SBB gewöhnlich beteiligt sind – von 1,48 auf 1,63 Milliarden Franken steigern. Die wachsenden Pendlerströme, der Ausbau der Shoppingfläche und die liberalen Öffnungszeiten sorgen für ein brummendes Geschäft. Nur: Für so manche Branchenvertreter sind die Bedingungen unfair.

SBB-Mieten gälten als exorbitant

So auch für FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler. Als Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes steht er 300'000 Unternehmen vor. Kürzlich hat Bigler beim Verkehrsdepartement (Uvek) laut der «Schweiz am Wochenende» eine Interpellation eingereicht. Die Bundesbahnen würden «reine Gewinnmaximierung» betreiben und von «Marktverzerrungen profitieren». In der Branche gälten die SBB-Mieten als exorbitant und würden auf unrealistischen Umsatzerwartungen basieren. Das führe dazu, dass sich fast nur Grossverteiler und internationale Ketten darum bewerben könnten, sagt Bigler. «Lokale KMU und kleinere Detailhändler bleiben ganz auf der Strecke oder müssen schon nach kurzer Zeit Standorte aufgeben.»

Die SBB lassen den Vorwurf der zu hohen Mietpreise nicht gelten. Diese seien marktgerecht. Von einem eintönigen Mietermix könne auch keine Rede sein: «Gerade in kleineren und mittleren Bahnhöfen sind zahlreiche kleinere Firmen eingemietet.» Viele solcher lokalen Händler seien seit vielen Jahren an den grossen Bahnhöfen präsent. (pd/maw)



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