22.03.2020

Expo Event

«Wir sind nun auf dem richtigen Weg»

Durch das Veranstaltungsverbot leidet die Eventbranche enorm unter der Krise. Eugen Brunner, Präsident des Verbands für Live-Kommunikation, begrüsst das am Freitag vorgestellte Massnahmenpaket des Bundesrats – verweist aber auch auf immer noch ungelöste Probleme.
Expo Event: «Wir sind nun auf dem richtigen Weg»
«Einnahmen gibt es ja nach wie vor praktisch keine», sagt Expo-Event-Präsident Eugen Brunner im Gespräch mit persoenlich.com. (Bild: zVg.)
von Loric Lehmann

Herr Brunner, wie beurteilen Sie die Massnahmen des Bundesrats?
Wir sind erleichtert. Wir schätzen den Entscheid der Landesregierung. Auch möchten wir ein Lob ans Staatssekretariat für Wirtschaft Seco aussprechen: Diese Massnahmen über die Hausbank abzuwickeln ist ein – in unserem Sinne – unbürokratischer Entscheid. Auch die Lockerung in Bezug auf die Kurzarbeit begrüssen wir sehr.

Sie sprechen es an: Nun wurde die Kurzarbeit auch auf weitere Arbeitnehmer ausgeweitet: Temporär und befristet Angestellte sowie Lernende sind nun auch darin eingenommen.
Das war einer unserer Hauptforderungen. Unsere Branche lebt enorm von diesen Arbeitsverhältnissen. Besonders im Sommer sind wir auf diese Arbeitnehmer angewiesen. Ohne diese Massnahme hätte man nun gegenüber diesen Angestellten Kündigungen aussprechen müssen.

Gibt es Forderungen Ihrerseits, die nicht erfüllt wurden?
Ein kleiner Teil gibt es noch in Bezug auf selbstständige Kleinstunternehmen. Bei Dreimannbetrieben, wo zwei Leute noch Partner sind, ist die Problematik immer noch die selbe. Wenn diese Geld nun über ihre Hausbank bezieht und gleichzeitig aber keine Kurzarbeit beantragen kann, dann ist das nur ein Verschulden auf Zeit. Grundsätzlich sind wir aber froh, dass nun der Bundesrat so unbürokratisch reagiert hat. Wir sind nun auf dem richtigen Weg.

«Nun werden sicher tausende Unternehmen diese Anträge stellen»

Hätten Sie sich ein schnelleres Handeln von Seiten des Bundesrates gewünscht?
Wir mussten schon zuerst etwas medial Druck ausüben. Es ist uns jedoch auch bewusst, dass das Ausarbeiten dieser Lösungen eine gewisse Zeit brauchte. Dafür haben wir vollstes Verständnis. Nun hat sich aber gezeigt, dass sich diese Druckausübung bewährt hat.

Wann werden diese Massnahmen greifen?
In der Praxis wird sich nun zeigen, wie unbürokratisch und rasch diese Massnahmen wirklich umsetzbar sind. Aber nochmals: Wir sind sehr froh, dass die Kreditvergabe über die Hausbanken läuft und nicht über das Seco oder irgendwelche Bürgschaftsinstitute. Nun werden sicher tausende von Unternehmungen diese Anträge stellen. Jetzt hoffen wir, dass diese Massnahmen schnell umgesetzt werden. Ich denke aber, dass wir bis in den Sommer mit dieser Problematik zu kämpfen haben.

Denken Sie, nach der Krise wird das Bedürfnis der Schweizerinnen und Schweizer, an Veranstaltungen teilzunehmen, umso grösser sein?
Absolut. Ich glaube an diesen Rebound-Effekt. Die Leute werden ein grosses Verlangen haben, wieder nach draussen zu gehen und Festivals, Messen, Konzerte oder ähnliches besuchen zu können. Nachdem wir jetzt so lange zuhause bleiben mussten, wird dieses Bedürfnis stark vorhanden sein. Aber in der Regel brauchen Events etwas Vorlaufzeit. Deshalb haben die Unternehmen richtig gehandelt, indem sie ihre Events nicht ganz abgesagt haben, sondern später ins Jahr verschoben haben.

«Unsere Industrie hat einen schweren Kratzer abbekommen – dieser wird nicht einfach zu reparieren sein»

Wird hinsichtlich Veranstaltungen im Sommer und Herbst aber wohl nicht ein zu starkes Überangebot herrschen?
Das könnte ich mir vorstellen. Aber dies wird sich nur schon durch die beschränkten Veranstaltungsorte limitieren. In der Hochsaison sind diese Locations sowieso schon sehr ausgebucht. Falls Veranstaltungen spätestens im August durchgeführt werden können, werden wir dafür jedoch bis in den Oktober hinein eine hohe Veranstaltungsdichte haben.

Wenn Sie jetzt in die Zukunft schauen: Wie stark wird diese Krise die Veranstaltungsbranche langfristig geprägt haben?
Was wir momentan erleben, wird sicherlich einen Schaden in unserer Branche hinterlassen. Nur weil man nun keine Mitarbeitenden entlassen musste, ist nach vier Monaten nicht alles wieder, als wäre nichts gewesen. Unsere Industrie hat einen schweren Kratzer abbekommen – und dieser wird nicht einfach zu reparieren sein.

Auch die Kredite werden wohl schwer auf den Veranstaltern lasten.
Absolut. Einnahmen gibt es ja im Moment nach wie vor praktisch keine. Diese Gelder müssen ja irgendwann zurück bezahlt werden. Und da gibt es schon noch einige Unklarheiten: Wir wissen noch nicht genau, wie hoch die Zinssätze sein werden und bis wann die Kredite abbezahlt werden müssen. Aber diese Massnahmen sind sicher für unsere Mitglieder eine kurzfristige Erleichterung und stimmen uns doch zuversichtlich für den Moment.



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