27.04.2024

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Besser investieren statt vererben!

Dalith Steiger ist Mitbegründerin des preisgekrönten KI-Start-ups SwissCognitive. Mit ihrer umfangreichen internationalen Erfahrung in der KI-Strategieberatung wird Dalith die Keynote an der diesjährigen Perikom-Tagung halten.
Ausgabe 04/2024: Besser investieren statt vererben!
Interview: Andreas Jäggi, Bilder: Remo Neuhaus

Dalith, was genau macht eigentlich SwissCognitive?
Wir bei SwissCognitive haben das Ziel, erfolgversprechende Start-ups im Bereich AI in der ganzen Welt zu identifizieren, um sie dann mit passenden Investoren zusammenzubringen. Wir begleiten die Start-ups, beraten sie in ihrem Aufbau, bei ihrer Strategie und öffnen ihnen schliesslich Türen zu strategischen Partnern und Kunden – ganz nach dem Motto: «We unleash the potential of AI in business.»

Wie beurteilst du die Schweizer KI-Start-up-Szene?
Wir sind gut aufgestellt und haben viele tolle Spin-offs der ETH/EPFL, der Unis und weiterer Hochschulen. Leider ist bei uns Venture-Kapital schwieriger zu finden als etwa in den USA. Hier würde ich mir wünschen, dass wir zu einer Kultur kommen, die lieber investiert als vererbt. Denn der kommenden Generation helfen wir am meisten mit Innovation in unserem Land.

Wie definierst du KI?
Für mich ist künstliche Intelligenz ein ungeeigneter Begriff. Wir reden ja auch nicht von künstlichen Vögeln, wenn wir von Flugzeugen reden. Künstliche Intelligenz weckt die Vorstellung, dass KI die Intelligenz des Menschen kopieren soll. Und das macht Angst. Was wir mit KI meinen, sind intelligente Systeme, die basierend auf Daten und Algorithmen Lösungen finden, auf die wir Menschen zum Beispiel nie gekommen wären oder dank denen wir Arbeitsprozesse effektiver und akkurater verrichten können.

Was kann KI nicht?
Menschliche Zeit geniessen. Und was sie nicht tun soll, sind Dinge, die nur dem Menschen zustehen. Sich verlieben oder heiraten, zum Beispiel. Was ich damit sagen will: Nicht alles, was möglich wäre, ist nötig.

Wo wird KI in der Wirtschaft schon eingesetzt?
Sehr erfolgreich im Medizinal- und Gesundheitsbereich, etwa in der Bilderkennung, wo frühzeitig bösartige Zellwucherungen mit KI erkannt werden. Ebenfalls gibt es Anwendungen in der Produktivitätssteigerung, wie bei der Supply-Chain und der Logistik, die auch einen positiven Effekt auf die CO2-Reduktion haben. Beim Einsatz von KI empfehle ich, sich zu fragen, ob ein Prozess einfach verbessert werden soll oder sich sogar neue, sinnvollere Geschäftsmodelle anbieten.

Und wie sieht es mit der Akzeptanz von KI aus?
Studien zeigen, dass über 80 Prozent der Menschen Hilfe von KI-Systemen wollen, um effizienter zu arbeiten und ihre Karriere damit zu fördern. Für mich widerspiegelt diese Zahl eine hohe Akzeptanz mit Blick auf den Einsatz von KI. Arbeitgeber laufen Gefahr, ihre Mitarbeiter an die Konkurrenz zu verlieren, wenn sie diese Entwicklung nicht mitmachen.

Wo wird KI im Personalbereich eingesetzt?
Schon viel gemacht wird im Recruiting-Prozess. Und gut eingesetzt, kann uns KI dabei unterstützen, unsere unbewussten Vorurteile bei Personalentscheidungen sichtbar zu machen, und uns zu diverseren, kreativeren und motivierteren Mitarbeitenden verhelfen. In Zukunft wird noch vieles mehr möglich sein. Ich möchte nur die Möglichkeit nennen, Mitarbeitende, die vor einer inneren Kündigung stehen, frühzeitig zu erkennen und mit ihnen Lösungen zu finden, wie sie ihr Potenzial weiter für die Firma einbringen können.

Und wo siehst du das Potenzial in der Kommunikation?
Auch da sehe ich sehr grosse und faszinierende Chancen. Ich zum Beispiel kann Ideen gut artikulieren, aber erst mit KI-Unterstützung gelingt es mir, sie auch in eine emotionale, überzeugende Bildwelt zu übersetzen. Oder Menschen, die aus verschiedenen Gründen – das kann auch eine Behinderung sein – mit dem sprachlichen Ausdruck Mühe haben, werden mit der Hilfe von KI neue Zugänge ermöglicht. Und auf der Ebene von Recherche und Analyse,

Zusammenfassungen und Übersetzungen haben wir heute schon immense Effizienzgewinne durch künstliche Intelligenz.
Besonders für KMU mit einer Ein-Stellen-Kommunikationsstelle eröffnen sich damit grosse Chancen, medial erstmalig eine professionelle Präsenz zu haben.


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