03.11.2025

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«Ich tue mich mit dem Wort Trend schwer»

Joséphine Chamoulaud ist CEO von Smile, der Online-Tochter der Helvetia-Versicherung. Chamoulaud hat an der Universität Luzern Kommunikationswissenschaften studiert. Nach leitenden Funktionen bei LikeMag Media House und der Zürcher Social-Media-Agentur Monami stiess sie 2018 zu Smile. Sie startete als Lead New Business und trat 2020 als Head of Marketing, Brand & Digital Experience in die Geschäftsleitung ein. So verantwortete sie den ersten TV-Spot mit Influencern und trieb die Positionierung als Lifestyle-Brand voran.
10/2025: «Ich tue mich mit dem Wort Trend schwer»
Will Smile als Lifestyle-Brand positionieren.

Welches waren die drei Markenikonen in Ihrer Kindheit oder Jugend?
Einen grossen Stellenwert hatte Disney – von Spielzeug über ganze Sammlungen von Videokassetten, Soundtracks und Abos der Micky-Maus-Comics bis hin zum Besuch im Freizeitpark. Insgesamt war ich aber wenig markenaffin. In Erinnerung geblieben sind mir vor allem Marken, deren Produkte je nach Lebensabschnitt relevant waren: von Lego bis hin zu meinem ersten Nokia 3310.

Mit welchem Produkt, mit welcher Marke beginnt Ihr Tag am Morgen und endet der Tag am Abend? 
Mein Tag beginnt mit einem guten Kaffee und den ersten 4000 Schritten auf meiner Garmin-Uhr. Der Spaziergang ins Office gibt mir den klaren Kopf für den Tag. Und am Abend ist es dann meist der letzte Blick aufs Apple-Gerät, bevor ich abschalte.

Welches Produkt oder welche Firma steht heute für exzellentes Marketing?
Sportmarken wie Nike, Adidas oder auch On begeistern mich immer wieder. Gerade bei On ist es beeindruckend, wie sie es geschafft haben, in einem gesättigten Markt global erfolgreich zu sein. Die Sportmarken sind exemplarisch dafür, wie man Erlebnisse und Emotionen verkauft und nicht primär Produkte. Und wie sie sich immer wieder neu ans Umfeld anpassen können, um zu begeistern.

Welche Geschäftsidee oder welches Produkt hat Sie in letzter Zeit am meisten begeistert?
Derzeit bewundere ich die Entwicklung von Whoop, einem Wearable aus den USA, das innert kürzester Zeit einen Hype-Status erreicht hat. Im Kern misst es wie andere Health-Tracking-Devices Schlaf, Erholung und Belastung. Aber Whoop hat das Thema Daten und Life-Tracking konsequent weitergedacht – das Apple unter den Wearables. 
Sie machen Daten sexy: mit elegantem und stylischem Design, clever eingesetzter KI und nahtloser Alltagsintegration inklusive eines flexiblen Abo-Modells. Beeindruckend ist für mich, wie schnell sich Whoop bei uns im Unternehmen verbreitet hat. Nicht nur an den Handgelenken, sondern auch in vielen Gesprächen und Diskussionen in der Kaffee-Ecke. Die Marke besetzt relevante Themenfelder wie Longevity mit Lifestyle-Charakter – kombiniert mit smarten Marketingmethoden.

Welcher Marketingtrend oder welches Marketingthema ist für Sie momentan am wichtigsten? Warum?
Ich tue mich sehr schwer mit dem Wort Trend. Die Grundsätze von gutem Marketing bleiben zeitlos: Klarheit, Relevanz und Nähe zum Kunden. Die Geschwindigkeit, die Werkzeuge und die Erwartungen haben sich verändert. Deshalb braucht Marketing heute vor allem Agilität, um flexibel und wirksam darauf reagieren zu können. Und das nicht nur auf Kampagnenebene, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Mich beschäftigt deshalb sehr klar die Rolle des modernen Marketings und wie sie im Unternehmen gelebt wird – von der Marktaktivierung bis hin zu den übergreifenden Organisationsstrukturen, die sich konsequent am Markt ausrichten und schnelle Reaktionen befähigen.

Wie kommunizieren Sie hauptsächlich mit Ihrer Kundschaft (direkter Kundenkontakt, Social Media usw.)?
Unsere Kommunikation ist Convenience-getrieben: Wo bringt unsere Kommunikation Kund:innen den grössten Mehrwert, und wo können wir ihr Anliegen am schnellsten lösen? Auch als Digitalversicherung ist die persönliche Beratung am Telefon – gerade weil Versicherung oft mit Unsicherheiten verbunden ist – noch ein sehr wichtiger Touchpoint. Dort leisten unsere Mitarbeitenden einen grossen Beitrag. Gleichzeitig eröffnen digitale Kanäle immer mehr Möglichkeiten: von der schnellen, automatisierten Bearbeitung bis hin zu relevanten und positiven Nutzererlebnissen entlang der gesamten Customer-Journey.

Wo sehen Sie für Ihr Unternehmen künftig die grössten Chancen?
Mit unserem digitalen Geschäftsmodell liegen unsere Chancen klar in der schnellen technologischen Entwicklung. Entscheidend ist, Technologie intelligent als Werkzeug für unsere Kund:innen und ihre Erlebnisse einzusetzen, mit Fokus auf Skalierbarkeit und Begeisterung durch das radikale Ausschöpfen technologischer Möglichkeiten.

Wo sehen Sie für Ihr Unternehmen künftig die grössten Risiken? 
Aktuell sind die Marktdynamiken für unsere Branche und ihre Entwicklung entscheidend: Weltpolitik, Inflation, Naturkatastrophen, digitale Transformationen, veränderte Kundenbedürfnisse. Gerade im digitalen Umfeld wird es ausserdem zur Herausforderung, als starke Marke sichtbar zu bleiben und Vertrauen aufzubauen. Besonders dort, wo die direkte Kontrolle über die Markenpräsenz und den Kontext abnimmt. Aber genau das motiviert mich persönlich aktuell stark und treibt mich an. Ausserhalb der Komfortzone entstehen die grössten Chancen. 


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