15.09.2025

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«Viele kommen über Projektarbeit, Kommunikation oder Ehrenamt ins Fundraising»

Die Studie «Berufsbild Fundraiser:in 2025» von ZHAW und Swissfundraising zeigt, dass sich Fundraiser:innen in der Schweiz in einer stabilen Lohnsituation befinden und die sinnstiftende Arbeit schätzen. Gleichzeitig fühlen sie sich aber auch oft unsichtbar. Fabienne Schmidli, Projektleiterin und Swissfundraising-Vizepräsidentin, gibt im Interview spannende Einblicke in die Ergebnisse.
Swissfundraising: «Viele kommen über Projektarbeit, Kommunikation oder Ehrenamt ins Fundraising»
Fabienne Schmidli ist Stv. Leiterin des Zentrums für Kulturmanagement an der ZHAW sowie Dozentin und leitet unter anderem den Diplomlehrgang (DAS) in Fundraising Management.

Als Erstes die Frage: Weshalb braucht es überhaupt eine Studie zum Berufsbild Fundraiser:in?
Fundraising ist ein Beruf mit hoher gesellschaftlicher Relevanz, aber gleichzeitig mit einem erstaunlich geringen öffentlichen Verständnis. Die Studie hilft, aktuelle Entwicklungen sichtbar zu machen und fundierte Aussagen über Löhne, Karrierewege sowie Zukunftsperspektiven zu treffen. Auch haben wir im Vergleich zu den vorgängig durchgeführten Lohnstudien erstmals die Perspektive von Selbstständigen sowie Dienstleister:innen mitberücksichtigt. Dies als Grundlage für einen öffentlichen Diskurs rund um das Berufsbild, mit dem Ziel, dieses langfristig zu schärfen. Gerade in einem Berufsfeld, das oft von Quereinsteiger:innen geprägt ist, braucht es eine solide Datenbasis, um Professionalisierung, aber auch die öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung zu fördern.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse der Studie? 
Die Studie zeigt, dass der Medianlohn von Fundraiser:innen bei 104 400 Franken liegt und sich über die letzten Jahre kaum verändert hat – ein Zeichen für Kontinuität und Verlässlichkeit im Berufsfeld. Besonders hervorzuheben ist die hohe Identifikation der Fundraiser:innen mit ihrer Tätigkeit: Die Sinnhaftigkeit und Gemeinnützigkeit ihrer Arbeit wird als zentraler Motivationsfaktor genannt. Gleichzeitig lassen sich zwei Berufstypen unterscheiden: Generalist:innen, die ein breites Aufgabenfeld abdecken und mit entsprechender Erfahrung oft Führungs- sowie Budgetverantwortung tragen, sowie Spezialist:innen, die sich fokussierter auf spezifische Fundraising-Bereiche wie Institutional oder Major Donor Fundraising konzentrieren. Die Studie macht zudem deutlich, dass die Zukunft des Berufs stark durch Digitalisierung, den Einsatz von künstlicher Intelligenz und den Wandel im Spendenverhalten geprägt sein wird. Dabei bleiben soziale und kommunikative Kompetenzen – insbesondere die Spender:innenorientierung – die entscheidenden Schlüsselqualifikationen für Fundraiser:innen im Jahr 2025 und darüber hinaus.

Was war überraschend?
Mich hat besonders überrascht, wie stark die Zufälligkeit beim Berufseinstieg weiterhin eine Rolle spielt – fast 30 Prozent der Fundraiser:innen sind rein zufällig dazu gekommen. Nur 4 Prozent der Befragungsteilnehmenden wollten schon immer als Fundraiser:in arbeiten. Das zeigt, wie wenig sichtbar und etabliert das Berufsbild noch ist – trotz seiner zentralen Rolle für viele Organisationen und der durchaus hohen Spendenbereitschaft in der Schweiz.

Die befragten Fundraiser:innen schätzen die Sinnhaftigkeit und Gemeinnützigkeit ihrer Arbeit, bewerten ihr Ansehen und das Verständnis für den Beruf in der Öffentlichkeit aber weniger positiv. Weshalb ist das so?
Fundraising bewegt sich oft im Hintergrund. Die Wirkung ist gross, aber die Sichtbarkeit oftmals gering. Viele Menschen wissen schlicht nicht, was Fundraiser:innen genau tun – und das führt zu einem geringen gesellschaftlichen Verständnis. Die öffentliche Wahrnehmung rund um das Thema der Mittelbeschaffung ist oft negativ konnotiert und wird auch durch die mediale Berichterstattung mitgeprägt. Dabei geht es um weit mehr: um Beziehungsarbeit, Vertrauen und Wirkung. Deshalb sehe ich einen klaren Bedarf, nicht nur das Selbstverständnis des Berufs, sondern auch die Bekanntheit und das Image von Fundraiser:innen langfristig innerhalb von NPO, in den Branchen, aber auch in der Gesellschaft zu stärken. Wertschätzung im Beruf erreichen wir meines Erachtens durch Aufklärung, Sichtbarmachen und die Förderung des öffentlichen Diskurses darüber, dass Fundraising auch etwas kostet.

Viele Fundraiser:innen gelangen eher zufällig in ihren Beruf. Was heisst das konkret?
Das heisst, dass Fundraising oft kein bewusst gewählter Karriereweg ist, sondern sich aus anderen Tätigkeiten im NPO-Sektor ergibt. Viele kommen über Projektarbeit, Kommunikation oder ein Ehrenamt ins Fundraising. Das spricht für die Offenheit und die Vielfalt des Berufsfelds, aber auch für die Notwendigkeit, Fundraising stärker in Aus- sowie Weiterbildungen zu integrieren und als attraktives Berufsziel zu positionieren – nicht zuletzt für Menschen in Phasen der Neuorientierung und Sinnsuche. Die Professionalisierung schreitet voran, aber es ist noch viel zu tun. Das Berufsprofil Fundraiser:in muss zukünftig weiter geschärft werden. 

Wie werden die Zukunftsaussichten von Fundraiser:innen eingeschätzt?
Die Mehrheit der Befragungsteilnehmenden sieht ihre Karrierechancen als gut oder sehr gut. Das ist ermutigend. Die Offenheit gegenüber Trends wie Digitalisierung und KI zeigt, dass Fundraiser:innen bereit sind, sich weiterzuentwickeln. Wenn wir es schaffen, das Berufsbild weiter zu schärfen und die gesellschaftliche Anerkennung zu erhöhen, wird sich dies sicherlich positiv auf die Zukunftsaussichten für Fundraiser:innen auswirken.


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