27.04.2024

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Vom Stadtgarten bis zum Pionierprojekt

Das gesellschaftliche Engagement der Migros ist nahe an den Menschen und ihren Bedürfnissen. Ob im Stadtgarten, im Nähatelier, beim Wanderznacht oder beim Schreibservice: Die Migros bringt die Menschen zusammen und lässt ein Wir-Gefühl entstehen. Kerstin Klauser, Leiterin des Bereichs Gesellschaft der Direktion Gesellschaft & Kultur beim Migros-Genossenschafts-Bund, über den kleinen oder grossen Unterschied, den wir alle machen können.
Gesellschaftliches Engagement der Migros: Vom Stadtgarten bis zum Pionierprojekt

Frau Klauser, das Thema dieses Heftes ist «Luxus». Was bedeutet Luxus für Sie?
Zeit zu haben für das, was mir wichtig ist. Privat bedeutet es für mich, mit meinem Mann und meinen Kindern Erlebnisse zu teilen. So haben wir uns kürzlich eine Auszeit genommen und sind als Familie sechs Monate durch die Welt gereist. Beruflich empfinde ich es als Privileg, mich – gemeinsam mit einem grossartigen Team – für gesellschaftlich relevante Themen einsetzen zu dürfen.

Die Migros engagiert sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten für die Gesellschaft. Warum?
Das ist in der DNA der Migros verankert. Seit Beginn ihres Bestehens trägt sie mit dem Migros-Kulturprozent Verantwortung für Mensch und Umwelt. Gottlieb Duttweiler war der Meinung, dass es einer Firma nur so gut gehen kann, wie es der Gesellschaft geht. Schon in den Gründungsstatuten steht: «Wir müssen wachsender eigener materieller Macht stets noch grössere soziale und kulturelle Leistungen zur Seite stellen.» Und so setzen wir uns auch heute noch für den Kitt in der Bevölkerung ein.

Was macht diesen Kitt aus?
Wir möchten alle an der Gesellschaft teilhaben lassen. Machen Menschen etwas gemeinsam und haben sie das Gefühl, einen Beitrag zum grossen Ganzen zu leisten, entsteht ein Wir-Gefühl. Gerade in herausfordernden Zeiten brauchen wir Gemeinschaft und Solidarität.

Wo setzt das gesellschaftliche Engagement der Migros konkret an?
Das gesellschaftliche Engagement der Migros ist so vielfältig wie unsere Gesellschaft. Mit dem Migros-Kulturprozent sind wir nahe bei den Leuten und ihren Bedürfnissen. Dank der sogenannten Nachbarschaftsinitiative 2022 konnte beispielsweise der Stadtgarten Allschwilerplatz mitten in Basel ausgebaut, in Bedigliora ein neuer Dorftreffpunkt geschaffen und in Kriens eine Anlaufstelle für Freiwilligenarbeit aufgebaut werden. 2023 haben wir im Rahmen unserer Freundschaftsinitiative in Baselland einen Begegnungsort für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung unterstützt. In Nyon ist aus einem ehemaligen Recycling-Zentrum eine lebendige Begegnungszone entstanden. In Zürich, Basel und Bern wurde ein Wander-znacht ins Leben gerufen; hier treffen sich regelmässig Menschen, die bereits lange an einem Ort wohnen, und Zugezogene zum Abendessen. All diese Initiativen ermöglichen einen Austausch zwischen Menschen, die sonst nicht ins Gespräch kommen würden – was den Horizont erweitert und das gegenseitige Verständnis fördert.

Die genannten Beispiele setzen auf der zwischenmenschlichen Ebene an. Gibt es auch andere Ansätze?
2012 wurde ergänzend zum Migros-Kulturprozent der Pionierfonds ins Leben gerufen. Er unterstützt unternehmerische Lösungen für aktuelle systemische Herausforderungen in der Gesellschaft. Es handelt sich um Projekte, die klassische Investor:innen nicht finanzieren würden, weil sie Neuland betreten und nicht das grosse Geld versprechen. Bis heute wurden so über 120 Projekte mit 120 Millionen Franken ermöglicht. Das Pionierprojekt «#withyou» hat beispielsweise ein Online-Tool geschaffen, das Opfern häuslicher Gewalt anonym digitale Unterstützung bietet. Das Start-up «Gaia Tech» wiederum hat ein Verfahren entwickelt, das aus der Biomasse, die nach dem Pressen von Olivenöl übrig bleibt, wertvolle Antioxidantien extrahiert. Diese können schädliche Chemikalien in Kosmetikprodukten und Lebensmitteln ersetzen.

Als grösste private Arbeitgeberin der Schweiz beschäftigt die Migros rund 100 000 Mitarbeitende aus insgesamt 170 Nationen. Wie engagiert sie sich für die Vielfalt in der Gesellschaft?
Mit dem Förderprogramm «ici. gemeinsam hier.» möchte die Migros diese Vielfalt stärken. Vielfalt wird dort gelebt, wo sich Menschen begegnen – an Quartierfesten, beim Sport oder auf dem Spielplatz. Wir unterstützen Menschen, die sich freiwillig für ein chancengleiches Zusammenleben in der Schweiz engagieren. Die Jury hat bisher 175 Integrationsprojekte ausgewählt, die mit insgesamt 1,8 Millionen Franken unterstützt werden. Die Projekte erhalten Förderbeiträge zwischen 1000 und 25 000 Franken. Damit haben Initiant:innen beispielsweise in der Region Biel einen Schreibservice aufgebaut. Oder drei Nähateliers in Aarau eröffnet, wo armutsbetroffene Frauen mit der Kulturlegi kostenlos Kleider anpassen oder flicken und sich dabei mit anderen Frauen unterhalten können. Oder den Chœur de Cœur gegründet, einen Chor aus ukrainischen Geflüchteten und in der Schweiz ansässigen Personen. Gemeinsam singen sie traditionelle Volkslieder aus beiden Kulturen.

Die Höhe der finanziellen Unterstützung variiert stark. Weshalb?
Wir analysieren genau, was Initiant:innen für ihre Projekte brauchen. Weil die Bedürfnisse so unterschiedlich sind, bieten wir beispielsweise neu auch sogenannte Mini-Grants an. Das sind Förderbeiträge bis maximal 2500 Franken. Damit werden lokale Projekte unterstützt, die Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen zusammenbringen. Oft fehlt es an moderaten finanziellen Mitteln wie zum Beispiel für die Miete eines gemeinsamen Treffpunkts, für den Kauf von Kinderbüchern oder um die Bustickets der Teilnehmenden zu bezahlen, die weit entfernt wohnen.

Besteht die Unterstützung immer nur aus finanziellen Mitteln?
Nein, wir haben zusätzliche begleitende Angebote geschaffen. In der Toolbox finden sich online praktische Hilfsmittel für gemeinnützige Arbeit. Wer ein lokales, soziales und gemeinnütziges Projekt voranbringen möchte, kann sich zudem im Projekt(t)raum-Workshop mit Interessierten und Engagierten austauschen. Oder sich für ein Coaching bewerben. Wie die Erfahrungen zeigen, fehlen auch etablierten gemeinnützigen Organisationen oftmals die finanziellen Mittel für ihre strategische Weiterentwicklung. Deshalb unterstützen wir sie dabei neu mit Beiträgen von 5000 bis maximal 30 000 Franken.

Was, wenn ich mich engagieren möchte, aber keine zündende Idee habe?
Auf unserer Website engagement.migros.ch bringen wir Interessierte mit Projekten in ihrer Region zusammen. Die Auswahl ist sehr breit und reicht vom Alltagstelefon gegen Einsamkeit im Alter über gemeinsames Gärtnern bis hin zu Peer-Berater:innen für junge Menschen mit einer Behinderung. Wir alle können im Rahmen unserer Möglichkeiten einen Unterschied machen – im Kleinen wie im Grossen. 


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