Die Migros zählt zu den grössten Investorinnen in die gesellschaftliche Entwicklung der Schweiz. Ihr Engagement ist so breit wie ihr Sortiment, so regional wie ihre zehn Genossenschaften und so vielfältig wie sie selbst. «Wir engagieren uns für die Lebensqualität der Menschen in der Schweiz», bringt Mira Song das Ziel auf den Punkt. Sie leitet die Direktion Gesellschaft & Kultur beim Migros-Genossenschafts-Bund seit September 2024. Hunderte Projekte, Veranstaltungen, Angebote und Initiativen, die über das gesellschaftliche Engagement der Migros gefördert werden, tragen dazu bei, dieses Ziel zu verwirklichen.
Dazu gehören beispielsweise Erzählcafés, Plauderkassen und Tischrunden für Senioren. Oft sind es auch kleine lokale Initiativen, die dort ansetzen, wo ein konkreter Bedarf besteht: Gemeinschaftsgärten, Quartiertreffs, Sprachcafés, gemeinsame Koch- oder Kinoabende. Ermöglicht und getragen werden diese auch von vielen freiwillig Engagierten. «Wir verstehen unseren Auftrag auch, dass wir möglichst vielen Menschen Zugänge ermöglichen – zu Freizeitangeboten, Gemeinschaften, Bildung und Kultur. Damit stärken wir die Gesellschaft als Ganzes und ihren Zusammenhalt», sagt Song. Nebst der Teilnahme an Erlebnissen unterstützt das Migros-Kulturprozent auch Menschen und Ideen, welche die Gesellschaft oder das Zusammenleben voranbringen.
Mit dem Ziel, die Lebensqualität in der Schweiz auch in Zukunft zu sichern, leistet der Migros-Pionierfonds seit 2012 Anschubfinanzierung für Jungunternehmen, die mit innovativen Geschäftsideen gesellschaftliche Herausforderungen angehen und Fortschritt für alle ermöglichen. «Aus kühnen Plänen sollen konkrete Lösungen für gesellschaftlich relevante Probleme werden», sagt Mira Song. Der Pionierfonds finanziert Projekte, die klassische Investor*innen nicht finanzieren würden, weil sie nicht das grosse Geld versprechen, sich in einem sehr frühen Stadium befinden und Neuland betreten.
Grosse Breite von Angeboten
Seit seiner Gründung hat der Migros-Pionierfonds mehr als 140 unternehmerische Vorhaben mit über 100 Millionen Franken ermöglicht. So zum Beispiel das Start-up Rez Actifs, das nachhaltige Läden und Services zurück ins Quartier bringt und damit einen Alltag mit kurzen Wegen, weniger CO2 und mehr nachbarschaftlicher Begegnung schafft. Oder das Online-Tool «#withyou», das Opfern häuslicher Gewalt anonym und niederschwellig Unterstützung bietet. Der Migros-Pionierfonds nimmt keine Gesuche entgegen, sondern sucht mit Scouts aktiv nach Projekten mit einem langfristigen gesellschaftlichen Nutzen.
Wie wird bei der Breite an Angeboten des gesellschaftlichen Engagements entschieden, was gefördert wird? «Als private Förderin versuchen wir, Lücken zu füllen», sagt Mira Song. Während viele Stiftungen Projekte in ihrer Produktionsphase unterstützen, fördert das Migros-Kulturprozent auch erste Ideen, bringt kleine Theaterproduktionen auf die grosse Bühne, sodass künstlerische Werke und Publikum zueinanderfinden, oder lässt neue Formate entstehen. Unterstützt wird vor allem mit Geld, aber auch mit Beratung und Vernetzung. Wie zum Beispiel mit Mentoraten im Projekt Double oder Netzwerkveranstaltungen im Projekt m2act.
Die meisten Projekte gelangen über Fördergesuche zum Kulturprozent. Entweder werden sie bei der Direktion Gesellschaft & Kultur vom Migros-Genossenschafts-Bund oder bei einer der zehn Genossenschaften eingereicht. Dort entscheiden unterschiedlich zusammengesetzte Teams, welche Vorhaben unterstützt werden. Die 2022 lancierten Mitmach-Initiativen zeigen gut, wie diese Prozesse ablaufen. Die Initiativen zum Thema Nachbarschaft, Freundschaft oder Vielfalt wurden mit einem Wettbewerb für alle lanciert. Danach konnten Vereine oder gemeinnützige Organisationen ihre Ideen oder Projekte einreichen. In einem öffentlichen Voting entschied schliesslich die Bevölkerung, welche Projekte unterstützt werden.
Ein weit gefasster Begriff von Kultur
Der organisatorische Aufbau hinter dem gesellschaftlichen Engagement der Migros ist komplex. Das Kompetenzzentrum unter Mira Song verantwortet unter anderem das nationale Kulturprozent. Dieses ist einerseits durch eigene Veranstaltungen bekannt, wie beispielsweise die Migros-Kulturprozent-Classics, die seit 1948 klassische Konzerte zu günstigen Ticketpreisen allen zugänglich machen, das Musikfestival m4music, das zeitgenössische Tanzfestival Steps oder das Migros-Museum für Gegenwartskunst.
Andererseits finanziert das Migros-Kulturprozent Institutionen wie das Gottlieb Duttweiler Institute GDI, die vier Parks im Grünen, die Monte-Generoso-Bahn sowie die Klubschule Migros mit ihren über 24 000 Kursen, vom Töpfern über Japanischlernen bis hin zum Mundharmonikaspielen.
Jede Region hat ihr eigenes Kulturprozent, das lokale Veranstaltungen fördert. «Die Genossenschaften agieren eigenständig», so Song. Was aber alle vereint, sind die Statuten, das Fundament der Migros. Darin steht: Ein Prozentsatz des Umsatzes aus dem Supermarktgeschäft muss für kulturelle, soziale und wirtschaftspolitische Zwecke eingesetzt werden. So finanziert sich das Migros-Kulturprozent. Zusammen mit dem Migros-Pionierfonds und dem Unterstützungsfonds investierte die Migros im Jahr 2024 138 Millionen Franken in das gesellschaftliche Engagement.
Zum Vergleich: Die Stadt Zürich investiert mit 140 Millionen etwa ähnlich viel. Wie viel die Migros aufwendet, ist direkt an den wirtschaftlichen Erfolg, den Umsatz, geknüpft.
Duttis Erbe
So wollte es der Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler. Als Unternehmer wie Politiker sah er sich in der Verantwortung für sein Land. «Die Genossenschaft muss sich dort einsetzen, wo der Unternehmer kein Interesse zeigt und der Staat nicht mehr in der Lage ist, die Aufgabe zu lösen», sagte er Anfang der 1940-er Jahre bei einem Vortrag in Basel. Darauf schlug er vor, fortan einen Franken pro hundert für gesellschaftliche Zwecke aufzuwenden. Damit war der Grundstein für das Kulturprozent gelegt, das 1957 in den Statuten verschriftlicht wurde. Seitdem hat die Migros 5,6 Milliarden Franken in die Gesellschaft investiert.
Wie Duttis Migros lebt auch sein gesellschaftliches Engagement weiter und damit: ein millionenschweres Erbe. Für einen Teil ist Mira Song zuständig. Es sei «Verantwortung und Privileg zugleich», sagt sie und ergänzt: «Das breite Know-how meiner Kolleginnen und Kollegen in der Direktion ist der Schlüssel, um die gesellschaftlichen Entwicklungen und Problemstellungen zu erfassen und Lücken zu füllen. Das bestehende Projektportfolio muss auch regelmässig überprüft werden. Wollen wir unserem Anspruch genügen, relevant zu bleiben, muss sich auch das En-gagement ständig weiterentwickeln.» Wohin wird die Reise gehen? Das könne sie noch nicht sagen, meint Song. Nur so viel: Grosse Gesellschaftsthemen wie Demografie, Digitalisierung, Migration oder Umwelt werden weiter relevant sein. «Wir werden immer mehr, immer älter und ärmer», sagt Song. «Und wir setzen uns weiterhin dafür ein, die Lebensqualität zu verbessern – für alle.»

