Doch diese Glaubwürdigkeit ist kein Selbstläufer. Sie ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Prozesses aus Beobachten, Hinterfragen, Weiterentwickeln und Abstimmen. Genau in einem solchen Prozess befindet sich aktuell die Reform der Prüfungsordnung für Kommunikationsfachpersonen.
Prüfungen sind kein Selbstläufer
Als Trägerschaft einer eidgenössischen Prüfung tragen wir Verantwortung auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Einerseits gegenüber dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, das klare Vorgaben zur Qualitätssicherung und zur regelmässigen Überprüfung von Prüfungsordnungen macht. Andererseits gegenüber der Branche, die sich darauf verlässt, dass eidgenössische Abschlüsse das abbilden, was im Berufsalltag tatsächlich zählt. Diese Verantwortung bedeutet, dass wir nicht warten dürfen, bis Prüfungen veraltet sind. Wir müssen Entwicklungen frühzeitig erkennen und einordnen. Nicht jede neue Technologie, nicht jede Methode und nicht jeder Trend gehört automatisch in eine eidgenössische Prüfung. Aber jede relevante Veränderung muss zumindest geprüft, diskutiert und bewertet werden. Genau an diesem Punkt setzt die laufende Reform an. Sie ist nicht getrieben von Aktionismus, sondern von der Überzeugung, dass eidgenössische Prüfungen nur dann stark bleiben, wenn sie regelmässig kritisch reflektiert werden.
Der Markt als Ausgangspunkt
Am Anfang der Reform stand deshalb eine bewusste strategische Entscheidung: Bevor über Inhalte, Prüfungsformate oder Strukturen gesprochen wird, muss die Praxis zu Wort kommen. Und dies nicht punktuell, sondern systematisch und als verbindliche Grundlage.
Kommunikation ist ein Berufsfeld, das sich direkt aus der Praxis heraus entwickelt. Agenturen, Unternehmen, Verwaltungen und Non-Profit-Organisationen prägen täglich, welche Kompetenzen Kommunikationsfachpersonen benötigen. Wenn Prüfungen relevant bleiben sollen, müssen sie genau hier ansetzen: in der beruflichen Realität.
Aus diesem Grund wurden in allen Sprachregionen Roundtables durchgeführt. Eingeladen waren Personen aus unterschiedlichen Perspektiven: Auftraggebende, Agenturverantwortliche, Dozierende, Bildungsinstitutionen, Verbände sowie Absolventinnen und Absolventen der eidgenössischen Prüfungen. Diese Vielfalt war kein Zufall, sondern Voraussetzung dafür, ein möglichst vollständiges Bild der aktuellen und zukünftigen Anforderungen zu erhalten. Die Diskussionen fanden bewusst live und in Präsenz statt – nicht als Präsentationsveranstaltungen, sondern als Arbeitsgespräche. Es wurde offen angesprochen, was gut funktioniert, wo Lücken bestehen und wo sich das Berufsbild verändert. Die Rückmeldungen waren differenziert, teilweise kritisch und insgesamt konstruktiv. Genau diese Qualität macht den Wert solcher Dialoge aus.
Was der Markt klar formuliert hat
Über alle Sprachregionen hinweg zeigten sich erstaunlich klare Gemeinsamkeiten. Der Markt erwartet von Kommunikationsfachfrauen und Kommunikationsfachmännern heute weniger isoliertes Fachwissen und dafür mehr Fähigkeit, komplexe Situationen zu erfassen und zu steuern.
Kommunikation wird zunehmend als integrierte Disziplin verstanden. Strategie, Umsetzung, Analyse, Technologie und gesellschaftliche Verantwortung lassen sich nicht mehr sauber voneinander trennen. Entsprechend hoch ist der Anspruch an jene Fachkräfte, die diese Schnittstellen bedienen.
Deutlich wurde auch, dass digitale Kompetenzen heute selbstverständlich sind. Es geht nicht mehr darum, ob digitale Kanäle bekannt sind, sondern ob diese sinnvoll orchestriert, bewertet und weiterentwickelt werden können. Gleiches gilt für den Einsatz von künstlicher Intelligenz.
Der Markt erwartet kein unkritisches Anwenden von Tools, sondern einen reflektierten und verantwortungsvollen Umgang, bei dem Eigenleistung, Entscheidungsfähigkeit und Verantwortung klar beim Menschen verbleiben.
Diese Rückmeldungen bildeten die inhaltliche Grundlage für den nächsten zentralen Schritt der Reform.
Das Qualifikationsprofil als Herzstück der Reform
Aus den Marktrückmeldungen heraus wird derzeit das neue Qualifikationsprofil für Kommunikationsfachfrauen und Kommunikationsfachmänner finalisiert. Dieses Dokument ist sozusagen der Kern der Reform. Es beschreibt nicht einzelne Prüfungsaufgaben, sondern das Berufsbild, die zentralen Handlungskompetenzen sowie das Anforderungsniveau, das Absolventinnen und Absolventen mitbringen sollen. Welche Aufgaben übernehmen diese Fachpersonen? Welche Verantwortung tragen sie? Welche Kompetenzen müssen sie beherrschen, um in einem dynamischen Umfeld bestehen zu können? Mit der offiziellen Abnahme des Qualifikationsprofils durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation wurde ein zentraler Meilenstein erreicht. Damit steht der verbindliche inhaltliche Rahmen der neuen Prüfung fest.
Warum das Qualifikationsprofil so entscheidend ist
In der Logik der höheren Berufsbildung steht das Qualifikationsprofil stets am Anfang. Es ist kein Begleitdokument, sondern die Grundlage für alles Weitere. Auf ihm bauen die Prüfungsordnung, die Prüfungswegleitung, die Prüfungsformate und die Bewertungskriterien auf.
Dieser Aufbau ist bewusst gewählt. Er stellt sicher, dass Prüfungen nicht aus einzelnen Fachthemen zusammengesetzt werden, sondern aus einem kohärenten Berufsverständnis heraus entstehen. Das Qualifikationsprofil definiert, welche Handlungskompetenzen geprüft werden sollen. Die Prüfungsordnung regelt anschliessend, wie diese Kompetenzen überprüft werden. Die Wegleitung macht dies schliesslich konkret und umsetzbar.
Erst wenn das Qualifikationsprofil steht, beginnt die Ausarbeitung der Prüfungsordnung und der Prüfungswegweisung. Dieser Schritt folgt zeitlich bewusst danach und nicht parallel. Dabei werden die im Qualifikationsprofil definierten Kompetenzen in prüfbare Formate übersetzt. Ziel ist es, Prüfungen zu gestalten, die realistische berufliche Situationen abbilden und Kandidatinnen und Kandidaten ermöglichen, ihr Können ganzheitlich zu zeigen.
Bereits heute ist klar, dass der Fokus nicht auf einer isolierten Wissensabfrage liegen wird. Die Prüfungen sollen zeigen, ob Kommunikationsfachfrauen und Kommunikationsfachmänner in der Lage sind, Aufgaben zu analysieren, Lösungen zu entwickeln, Entscheidungen zu begründen und ihre Arbeit zu reflektieren. Hilfsmittel, digitale Tools und Informationsquellen gehören dabei zur Realität und werden entsprechend berücksichtigt.
Verantwortung, Ethik und gesellschaftlicher Kontext
Ein weiterer Punkt, der sich in den Marktdiskussionen deutlich gezeigt hat, ist die wachsende Verantwortung des Berufs. Kommunikation beeinflusst Wahrnehmung, Vertrauen und gesellschaftliche Diskurse.
Entsprechend hoch ist der Anspruch an Professionalität, Transparenz und ethisches Bewusstsein.
Diese Aspekte werden im Qualifikationsprofil bewusst und verbindlich verankert. Kommunikationsfachfrauen und Kommunikationsfachmänner sollen nicht nur effizient kommunizieren, sondern die Auswirkungen ihres Handelns reflektieren können. Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Entwicklungen und kulturelle Kontexte sind dabei keine Zusatzthemen, sondern Teil des professionellen Selbstverständnisses.
Eine Prüfungsordnung muss für mehrere Jahre Bestand haben. Gleichzeitig entwickeln sich Technologien und Arbeitsweisen rasant weiter. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich nicht durch ständige Detailanpassungen lösen, sondern durch eine klare Fokussierung auf übergeordnete Kompetenzen.
Methodenkompetenz, Analysefähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Lernfähigkeit verlieren auch in einer sich wandelnden Welt nicht an Relevanz. Wer diese Fähigkeiten beherrscht, kann neue Tools einordnen, neue Anforderungen verstehen und sich kontinuierlich weiterentwickeln.
Genau auf diesem Prinzip baut die laufende Reform auf. Sie will kein starres Regelwerk schaffen, sondern ein stabiles Fundament, das Entwicklung ermöglicht.
Ein Prozess aus Überzeugung
Im kontinuierlichen Dialog mit der Praxis, in der klaren Orientierung am Qualifikationsprofil und in der engen Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation entsteht die Grundlage der eidgenössischen Prüfungen. Sie sind Ausdruck eines hohen Qualitätsanspruchs, konsequenter Praxisnähe und eines gemeinsamen Commitments für eine Kommunikationsbranche, die auf verlässliche, zukunftsfähige Fachkräfte bauen kann.


