20 Stimmen zum Print-Ende

20 Minuten - 20 Minuten hat sich am Dienstag mit einer Sonderausgabe von seiner Printversion verabschiedet. Die 1999 lancierte Pendlerzeitung erscheint künftig nur noch digital. Zum Abschied blickt das Blatt mit prominenten Stimmen aus Politik, Wirtschaft, Medien und Sport auf seine Rolle im Schweizer Medienalltag zurück.

Die blauen Zeitungsboxen von 20 Minuten wurden am frühen Dienstagmorgen in der Deutschschweiz, der Romandie und im Tessin ein letztes Mal befüllt. Zum Abschied gab es eine Sonderausgabe, in der sich die zur TX Group gehörende Gratiszeitung – nach der Jubiläumsausgabe von 2024 – ein letztes Mal selbst ins Zentrum stellte.

Einige Werbetreibende bedanken sich darin in ihren Inseraten: Aldi Suisse («Vielen Dank für 26 Jahre Print-Geschichte!»), Coca-Cola («Danke für 26 Jahre Print. Auf viele weitere erfrischende Kapitel digital»), Denner («Das letzte Mal Denner-Aktionen auf 20-Minuten-Papier»), Media Markt («Merci, dass ihr uns hier entdeckt habt! Diese Zeitung endet, doch wir bleiben 20min.ch treu») oder Emil Frey («Wir wünschen 20 Minuten weiter viel Reichweite»).

Auch kommen viele prominente Stimmen zu Wort. persoenlich.com pickt 20 Stimmen zum Print-Ende von 20 Minuten heraus:

Pietro Supino, TX Group-Verleger: «Ich war skeptisch. Wer hätte gedacht, dass 20 Minuten die grösste und wichtigste nationale Medienmarke werden könnte?»

Albert Rösti, Medienminister: «Ich war positiv überrascht, dass eine gut lesbare Zeitung plötzlich gratis verfügbar war. Das war eine tolle Dienstleistung! (…) Ich merke nicht, wo der Journalist politisch steht, und fühle mich fair behandelt, auch wenn ich kritisiert werde.»

Elisabeth Baume-Schneider, Bundesrätin: «Als Pendlerzeitung hat 20 Minuten sehr viele Menschen mit Informationen versorgt. Täglich liefert die Redaktion Stoff für wichtige politische und gesellschaftliche Diskussionen. Ich hoffe, dass 20 Minuten diese Rolle auch in einer rein digitalen Zukunft spielen wird.»

Thomas Wildberger, Präsident ADC Switzerland: «Diese Werbung von 1999 wäre heute wieder ganz okay. Der Retro-Style und die Einfachheit zahlen auf Nostalgie und Bodenständigkeit ein, nach der sich viele sehnen.»

Vincent Ducrot, SBB-CEO: «20 Minuten war nicht nur eine Revolution, weil es gratis war, sondern auch, weil es Nachrichten kurz und knapp präsentierte. (…) Damals hiess es: ‹Im Zug schaut man nach draussen oder schläft.› Ausserdem konnte man im Zug noch rauchen. Vor den Gratiszeitungen haben viele im Zug ein Buch gelesen.»

Susanne Wille, SRG-Generaldirektorin: «Beim Zugfahren sehe ich, wie die 20-Minuten-Printausgabe zur täglichen Reiselektüre der Menschen wurde – gerade bei Jungen.»

Cédric Wermuth, SP-Co-Präsident: «20 Minuten hat mich jahrelang auf dem Arbeitsweg begleitet und viele Menschen niederschwellig an Politik und Gesellschaft herangeführt.»

Pia Guggenbühl, Direktorin Verlegerverband Schweizer Medien: «Mit 20 Minuten hat man alles Wissenswerte sofort auf dem Schirm. Das betrifft auch Themen wie KI und Regulierung, die die Redaktion eng, aktuell und umfassend verfolgt.»

Juri Jaquemet, Kurator Museum für Kommunikation: «Künftige Generationen werden fasziniert sein, dass man Medien einst gedruckt und nicht digital konsumierte.»

José Cáceres, Kurator Schweizerisches Landesmuseum: «Pendlerzeitungen waren die erfolgreichste Innovation der Schweizer Presse seit der Jahrtausendwende.»

Mario Irminger, Migros-CEO: «Ein persönlicher Moment mit 20 Minuten bleibt mir besonders in Erinnerung: Diesen Sommer war ich zu Gast bei Chefredaktorin Désirée Pomper im Livetalk, mitten in der Gemüse- und Früchteabteilung unserer Filiale am Limmatplatz.»

Philipp Wyss, Coop-CEO: «20 Minuten hat mit innovativem Konzept den Schweizer Medienmarkt aufgemischt und ist rasch zur grössten Tageszeitung geworden. Mit der Coop-Zeitung Weekly waren wir Teil dieser Erfolgsgeschichte.»

Silvan Brauen, Rivella-Co-CEO: «Seit den ersten Ausgaben nutzen wir die Pendlerzeitung, um Menschen unterwegs zu erreichen. Unvergessen die komplett gelbe Ausgabe zur Lancierung von Rivella Gelb.»

Martin Nydegger, Direktor Schweiz Tourismus: «Für mich steht 20 Minuten für Tempo, Nähe und Innovation.»

Lucas Leemann, Politikprofessor: «Wir führten 2014 bei der Masseneinwanderungsinitiative die erste Onlineumfrage mit 20 Minuten durch. Das war mutig: Erstmalig kamen in der Schweiz moderne Umfragemethoden zum Einsatz – ein wichtiger Beitrag zu einer gut informierten Stimmbevölkerung.»

Alisha Lehmann, Fussballerin: «Als ich jung war, fuhr ich mit dem Zug zur Schule und las immer 20 Minuten. Es ist traurig, dass ich die Zeitung nie wieder in Händen halten kann – wenn ich in der Schweiz bin.»

Ditaji Kambundji, Leichtathletik-Weltmeisterin: «Früher griff ich auf dem Schulweg in die blaue Box. Mein Vater bewahrte Ausgaben mit Mujinga oder mir auf der Titelseite auf.»

Christa Rigozzi, Moderatorin: «20 Minuten war dabei immer ein Spiegel der Zeit, direkt, nahbar und mitten im Leben. (…) Für mich zählt Relevanz, und die bleibt. Auch ohne Papier.»

Marc Bucher, Medientechnologe: «Dass 20 Minuten jetzt wegfällt, ist ein Verlust – ich war immer stolz, es zu drucken.» Im Zug habe er oft eine Ausgabe genommen und zur Familie gesagt: «Schaut, das ist mein Heftchen.»

Lara, 21, Leserin: «Für den Vibe war es auf jeden Fall cooler, im Tram Papier in der Hand zu haben.»


Der norwegische Verlag Schibsted lancierte 20 Minuten am 13. Dezember 1999 als Gratis-Pendlerzeitung (persoenlich.com berichtete). Tamedia (heute TX Group) übernahm 2003 die Mehrheit. Die Konkurrenz kam und ging teilweise ziemlich rasch wieder: Metropol, .ch, Blick am Abend und News. Mit 20 Minuten verschwindet die letzte gedruckte und kostenlose Schweizer Tageszeitung. Das Ende der gedruckten Ausgabe zeichnete sich auch bei 20 Minuten zuletzt aufgrund rückläufiger Werbeeinnahmen ab. 

Ein limitiertes Kontingent der Verteilboxen von 20 Minuten wird nun für je 20 Franken verkauft. Die 45 Kilogramm schweren Boxen haben viel Patina angesetzt: «Die Boxen waren Wind und Wetter ausgesetzt und werden in dem Zustand abgegeben, in dem sie abgebaut werden», heisst es dazu. Die Boxen kommen ausserdem ins Landesmuseum in Zürich sowie ins Museum für Kommunikation in Bern.

20 Minuten will sich künftig auf den digitalen Auftritt konzentrieren. Die überarbeitete App wurde bereits im Herbst lanciert. 2026 sollen laut Mitteilung «weitere Innovationen für unsere Nutzerinnen und Nutzer und für den Werbemarkt» folgen. (cbe/sda)