01.07.2021

SRG

25 Massnahmen gegen sexuelle Belästigung

Jean-Michel Cina will das Paket sofort umsetzen. Denn es sei ihm ein grosses Anliegen, dass niemand mehr inakzeptable Arbeitsbedingungen hinnehmen müsse. Gilles Marchand verspricht «Null-Toleranz».
SRG: 25 Massnahmen gegen sexuelle Belästigung
Unternehmenskultur als wichtige Priorität: Jean Michel Cina spricht im April in Bern an einer Medienkonferenz über die Belästigungsvorwürfe. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Jahrelang gab es beim Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) und beim italienischsprachigen RSI Belästigungen und sexuelle Übergriffe. Das war letztes Jahr ein grosses Thema in den Medien und nun bestätigt dies auch der Bericht eines von der SRG beauftragten externen Anwaltskollektivs (persoenlich.com berichtete). In diesem Zusammenhang verabschiedete der Verwaltungsrat der Muttergesellschaft SRG einen Massnahmenkatalog zur Änderung der Betriebskultur. Die Umsetzung überwacht eine nationale Arbeitsgruppe, die direkt dem Verwaltungsrat berichtet.

«Fälle transparent aufarbeiten»

Der Katalog umfasst 25 konkrete Massnahmen, wie die SRG SSR am Donnerstag mitteilte. Die Massnahmen basieren auf den externen Untersuchungen vom November 2020. Im Zuge der aufgedeckten Belästigungen beschloss das Unternehmen, die konkreten Fälle transparent aufzuarbeiten und auf einen Kulturwandel hinzuarbeiten (persoenlich.com berichtete). Die Unternehmenskultur wird neu als strategisches Ziel definiert.

Den Start bildet das vom Verwaltungsrat verabschiedete Massnahmenpaket. Dabei setzt die SRG SSR auf die Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Stufen. In einer ersten Welle soll der Schutz der persönlichen Integrität verbessert werden.

Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina erklärte gemäss Communiqué, die Umsetzung des Pakets beginne sofort. Ihm sei es ein grosses Anliegen, dass niemand mehr inakzeptable Arbeitsbedingungen hinnehmen müsse, und ein Klima gegenseitigen Respekts weitere Vorfälle verhindere.

Gewerkschaft kritisiert SRG-Führung

SRG-Generaldirektor Direktor Gilles Marchand versicherte, dass er sich für Null-Toleranz einsetzen werde. Das Unternehmen werde gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.

Die Gewerkschaft SSM hingegen bezeichnete den Katalog als weitgehend unzureichend. Dem Verwaltungsrat fehle der Wille zu einem profunden und längst nötigen Kurswechsel. Die Verantwortungskette müsse untersucht werden, der SRG-Verwaltungsrat verweigere aber weitere Untersuchungen.

Sanktionen gegen zwei Mitarbeiter

Der Verwaltungsrat reagierte mit den externen Untersuchungen und dem aktuellen Massnahmenkatalog auf die Vorwürfe sexueller Belästigungen und Mobbings beim RTS, welche die Westschweizer Tageszeitung Le Temps veröffentlicht hatte. Die Betroffenen berichteten der Zeitung von offener Belästigung, ungewollten Küssen, anzüglichen Kommentaren und systematischem Machtmissbrauch.

Angeschuldigt wurden drei Mitarbeiter, darunter Darius Rochebin, langjähriger Star-Moderator der RTS-Tagesschau. Die von der SRG eingesetzten unabhängigen Experten attestierten ihm eine weisse Weste. Ein Kadermitarbeiter musste aber gehen, ein weiterer Mitarbeiter wurde sanktioniert.

Obwohl es zu keinen gravierenden Fehlern in der Chefetage gekommen war, verliessen auch der TV-Chefredaktor und der Leiter der Personalabteilung den Sender (persoenlich.com berichtete).

SRG-Generaldirektor Marchand war zum Zeitpunkt der Ereignisse Direktor von Radio Télévision Suisse (RTS). Der SRG-Verwaltungsrat sprach ihm aber sein Vertrauen aus. Zwar hatte er seine «sekundäre Aufsichtsverantwortung» zu wenig wahrgenommen. Ihm seien aber keine «gravierenden Fehler» vorzuwerfen, hielten die externen Gutachter fest. Auch der aktuelle RTS-Chef Pascal Crittin behielt seinen Job.

Neben den Vorfällen bei RTS tauchten auch beim Tessiner Fernsehen Radiotelevisione svizzera (RSI) auf. Die Mediengewerkschaft SSM registrierte 32 Beschwerden wegen sexueller Übergriffe, Mobbings und weiterer Persönlichkeitsverletzungen. Auch dort wurde eine externe Untersuchung eingeleitet. (sda/eh)

 



Kommentar wird gesendet...

Kommentare

Kommentarfunktion wurde geschlossen

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Zum Seitenanfang20210918

Die Branchennews täglich erhalten!

Jetzt Newsletter abonnieren.