30 Jahre Haft für Hauptbeschuldigten

Charlie Hebdo - Im Prozess um den islamistischen Terroranschlag auf das französische Satiremagazin ist Ali Riza Polat für schuldig befunden worden. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert.

Im spektakulären Prozess um den islamistischen Terroranschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo sind die Helfer zu teils langen Haftstrafen verurteilt worden. Einer der Hauptbeschuldigten, Ali Riza Polat, soll wegen Beihilfe zu Verbrechen mit Terrorhintergrund für 30 Jahre ins Gefängnis, wie das zuständige Gericht bekanntgab. Seine Anwälte kündigten Berufung an.

Polat gilt als rechte Hand des Attentäters Amédy Coulibaly, der nach dem Überfall auf das Magazin eine Polizistin erschoss und vier Geiseln in einem Supermarkt tötete. Das Gericht habe festgestellt, dass Polat dem Attentäter Coulibaly in konkreter und detaillierter Weise entscheidend geholfen habe, seine kriminellen Handlungen auszuführen, begründete der Vorsitzende Richter Régis de Jorna dem Sender France Inter zufolge seine Entscheidung. Er habe ausreichend Kenntnis von Coulibalys Absichten gehabt.

Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert. Sie hatte argumentiert, dass der Franzose mit türkischen Wurzeln eine Schlüsselrolle bei der Vorbereitung der Anschläge gespielt habe. Polat hatte immer geleugnet, von den Anschlagsplänen gewusst zu haben.

Bei einigen Angeklagten sah das Gericht den terroristischen Hintergrund der Taten nicht als erwiesen an. Die Spanne der verhängten Gefängnisstrafen reicht von vier Jahren bis lebenslänglich.

Im Prozess um die Terrorserie vom Januar 2015 sind 14 Menschen angeklagt – drei von ihnen sind aber flüchtig. Vor einem Sondergericht für Terrorfälle wird seit Anfang September nicht nur der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo verhandelt, sondern auch die anschliessende Attacke auf einen koscheren Supermarkt im Süden von Paris. Die Terroristen töteten 17 Menschen. Die drei Täter – die Brüder Chérif und Said Kouachi sowie Coulibaly – wurden damals von Sicherheitskräften erschossen.

Den Angeklagten wurde vorgeworfen, in unterschiedlicher Weise bei der Vorbereitung der Anschläge geholfen zu haben. Der Prozess im Pariser Justizpalast findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Er war für etwa einen Monat unterbrochen worden, weil sich mehrere Angeklagte mit dem Coronavirus infiziert hatten (persoenlich.com berichtete). Zuletzt hatte Polats Gesundheitszustand die Wiederaufnahme verzögert. Er klagt unter anderem über andauernde Übelkeit. (sda/dpa/cbe)