Das Onlineportal Ajour der Gassmann-Gruppe dehnt sein Tätigkeitsgebiet auf die Bundesstadt aus: Neben dem bestehenden Ajour Biel entsteht mit Ajour Bärn eine zweite regionale Rubrik mit einer eigenen Redaktion in Bern. Dafür sucht das Medienhaus mehrere Medienschaffende als Teilzeit-News-Produzenten.
Man starte in der Bundesstadt mit zwei bis drei Journalistinnen und Journalisten, teilt Werner de Schepper, Chefredaktor von Bieler Tagblatt und Ajour, auf Anfrage von persoenlich.com mit. «Danach entwickeln wir uns nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten.» Das Tempo hänge davon ab, wie viele Abos und wie viel Werbung Ajour verkaufe.
Trotz der bescheidenen Dotierung hat man Grosses vor. Ajour werde zu einer «vollwertigen Alternative auf dem Medienplatz Bern» ausgebaut, heisst es im Stelleninserat. Das breiteste tagesaktuelle Newsangebot in der Stadt betreibt heute Tamedia mit Berner Zeitung und Bund. Eine Kampfansage sei das aber nicht, so de Schepper: «Tamedia geht ihren Weg, wir unseren. Wir orientieren uns nicht am Wettbewerber.»
Eine spezielle Konstellation entsteht mit dem Onlinemagazin Hauptstadt. Seit Anfang 2025 besteht eine Kooperation: Gassmann zahlt einen jährlichen Fixbetrag und darf dafür Inhalte für Ajour und Bieler Tagblatt übernehmen. Wird aus dem Partner ein Konkurrent? De Schepper sieht darin kein Problem: «Wir leben eine sehr angenehme Partnerschaft und ergänzen uns bestens.»
Bei der Hauptstadt tönt es ein bisschen anders. «Ein klein wenig wird der Partner-Verlag Gassmann mit seiner Ankündigung auf dem Platz Bern auch Konkurrent, ja», bestätigt Joël Widmer, Co-Redaktionsleiter der Hauptstadt. An der Zusammenarbeit ändere diese Entwicklung derzeit nichts: Ajour und Bieler Tagblatt könnten weiterhin Artikel übernehmen. Konzepte und Zielgruppen der beiden Angebote seien «ziemlich verschieden». Unter dem Strich sieht Widmer weiterhin Vorteile in der Kooperation.
Der Aufbau von Ajour in Bern ist Teil eines grösseren Entwicklungsschritts der Gassmann-Gruppe. Im Herbst 2025 übernahm das Bieler Medienhaus – damals unter Stefan Niedermaier und Fredy Bayard – von CH Media die Lokalsender TeleBärn und Radio Bern1 (persoenlich.com berichtete). Seit Anfang März 2026 ist Niedermaier alleiniger Besitzer der Gruppe; Bayard hat seine Anteile abgetreten.
Dem Ausbau ging ein Abbau voraus. Nach dem Verlust der Konzession musste TeleBielingue rund 40 Stellen streichen. Gassmann betreibt den Sender ohne Gebührengelder in reduzierter Form weiter.
Wie in Biel, wo Bieler Tagblatt, Radio Canal 3 und TeleBielingue zusammenarbeiten, soll Ajour auch in Bern Teil einer konvergenten Redaktion mit TeleBärn und Radio Bern1 werden. Wie die Zusammenarbeit zwischen Regionen, Sprachen und Kanälen genau aussehen wird, ist Gegenstand eines Strategieprozesses, der im Herbst anläuft. Die neue Struktur der Berner Gassmann-Medien soll im Sommer 2027 stehen, ist aus dem Umfeld des Verlags zu erfahren.
Aktuell arbeiten die Berner Gassmann-Medien noch im ehemaligen Tamedia-Gebäude am Dammweg im Lorraine-Quartier. Gemäss mehreren Quellen sollen die Redaktionen an den Sitz von DV Bern an der Autobahn zwischen Guisanplatz und Ostring ziehen. Die IT-Firma gehört Gassmann-Eigentümer Stefan Niedermaier. Chefredaktor Werner de Schepper kann das nicht bestätigen, «da die Mietverträge noch nicht unterschrieben sind».
Während Ajour Bärn erst am 1. Oktober loslegen wird und gegenwärtig die Bewerbungsgespräche geführt werden, ist die Marke in Bern anderswo schon präsent. Auf die neue Saison hin trägt der FC Breitenrain, der höchstklassige eigenständige Berner Club nach den Young Boys, den Schriftzug der Onlineplattform als Sponsorenlogo auf den Trikots.