Bernard Maissen, kaum sind Sie als Bakom-Direktor abgetreten, tauchen Sie in einer wichtigen Funktion wieder im Medienzirkus auf. Warum wollen Sie es nicht ruhiger nehmen?
Nicht dass es mir langweilig wäre, aber ich habe immer gesagt, dass ich mich gerne in Bereichen weiter engagieren möchte, wo ich mein Wissen und meine Erfahrungen einbringen kann. Kreise aus dem Presserat haben mich angefragt, ob ich nach dem Ausscheiden von Daniel Hitzig die Aufgabe übernehmen würde. Nach einigen Überlegungen habe ich zugesagt. Die Medienlandschaft Schweiz liegt mir seit jeher am Herzen. Mit dem Präsidium der Stiftung des Presserats versuche ich einen kleinen Beitrag zur Qualitätssicherung der Schweizer Medien zu leisten.
Ist der Presserat nur zweite Wahl, nachdem es bei der Lia Rumantscha mit dem Co-Präsidium nicht geklappt hat?
Bei der Lia Rumantscha wurde ich ebenfalls angefragt. Ich habe mich für ein Co-Präsidium zur Verfügung gestellt. So hatten die Delegierten eine Auswahl. Die Wahl haben die Urezza Famos und ich nicht gewonnen, dafür Zeit für spannende Aufgaben wie den Presserat.
Der Presserat steht vor grossen Herausforderungen. Er ist chronisch überlastet und unterfinanziert. Was reizt Sie an dieser Ausgangslage?
Der Presserat ist eine sehr wichtige Institution für die Schweizer Medien. Er feiert ja nächstes Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum. Beim Presserat wird unter anspruchsvollen Bedingungen sehr gute Arbeit geleistet. Und ja, er ist überlastet und unterfinanziert. Genau das reizt mich. Mit dem ganzen Team und den Gremien die Finanzierung des Presserates längerfristig zu sichern und die Strukturen und Arbeitsweisen weiterzuentwickeln, damit der Presserat nicht mehr überlastet und unterfinanziert ist.
«Die Medien befinden sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess»
Sehen Sie sich als Reformer oder als Verwalter?
Ich sehe mich vor allem als Teamplayer, der mit dem breit abgestützten Stiftungsrat den Presserat stärkt. Wenn es dazu Reformen braucht, werden wir sie angehen. Die Medien befinden sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Er birgt Chancen, aber auch Herausforderungen und der Presserat kann sich diesen Entwicklungen nicht entziehen. Aber er muss darauf achten, dass journalistische Ethik und Qualität auch in der neuen Medienwelt einen hohen Stellenwert behalten.
Das Bakom hat in der Vergangenheit den Presserat mitfinanziert. Ist das künftig tabu wegen Ihrer Vergangenheit als Bakom-Direktor?
Die bisherige Unterstützung war bescheiden. Der Presserat kann ab dem 1. Januar 2027 gemäss dem revidierten Art. 76 des Radio- und TV-Gesetzes stärker unterstützt werden. Die finanzielle Unterstützung aus der Radio- und TV-Abgabe wurde in der parlamentarischen Initiative Chassot explizit als indirekte Massnahme der Medienförderung genannt. Deshalb wird der Presserat sicher ein Gesuch einreichen. Meine frühere Tätigkeit spielt da keine Rolle.
Die Beschwerdezahlen verharren seit der Pandemie auf sehr hohem Niveau. Haben Sie sich schon Gedanken dazu gemacht, wie Sie die Behandlung der Fälle beschleunigen könnten?
Ich bin erst gerade gewählt worden. Ja, es stimmt, die Behandlung der Beschwerden dauert im Schnitt zu lange. Es ist sicher ein Ziel, diese Dauer zu verkürzen. Wie das erreicht werden kann, müssen wir alle gemeinsam anschauen. Der Grundsatz einer niederschwellig zugänglichen Selbstregulierungsorganisation darf dabei aber nicht in Frage gestellt werden.
Zum Schluss noch etwas Persönliches: Nur Tage nach Ihrer Pensionierung und dem Austritt aus dem Bakom Ende März haben Sie sich beim Skifahren verletzt. Am SwissMediaForum sah man Sie an Krücken. Wie verlief die Genesung?
Ich habe mir bei einem Sturz den linken Wadenmuskel gerissen. Das musste glücklicherweise nicht operiert werden, sondern braucht einfach Ruhe und Geduld. Die Heilung macht gute Fortschritte und dank Therapie bin ich sehr zuversichtlich, auch im nächsten Winter in Arosa Skifahren zu können.