Brotz wird für Aeschi-Kreuzverhör kritisiert

SRF - «Moderator auf Abwegen», so betitelt Michèle Binswanger ihren Kommentar im Tagi. Nach der «Standpauke» gegen Thomas Aeschi gab es auch Kritik in NZZ und Weltwoche. «Arena»-Moderator Sandro Brotz reagierte auf Twitter. Rückendeckung gab es vom Chef – und vom Tagi.

Nach der «Arena»-Ausgabe vom Freitag steht Moderator Sandro Brotz im Zentrum mehrerer kritischer Artikel. Auslöser war die Teilnahme von SVP-Fraktionspräsident Thomas Aeschi – respektive das Kreuzverhör von Brotz. Aeschi sorgte letzten Mittwoch im Nationalrat mit einer Aussage für Aufsehen: «Es darf nicht sein, dass Nigerianer oder Iraker mit ukrainischen Pässen plötzlich 18-jährige Ukrainerinnen vergewaltigen.» Grünen-Fraktionspräsidentin Aline Trede verzichtete in der Folge auf den geplanten Auftritt in der «Arena». In der Sendung werde Rassisten eine Bühne geboten (persoenlich.com berichtete).

Brotz sprach Aeschi in der Sendung auf die Aussagen im Parlament an und verurteilte diese als rassistisch – «im Ton eines Oberlehrers» und «mit bebender Brust», wie Michèle Binswanger in einem am Dienstag im Tages-Anzeiger erschienenen Meinungsartikel unter dem Titel «Moderator auf Abwegen» schrieb. «Brotz konnte der Versuchung des eigenen ‹virtue signalling› nicht widerstehen. Deshalb vertwitterte er den Ausschnitt mit seiner Standpauke am nächsten Tag auch stolz», so Binswanger.


Unfreiwillig habe Sandro Brotz mit seinem Auftritt «jedes Anti-SRG-Klischee bestätigt, das auch die anlaufende Halbierungsinitiative befeuern wird: dass SRF nämlich von linken, parteiischen, selbstverliebten und eitlen Gesellen bevölkert werde», schrieb Binswanger weiter.

Brotz reagierte auf Twitter auf die Kritik der Tagi-Journalistin. «Haltung hat nichts mit Meinung zu tun. Wenn eine anerkannte Kommission gegen Rassismus ein Fehlverhalten festhält, dann ist es mein Job, dies dem Publikum offenzulegen», so Brotz.


Weiter kritisierte Brotz Binswangers Arbeitsweise. Ihr Artikel habe «nichts mehr mit Journalismus zu tun».


Rückendeckung erhielt Brotz von seinem Chef, TV-Chefredaktor Tristan Brenn. «Rassismus benennen ist keine Frage von Parteilichkeit. Haltung zeigen gehört zur Aufgabe und zum Selbstverständnis von öffentlichen Medien», so Brenn am Dienstag auf Twitter. Brotz wehre sich zurecht:


Bereits in der SonntagsZeitung erschien ein kritischer Kommentar zur «Arena»-Ausgabe vom Sonntag. «Brotz hat auf billige Weise Quote gebolzt», schrieb Autor Denis von Burg. Auch diesen Vorwurf konterte Brotz auf Twitter. Keine Sendung werde nach Quote ausgerichtet, zudem sei Aeschi bereits vor seiner Aussage im Nationalrat eingeladen gewesen, so der Moderator.


Unkommentiert blieb hingegen ein Onlineartikel auf weltwoche.ch. «Sandro Brotz hat sich schon mehrfach und zusehends ungeniert als notorischer SVP-Hasser geoutet», so Weltwoche-Journalist Alex Baur. Brotz habe sich schon lange als unbefangener Schiedsrichter in der «Arena» disqualifiziert. «Doch bei diesem Exzess geht es um mehr als Parteilichkeit: Sandro Brotz stellt sein Ego über seinen Auftrag.» Gleicher Meinung ist Baurs Chef, Chefredaktor und Verleger Roger Köppel: «Das ist für mich keine Sendung mehr, ich nenne es nur noch Tribunal», sagte er in einem Videokommentar.

Apropos Tribunal: Auch Katharina Fontana fand in einem Kommentar in der NZZ kritische Worte an die Adresse von Sandro Brotz, der als «eine Art Chefankläger» aufgetreten sei. «Das öffentlichrechtliche Fernsehen scheint neuerdings auch ein Tribunal zu sein», so Fontana.

«Einspruch» zu all dieser Kritik erhob Sandro Benini auf tagesanzeiger.ch. Brotz habe keine «Standpauke» gehalten, wie dies seine Kollegin Binswanger bezeichnete. Aeschi habe sich im kurzen Disput jederzeit verteidigen können. «In keinem Moment hat Aeschi gegen die Art, wie ihn Brotz befragt hat, auch nur im Mindesten protestiert.»

Sandro Brotz war am Dienstag aus Zeitgründen nicht für eine ausführliche Stellungnahme erreichbar.

Die SVP will sich derweil bis auf Weiteres gar nicht mehr in der «Arena» äussern. Die Teilnahmeverweigerung gilt bis auf Weiteres, wie die Partei am Dienstagabend in einem offenen Brief an die SRG-Geschäftsleitung mitteilte (persoenlich.com berichtete). (cbe)