11.03.2018

NZZ-Gruppe

Chanchal Biswas verlässt die «NZZ am Sonntag»

Der stellvertretende Chefredaktor der «NZZ am Sonntag» wechselt zu einer jungen Firma. Dort laufe Rockmusik, sagt er. Zudem könne er als Kommunikationschef im Büro weiterhin Turnschuhe tragen.
NZZ-Gruppe: Chanchal Biswas verlässt die «NZZ am Sonntag»
Er wechselt zum Worldwebforum, denn «da gibt es einiges zu tun», sagt Chanchal Biswas. (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

Chanchal Biswas wird die NZZ per Ende August 2018 verlassen. Er übernimmt die Leitung Marketing und Kommunikation beim Worldwebforum in Zürich, wie Sprecherin Michèle Ramò eine entsprechende Meldung des Kleinreport gegenüber persoenlich.com bestätigt. «Mit ihm verlieren wir nicht nur eine hervorragende Fachkraft, sondern auch einen engagierten und überaus loyalen, guten Kollegen», so Ramò. Man werde in den nächsten Wochen mit der Suche nach einer Nachfolge beginnen.

Herr Biswas, Sie waren vor 16 Jahren im Gründungsteam der «NZZ am Sonntag». Warum haben Sie jetzt gekündigt?
Mein erster Arbeitstag bei der NZZ war sogar vor bald 19 Jahren, damals noch als Volontär im «Börsen & Märkte»-Team der Tageszeitung. Ich hatte das Privileg, im Haus NZZ immer neue Dinge anpacken zu dürfen. Doch 19 Jahre sind genug. Es liegen ja noch ziemlich genau so viele Arbeitsjahre vor mir.

Von der Traditionsmarke NZZ zu einer Firma, die es seit nicht einmal zehn Jahren gibt: Was reizt Sie daran?
Das Worldwebforum ist ein Underdog im Konferenzgeschäft, die Unternehmer dahinter haben ehrgeizige Wachstumspläne, im Büro läuft Rockmusik, und ich kann weiterhin Turnschuhe tragen. Alles bestens also.

Warum kehren Sie dem Journalismus den Rücken?
Es ist keine abrupte Abkehr, in den letzten Jahren habe ich als stellvertretender Chefredaktor, Print-Blattmacher und schliesslich als Leiter Digital zunehmend Projektaufgaben übernommen - und zwar freiwillig.

Was wollen Sie beim Worldwebforum vorwärts bringen?
Das inoffizielle Firmenmotto lautet «Smash WEF». Aber im Ernst: Anders als die meisten Veranstaltungen, die jetzt plötzlich die digitale Schweiz voranbringen wollen, ist das Worldwebforum ernst zu nehmen und glaubwürdig. Weil ein Team von Selfmade-IT-Unternehmern, die Zürcher Beecom AG, dahintersteht. Nun sind Marketing & Kommunikation des Worldwebforum zugegebenermassen auch ein wenig self-made. Da gibt es einiges zu tun. Zudem hat das Team um Fabian Hediger einen Plan, der zwar riskant, aber auch sehr aufregend ist. Ich freue mich darauf, daran mitarbeiten zu können.

Wenn Sie zurückblicken: Was waren die Höhepunkte in der Zeit bei der NZZaS?
«I cannot remember a damn thing, but I will never forget it», pflegte Lemmy Kilmister von Motörhead zu sagen. Als eine Welle von feindlichen Übernahmeversuchen auf Schweizer Industriekonzerne lief, hat eine Artikelserie von meiner Kollegin Charlotte Jacquemart und mir dazu beigetragen, dass die Offenlegungsvorschriften an der Börse verschärft wurden.

Und sonst?
Weiter bin ich dankbar dafür, dass alle meine Chefs – von Gerhard Schwarz über Fritz Pfiffner und natürlich Felix E. Müller bis hin zu Luzi Bernet – mich immer unterstützt und vorangebracht haben. Zudem hatte ich am Morgen, als der Brexit beschlossene Sache war, als erster Journalist weltweit die schlagende Idee: 





Das war zwar vor allem eine Marketing-Leistung, hat mir aber über den Grossraum Zürich hinaus immerhin 15 Sekunden Ruhm eingetragen.

 


 

Chanchal Biswas hat an der Universität St. Gallen HSG studiert und war parallel dazu Volontär in der Redaktion «Börsen und Märkte» der «Neuen Zürcher Zeitung» und als Abschlussredaktor im Ressort «Wirtschaft». Von 2002 bis 2007 war er Mitglied der Wirtschaftsredaktion der «NZZ am Sonntag» mit den Schwerpunkten Telekommunikation, Informationstechnologie, Medien, Maschinen- und Elektroindustrie. Nach einem kurzen Abstecher als Geschäftsführer und Leiter Marketing & Sales beim Aufbau eines IT-Dienstleisters kehrte er 2010 zur NZZaS zurück als Blattmacher und stv. Chefredaktor. Seit September 2016 ist er zudem Leiter Digital. Biswas lebt in Zürich, ist verheiratet, hat zwei Töchter und einen Sohn.

 


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