Die Leitung der Chefredaktion von SF DRS wird gemäss Mitteilung interimistisch besetzt: Die publizistische Leitung wird fürs erste Direktor Peter Schellenberg persönlich anvertraut. Die administrative Leitung wird Hans Ulrich Schmutz, dem Leiter "Finanzen", übertragen und die Personalleitung geht über an Beat Riem, den Leiter "Human Resources". Die beiden Abstimmungs-Arenas und die traditionelle "Elefanten-Runde" am Abstimmungssonntag wird nicht Leutenegger sondern Patrick Rohr leiten. Dessen Nachfolge als "Arena"-Leiter ist im übrigen nach wie vor offen.
Streit ums Sparen
Mit der am Mittwoch präsentierten Lösung hat der Regionalratsausschuss der "SRG idée suisse Deutschschweiz" den seit langem schwelenden Machtkampf im Leutschenbach zugunsten von Peter Schellenberg entschieden. Im Kern geht der Streit darum, wo beim Schweizer Fernsehen gespart werden soll. Schellenberg hat namentlich das "Mittagsmagazin" zum Abschuss im Visier. Zudem plädiert er für Abstriche bei "Schweiz aktuell", "Tagesschau" und "10 vor 10", die seiner Ansicht nach zu teuer sind. Gegen diese Pläne wehrte sich Leutenegger vehement. Er schlug im Gegenzug vor, auf gewisse Kultursendungen mit geringen Einschaltquoten zu verzichten. Ideen, von denen Schellenberg nichts wissen wollte.
Filippo Leutenegger, Fernseh-Chefredaktor und 'Arena'-Dompteur
Der am 25. November 1952 in Rom geborene Filippo Leutenegger schloss die Klosterschulen Disentis und Altdorf mit einer A-Matur ab und absolvierte anschliessend ein ökonomisches und juristisches Studium an der Universität Zürich (lic.oec.publ. und cand.iur). 1977 bis 1980 unterrichtete er an der Gewerbeschule Zürich, 1980 bis 1981 war er als Direktionssekretär und Betriebswirtschafter bei der Schweizerischen Kreditanstalt in Zürich tätig. Politisch engagierte sich Leutenegger in den Siebziger Jahren in der linken Szene, war aktiv in der Anti-AKW-Bewegung und Mitbegründer der linken Wochenzeitung WOZ.
Leutenegger begann 1981 seine Fernseh-Karriere als Wirtschafts-Redaktor beim "Kassensturz". 1984 bis 1989 war er Korrespondent in Italien und im Tessin, 1989/90 Redaktor und Moderator von «DRS-aktuell», und 1990 bis 1993 Redaktionsleiter und Moderator des Wirtschaftsmagazins "Netto". Seinen Durchbruch schaffte Leutenegger mit der Übernahme der politischen Diskussionssendung "Arena" von Anton Schaller Ende 1993. Er machte die "Arena" zur Bühne für Wortduelle unter politischen und wirtschaftlichen Schwergewichten. Die Sendung wurde zum Quotenrenner.
Für seine Leistung, "mit der Sendung Arena einen vielbeachteten Ort der politischen und gesellschaftlichen Diskussion geschaffen zu haben", erhielt er den mit 10'000 Franken dotierten Tele-Preis. Wegen seines Umganges mit Politgrössen erwarb sich der "Arena-Dompteur" den Ruf eines "achten Bundesrates". Ferner war Leutenegger als Redaktionsleiter verantwortlich für die Sendung "Bernerhof live", für Abstimmungssendungen sowie die Wahlsendung 1999 auf SF DRS.

