22.04.2026

Interact Media Group

Christoph Blocher verkauft seine Zeitungen

Die 22 Titel werden von der Interact Media Group (IMG) übernommen, zu der das Portal nau.ch gehört. Blochers Firma steigt bei der IMG ein. Er selbst zieht sich aber zurück.
Interact Media Group: Christoph Blocher verkauft seine Zeitungen
Sind neu Geschäftspartner: Christoph Blocher (v.l) mit Tochter Rahel, IMG-Verwaltungsratspräsident Olivier Chuard und IMG-CEO Yves Kilchenmann. (Bild: zVg)

«Mit der IMG haben wir eine Partnerin gefunden, welche diese Titel im Printbereich weiterführt und gleichzeitig in die digitale Zukunft begleitet», lässt sich Christoph Blocher in einer Mitteilung vom Mittwoch zitieren. «Wir haben in dieser Richtung evaluiert und mit mehreren Interessenten gesprochen», erklärt der Alt Bundesrat zudem gegenüber personelich.com. Selber habe die Zeitungshaus AG keine digitalen Kanäle aufbauen wollen. Nun sei der richtige Zeitpunkt, um die Verantwortung in neue Hände zu geben.

Blocher zieht sich dabei zurück. «Mich braucht es nicht mehr», sagte er am Mittwochnachmittag vor den Medien. Die Gruppe werde durch den Verkauf gestärkt, meinte er. «Wir wollten die Firma aber nicht einfach loswerden und sind selber weiterhin dabei.»

15 Prozent Beteiligung

Die Muttergesellschaft von Blochers Zeitungshaus AG, Robinvest, übernimmt eine Beteiligung von 15 Prozent an IMG. Zudem werden Christoph Blochers Tochter Rahel, bisher Verwaltungsratspräsidentin der Zeitungshaus AG, und Andreas Schaffner Einsitz im Verwaltungsrat von IMG nehmen. Zum Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Die Gratiszeitungen, dazu zählen das Tagblatt der Stadt Zürich, die St. Galler Nachrichten oder die Winterthurer Zeitung, haben eine Gesamtauflage von 700'000 Exemplaren. Dies inklusive des Berner Bärs, den die IMG im vergangenen Jahr übernommen hatte. Damit machte die Firma erste Erfahrungen im Printbereich. Bei nau.ch liege die Zahl der monatlichen Nutzer bei 4 Millionen.

Alle Zeitungen erhalten Website

Wie IMG-Chef Yves Kilchenmann sagte, ist geplant, dass alle Zeitungen eigene digitale Plattformen erhalten. Dies sei beim Berner Bär schon der Fall.

Alle Beteiligten betonten die Bedeutung des Lokalen. «Wir wollen unbedingt das Lokale in den Vordergrund stellen», sagte auch Blocher. Die Menschen wollten wissen, was bei ihnen passiere.

Ähnliches gelte für das Gewerbe, das Werbung platzieren wolle, sagte IMG-Verwaltungsratspräsident Olivier Chuard. «Sie suchen Ansprechpersonen in der Region.» Keinen Einfluss soll die Beteiligung auf die politische Ausrichtung von nau.ch haben. «Wir bleiben politisch neutral», betonte Kilchenmann.

«Wir sind kein Wohltätigkeitskonzert»

Nach Angaben der Blochers kam der Verkauf nicht wegen schlecht laufender Geschäfte zustande. «Wir schreiben leicht schwarze Zahlen», sagte Rahel Blocher. Zu schaffen machten der Zeitungshaus AG aber die Zustellkosten. «Wir sind kein Wohltätigkeitskonzert», ergänzte Christoph Blocher. Ein Gewinn müsse sein. (sda/awp/spo)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Andreas Häuptli
22.04.2026 13:10 Uhr
Ein auf den ersten Blick erstaunlicher Vorgang: Digital kauft Print. Ist die gedruckte Zeitung eventuell in Zeiten der durch KI wegbrechenden Online-Reichweiten doch wieder eine Option?
Bernhard Kunz
22.04.2026 11:59 Uhr
Nicht 4 Mio Personen, 4 Mio Unique Clients. Vermutlich eher 1.5 Mio Personen. Und durch den Wegfall der digitalen Screens eher noch weniger.
Kommentarfunktion wurde geschlossen