20.08.2025

Fridolin | Radio SRF

«Darum wird das Radio überleben»

Der persoenlich.com-Podcast ist aus der Sommerpause zurück und wird wieder jeden Dienstag veröffentlicht. In dieser Folge sprechen Matthias Ackeret und Nick Lüthi über eine Zeitung, die weiterlebt, und Radio, das sich tapfer hält.
Fridolin | Radio SRF: «Darum wird das Radio überleben»
Beschäftigte in den Sommerwochen das Gericht und auch persoenlich.com: Regionalzeitung Fridolin, die nun Somedia gehört. (Bild: Sara Büchi)

Unter anderen Umständen hätte Fridolin das Zeitliche gesegnet. Nun lebt die Glarner Regionalzeitung aber weiter. Der Bündner Somedia-Verlag hat den Titel erworben und wird ihn weiter herausgeben. Kurz vor der Übernahme drohte diese zu scheitern. Doch was lief da genau, und welche Rolle spielte Bruno Hug, der auch einmal persönlich-Verleger war? Matthias Ackeret hat in den vergangenen Wochen über die Zeitungswirren im Zigerschlitz berichtet und die beteiligten Akteure befragt. Im Podcast rekapituliert der persönlich-Chefredaktor im Gespräch mit Nick Lüthi die Vorgänge im Glarnerland.

Weiter sprechen Ackeret und Lüthi über die Resilienz des Radios. Am vergangenen Sonntag war der persönlich-Verleger zu Gast in der Sendung «Persönlich» von Schweizer Radio SRF, die es bald 50 Jahre gibt. Neben solchen Selbstläufern funktioniert Radio dort am besten, wo die Live-Interaktion mit dem Publikum im Zentrum steht. Zwar machen das heute vermehrt auch Podcasts mit Live-Aufzeichnungen, aber das Original ist immer noch das Radio. Zusammen analysieren Ackeret und Lüthi die Erfolgsfaktoren des Live-Radios.

Die neuste Podcastfolge wurde am Dienstag in den Redaktionsräumen der persönlich Verlags AG in Zürich-Wiedikon aufgezeichnet. Der persoenlich.com-Podcast erscheint wöchentlich immer am Dienstag und ist auf unserer Website sowie auf allen gängigen Podcastplattformen – wie Spotify oder Apple Podcast und YouTube – verfügbar. In Zweierkonstellation diskutiert die Redaktion über aktuelle Themen und Ereignisse, die in der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche für Schlagzeilen gesorgt haben. (red)


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KOMMENTARE

Reto Wettstein
20.08.2025 12:10 Uhr
Nicht schon wieder! Seit über zehn Jahren bereiten sich Radiobranche und BAKOM nun darauf vor, dass UKW in der Schweiz endgültig abgeschaltet wird und alle Radioprogramme ausschliesslich über DAB+ ausgestrahlt werden. Schon 2014 haben sich die Schweizer Radioverbände auf ein letztmögliches Abschaltdatum geeinigt: 31. Dezember 2024. Diesem Entscheid stimmten 2015 die SRG sowie mehr als achtzig Prozent der privaten Radiostationen zu. Der Bundesrat hat im Oktober 2017 der UKW-Abschaltung den rechtlichen Rahmen gegeben. Um den Radioveranstaltern mit UKW-Funkkonzession die Migration von UKW auf DAB+ zu erleichtern, hat das BAKOM im Dezember 2019 die bereits 2008 erteilten, auslaufenden UKW-Funkkonzessionen ohne öffentliche Ausschreibung ausnahmsweise um fünf Jahre verlängert, also bis und mit 2024. Ende 2023 schliesslich hat der Bundesrat per Verordnung die bestehenden Konzessionen noch einmal und letztmals verlängert, und zwar bis Ende 2026. Die SRG hat unterdessen gehandelt und ihre UKW-Sender per 31. Dezember 2024 abgeschaltet. Die Privatradios ihrerseits müssten ihre Sender spätestens Ende 2026 abschalten – doch bereits fordern sie auf allen Kanälen eine neuerliche Verlängerung der Konzessionen. Als Begründung wird vor allem auf die angeblich rückläufigen Hörerzahlen der SRG verwiesen, abgeleitet aus einer Hochrechnung von Mediapulse. Die neuerliche UKW-Debatte wirft grundlegende Fragen auf – nicht nur technischer Natur. Es geht letzlich um Medienvielfalt, fairen Wettbewerb und belastbare politische Entscheidungsgrundlagen. Umso bedenklicher ist es, dass zentrale Argumente auf statistisch nicht belastbaren Berechnungen beruhen. Aktuelle Mediawatch-Zahlen besagen wenig: Die von Mediapulse verwendete Messmethode mit der Mediawatch ist aus methodischer Sicht ungeeignet, kurzfristige und kleinteilige Entwicklungen im Radiomarkt zuverlässig abzubilden. Bei wenigen Teilnehmenden und kurzen Beobachtungszeiträumen liegen erst nach mehreren Messwellen verlässliche Ergebnisse vor. Für belastbare Aussagen zur Entwicklung der Hörerzahlen braucht es die Daten mehrerer Jahre. Dennoch benützt die kleine Lobby der UKW-Veranstalter diese mageren Stichprobendaten als Nachweis für einen allgemeinen Reichweitenverlust, um damit schädliche Interessenpolitk zu machen. Soll wirklich eine Handvoll Uhrenträger:innen darüber entscheiden, ob UKW verlängert wird? Ein Blick auf Norwegen, das UKW schon 2017 vollständig abgeschaltet hat, bestätigt, dass Einbussen höchstens temporär sind. Die Reichweite stieg schon innert zwei Jahren wieder auf das frühere Niveau an. Der Übergang zu digitalen Plattformen war hoch erfolgreich. Ja, Hörerzahlen und Hördauer haben unterdessen sogar noch zugenommen. Lokalradios bieten das, was internationale Programme nicht leisten: Die Behauptung, Lokalradios würden mit der UKW-Abschaltung Reichweite verlieren, ist auch sachlich nicht haltbar. Die Attraktivität der Schweizer Programme liegt in ihrer lokalen Relevanz (höre Podcast), nicht am Verbreitungsweg. Menschen in Luzern, Zürich oder Bern interessieren sich für Inhalte aus ihrer Region – nicht aus Paris, Mailand oder München. Ausländische UKW-Programme berichten nicht über Schweizer Lokalpolitik – und schon gar nicht tagesaktuell. Die Bindung zwischen lokalen Sendern und ihrem Publikum ist tief verankert und dokumentiert. Und: Die Verbreitung von DAB+, IP-Radio und Smart-Speakern nimmt weiter zu. Der Umstieg der SRG hat die Verkaufszahlen der DAB+ Empfangsgeräte regelrecht explodieren lassen. Auch die neuesten, im Juli 2025 vom BAKOM publizierten Digimig-Forschungsdaten belegen diese rapide Zunahme der digitalen Radionutzung innerhalb des letzten halben Jahres. Deshalb wird bis Ende 2026 der Anteil der UKW-Hörer:innen noch geringer sein – selbst ein kurzfristiger Rückgang der Reichweite der Privatradios analog dem derzeit ausgewiesenen SRG-Niveau ist deshalb unwahrscheinlich. Und selbst wenn es zu Reichweiteneinbussen käme, würde das nicht zwingend einen Einnahmenverlust mit sich bringen. Denn Reichweite allein verkauft keine Werbeplätze. Lokale Werbekund:innen suchen die Nähe zu lokalen Radios und nicht zu ausländischen Sendern. Erst für die Abschaltung – jetzt Vollbremsung: Die SRG und viele Privatradios haben ihre UKW-Sender abgeschaltet, das ASTRA den Tunnel-Funk auf DAB+ umgestellt, neue Marktteilnehmer:innen haben ihre Geschäftsmodelle auf digitales Radio ausgerichtet. Jetzt wollen die verbliebenen, überaus lautstarken UKW-Veranstalter das Rad zurückdrehen. Warum der ganze Lärm? Vorgeblich fürchten die Schweizer UKW-Radios die Konkurrenz. Tatsächlich aber haben sie Angst vor Veränderung. Und diese Angst ist begründet. Denn kein einziges kommerzielles UKW-Radio hat in den letzten Jahren in Innovation investiert, Entwicklungsabteilungen fehlen überall. Nur die SRG und einzelne UNIKOM-Sender haben wirklich Neues gewagt. Wer heute noch am Analogen festhält, hat den digitalen Wandel längst verpasst. UKW-Frequenzen sind ein knappes öffentliches Gut: Seit 2008 wurde in der Schweiz keine UKW-Frequenz mehr öffentlich ausgeschrieben. Wer damals eine Konzession erhielt, besitzt sie noch bis 2026 – ohne sich je wieder dafür qualifiziert haben zu müssen. Zur Verdeutlichung: Die heute gültigen Konzessionen wurden noch unter Bundesrat Moritz Leuenberger erteilt! Bis heute bietet eine UKW-Funkkonzession einen entscheidenden Marktvorteil. Denn solange UKW in Betrieb ist, berücksichtigt die klassische Radiowerbung in der Schweiz UKW-Radioveranstalter ungleich stärker. Dies ist eine nicht zu rechtfertigende Wettbewerbsverzerrung. Kein Wunder, verteidigen diese Veranstalter diese Privilegien mit allen Mitteln. Es sind Privilegien, die ihnen längst nicht mehr zustehen. Denn UKW-Frequenzen sind begrenzt und öffentlich. Gemäss Art. 93 Abs. 4 der Bundesverfassung und dem Fernmeldegesetz müssen Konzessionen für solche knappen Ressourcen in einem transparenten, fairen Ausschreibungsverfahren vergeben werden. Falls UKW weitergeführt wird, braucht es Wettbewerb: Eine weitere Verlängerung ohne Ausschreibung würde Verfassung und Gesetz widersprechen. Sie würde den regionalen UKW-Monopolisten ihre verbliebenen Pfründe sichern und ihnen helfen, wenigstens die Schweizer Konkurrenz kleinzuhalten, gerade in der Romandie. Medien- und wettbewerbspolitisch ist das unhaltbar. Wird der Bundesrat wider alle medienpolitische Vernunft auf seinen früheren Entscheid zurückkommen und die analoge Verbreitung als so wichtig einstufen, dass er die UKW-Konzessionen erneut vergibt? Dann braucht es auf jeden Fall eine gesetzlich geregelte Ausschreibung oder Versteigerung der Frequenzen – nicht eine dritte Konzessionsverlängerung durch die Hintertüre per Verordnung. Medienpolitik statt Technikromantik: Die Zukunft des Radios hängt nicht von UKW ab, sondern von der Frage, wie lineares Radio in einer On-Demand- und personalisierten Welt noch Relevanz entfalten kann (vgl. Podcast). Entscheidend ist nicht, wie lange UKW künstlich am Leben gehalten wird – sondern wie digitale Angebote weiterentwickelt werden. Innovation braucht politische Unterstützung. Wer lebensfähige Radios will, muss sie auch ermöglichen.
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