Am Freitag waren die Medien in Aufruhr: Die Geschichte der Zürcher GoKart Crew, die die Stadt eroberte und ein illegales Rennen plante, war leider nicht echt (persoenlich.com berichtete). Was hat das in den Redaktionen für Reaktionen hervorgerufen? Und was hat es mit dem Vorwurf der beiden Studenten auf sich, dass niemand sie kontaktiert habe? persoenlich.com hat bei «Blick», «20 Minuten», «Watson» und «TeleZüri» nachgefragt.
«20 Minuten»
«Es ist natürlich immer ärgerlich, wenn man hinters Licht geführt wird. Im vorliegenden Fall war das jedoch nicht wirklich schlimm, da es kein wirklich delikates Thema war. Zudem: wenn jemand die Medien und ihre Leser absichtlich täuschen will, dann wird er das auch schaffen und man kann kaum etwas dagegen tun», schlussfolgert Nicole Bänninger, Medienverantwortliche von Tamedia. Das Pendlermagazin habe versucht, ein Interview zu machen. Doch es kam anderes dazwischen: «Da die Antwort recht spät kam und an diesem Tag in der Zwischenzeit andere Themen in den Vordergrund gerückt waren, entschied sich 20 Minuten schliesslich gegen das Interview», erklärt Bänninger gegenüber persoenlich.com weiter.
«Blick»
«Blick» wiederum zieht seinen Kopf aus der Schlinge: «Blick hat die Geschichte nie gross gefahren sondern hat lediglich einmal auf ein Gokart-Nachtrennen in Zürich hingewiesen. Ein Event, der absolut im Bereich des Möglichen liegt.», so Ringier-Kommunikationsverantwortlicher Edi Estermann. Beim Newsportal sieht man sich nicht in der Kritik: »Der ‹Blick› hat am Freitag über den aufwändig produzierten und zugegebenermassen gelungenen Coup der Studenten berichtet. Mit ‹schnellebigem Newsjournalismus› hat dies nichts zu tun. Wenn jemand willentlich Falschinfos betreffend eines zukünftigen Events verbreitet, – der wie gesagt im Bereich des Möglichen liegt – ist der Gegenbeweis schwer anzutreten.»
«TeleZüri»
Etwas reuevoller zeigte sich «TeleZüri»: «Da waren wir wohl etwas zu unkritisch», gesteht Oliver Steffen, Mitglied der Chefredaktion, gegenüber persoenlich.com. Das Video sei wirklich extrem gut gemacht, so dass eine Entlarvung fast nicht möglich gewesen sei. Normalerweise achte man bei «TeleZüri» sehr auf die Gefahr von Fake-Videos: «Das war ein Einzelfall.» Dennoch werde man mit den betroffenen Journalisten sprechen und sie noch besser schulen, damit so etwas möglichst nicht mehr vorkomme. Steffen zeigt aber auch Respekt vor den beiden Studenten: «Hut ab, die haben das echt gut gemacht.»
«Watson»
Rafaela Roth von «Watson» hatte die Geschichte als Erste gebracht und zeigte sich nun sichtlich enttäuscht: «Ich war natürlich zu Tode betrübt, dass die Szene nicht existiert. Mich hat die neue Gokart-Crew recht begeistert, weshalb ich immer wieder – auch augenzwinkernd – darüber geschrieben habe. Ich wär sofort ans Rennen gegangen, mindestens zum Berichterstatten», so die Reporterin gegenüber persoenlich.com. Auch sie räumt Platz für die berechtigte Medienkritik des Projektes ein: «Natürlich sind wir aufgrund des Produktionsdrucks absolut der Gefahr ausgesetzt, ein Fake zu verbreiten.» Wäre das Video allerdings von politischer Relevanz gewesen, «wäre der Fake sofort ausgeflogen», ist sich Roth sicher.
Roth habe versucht, Luis Lienhard zu kontaktieren. «Ich habe Lienhard auf Facebook kontaktiert, wo er ein paar Quotes gegeben hat. Telefonieren wollte er nicht. Er meinte, er sei sehr im Stress.» Von einer Telefonnummer habe sie also nichts gewusst. Ansonsten hätte sie sofort nachgehakt: «Normalerweise rufe ich jede Nummer an, die ich kriegen kann.»
Fakt ist: Michael Schwendinger und Alun Meyerhans haben echt gute Arbeit geleistet. Und den Medien einen saftigen Denkzettel verpasst.
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06.06.2016 10:52 Uhr
04.06.2016 10:46 Uhr

