21.06.2022

Keystone-SDA

Der Druck auf Nichtunterzeichnende wächst

Bis am Freitag hätte der neue Arbeitsvertrag unterschrieben werden sollen. Jene, welche die Frist verpasst haben, wurden aufgefordert, dies nachzuholen. Mit diesem informellen Verfahren soll eine Massenentlassung verhindert werden, mutmasst der Verband Impressum.
Keystone-SDA: Der Druck auf Nichtunterzeichnende wächst
Kommt es bei Keystone-SDA zu Änderungskündigungen – und wenn ja, zu wie vielen? (Bild: Keystone/Alessandro della Valle)
von Christian Beck

Der Konflikt bei Keystone-SDA schwelt weiter. Am Freitag ist die Frist zur Retournierung eines neuen Arbeitsvertrages per 1. Januar 2023 ausgelaufen (persoenlich.com berichtete). Aus Redaktionskreisen war zu erfahren, dass um die 20 von total 200 Mitarbeitenden der Änderung des Personalreglements noch nicht zugestimmt haben. Doch es zählt jede einzelne Unterschrift. Unterschreiben nämlich mindestens zehn Prozent nicht, muss Keystone-SDA eine Massenänderungskündigung anmelden. Auf die Frage nach der konkreten Zahl der Unterschriftsverweigerer antwortete Jann Jenatsch, Chief Operating Officer (COO) von Keystone-SDA, am Dienstag gegenüber persoenlich.com: «Wir machen keine Angaben zu Mitarbeitenden und Mitarbeiterstruktur.»

Der Druck auf jene Mitarbeitenden, die bis am Freitag den neuen Arbeitsvertrag noch nicht retournierten, wächst. Am Freitag erhielten sie vom Personalbüro eine E-Mail. «Dein unterzeichnetes Exemplar ist leider noch nicht eingetroffen. Falls dies nicht einem bewusst durch dich getroffenen Entscheid, sondern einem Versehen entspricht, sende uns diesen bitte jetzt zu und informiere uns bitte kurz per Mail über die Zustellung», heisst es im Schreiben, das persoenlich.com vorliegt.

Und dann wird in der E-Mail das Amt für Arbeit des Kantons Bern, zuständig für das Dossier Keystone-SDA, zitiert: «Sollte die Nicht-Unterzeichnung des neuen Arbeitsvertrages im Anschluss zu einer Arbeitslosigkeit führen, wird dies durch die Arbeitslosenkasse als Ablehnung eines valablen Angebots gewertet. Dies kann zu Einstelltagen führen.»

Das HR von Keystone-SDA schreibt weiter: «Wir hoffen jedoch, dass du auch in Zukunft für Keystone-SDA tätig sein möchtest. Als Zeichen deines Einverständnisses genügt dein unterzeichneter Vertrag. Sollte dieser nicht eintreffen, wird zum gegebenen Zeitpunkt die Änderungskündigung zugestellt.» Wer auf diese E-Mail nicht reagierte, soll im Anschluss auch noch telefonisch kontaktiert worden sein, heisst es aus Redaktionskreisen.

GL will Gewerkschaften und Berufsverbände nicht am Tisch

«Es scheint der Geschäftsleitung darum zu gehen, ein erneutes Verfahren nach den Art. 335d ff. OR betreffend Massenentlassung mit entsprechenden Melde- und Konsultationspflichten vermeiden zu wollen», so Michael Burkard, Zentralsekretär des Berufsverbands Impressum. Darum werde ein informelles Vorgehen zwischengeschaltet, «in der Hoffnung, dass genügend Mitarbeitende die modifizierten Verträge mit der Referenz auf das neue Personalreglement tel quel («unverändert», Anm. der Red.) akzeptieren und dadurch die Schwellenwerte gemäss den zitierten OR-Bestimmungen für eine Massenentlassung nicht erreicht werden.»

Das Personal der Nachrichtenagentur will zusammen mit der Geschäftsleitung an einen Tisch sitzen – und möchte offenbar auch Vertreter der Gewerkschaften Syndicom, Impressum und Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) bei den Verhandlungen dabeihaben. Davon will COO Jann Jenatsch jedoch nichts wissen. «Das Gespräch, das wir miteinander zu führen haben, ist eine interne Angelegenheit, eben ein Gespräch, keine Verhandlung», sagte er auf Anfrage von persoenlich.com.

Die Gewerkschaften stehen mit der Personalkommission (Peko) «in ständigem Austausch und beraten fortlaufend», so Michael Burkard von Impressum. Die konkreten Schritte müssten indes von der Peko ausgehen. «Es ist in dieser Phase des Verfahrens nicht an den Verbänden und Gewerkschaften, sozusagen als Streitgenossen aktiv in den Konflikt einzugreifen.» Die Peko und die gesamte Belegschaft werde aber in jedem Fall unterstützt, unabhängig davon, welche konkreten Schritte diese jetzt und in Zukunft beschliessen würden.

Auch Bakom ist involviert

Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) hat eine Leistungsvereinbarung mit der Keystone-SDA unterzeichnet, welche einen Teilbereich der Leistungen der Agentur zum Gegenstand hat. Die Leistungsvereinbarung, die noch bis Ende 2022 gültig ist, enthält auch Verpflichtungen der Keystone-SDA bezüglich ihrer personellen und strukturellen Ausstattung, welche sie immer wieder belegen muss. «Diesbezüglich sind das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) und Keystone-SDA im regelmässigen Austausch. Die Vereinbarung umfasst aber nicht die Regelung der Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden der Keystone-SDA», so Sprecher Francis Meier.

Das Bakom sei jüngst von der Peko der Keystone-SDA über ihren Beschluss informiert worden, ihre Kontakte mit der Geschäftsführung der Agentur abzubrechen. «Das Bakom wird in seinen Gesprächen mit der Führung diese Situation erörtern und mögliche Auswirkungen prüfen», so Meier weiter.



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