17.06.2022

Keystone-SDA

Protest gegen schlechtere Arbeitsbedingungen

Bis acht Tage weniger Ferien, Einbussen beim Kompensieren und ein schlechterer Kündigungsschutz: Ein neues Personalreglement stösst bei der Belegschaft von Keystone-SDA auf Widerstand. Die Peko sistiert den Dialog. «Wir sind die Alibi-Übungen leid», heisst es im Protestbrief.
Keystone-SDA: Protest gegen schlechtere Arbeitsbedingungen
Vor allem ältere und langjährige Mitarbeitende bekommen die Änderungen des Personalreglements zu spüren: Ein Redaktor von Keystone-SDA in Bern-Wankdorf. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)
von Michèle Widmer

Die Differenzen zwischen Unternehmensführung und der Belegschaft von Keystone-SDA gehen nach dem Stellenabbau im Jahr 2018 in eine nächste Runde. Die Personalkommission der Nachrichtenagentur hat der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat mitgeteilt, dass sie nicht mehr für eine Zusammenarbeit bereit ist. Unter Protest werden «sämtliche Verbindungen mit der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat gekappt», heisst es im Schreiben, welches auf den 15. Juni 2022 datiert ist und persoenlich.com vorliegt. 

Ursprung des wieder aufgeflammten Konflikts ist ein neues Personalreglement, das den rund 200 Mitarbeitenden als Bestandteil des Arbeitsvertrags bis am Freitag, den 17. Juni 2022 zur Unterschrift vorgelegt wurde. «Vor allem ältere und langjährige Angestellte sollen ab 2023 zu weitaus schlechteren Vertragsbedingungen arbeiten», wie von verschiedenen Quellen aus Redaktionskreisen zu erfahren ist. Es geht unter anderem um Einbussen beim Ferienanspruch und beim Kündigungsschutz. Aber auch Kompensationstage für Abend- und Wochenendeinsätze sollen gekürzt werden. Das Verhältnis zwischen Geschäftsleitung und der Belegschaft sei auf «einem neuen Tiefpunkt» angelangt, heisst es.

«Spürbare Unzufriedenheit»

Bereits im Vorfeld hatte das Personal mit einer Resolution auf die Neuerungen des Personalreglements reagiert. «Die weitherum spürbare Unzufriedenheit gründet unter anderem darauf, dass trotz zunehmender Personalknappheit und seit Jahren ausbleibender Lohnerhöhung mit dem Abbau von Ferienguthaben für einen grossen Teil der Mitarbeitenden ein effektiver Lohnabbau einhergeht», steht im Schreiben. Das Vertrauen in Geschäftsleitung und Verwaltungsrat werde untergraben. In der Resolution forderten die Mitarbeitenden unter anderem die Rücknahme des Abbaus von Ferien und Kompensationstagen oder das Beibehalten der bisherigen Kündigungsfristen. 

Im Brief, den die Unternehmensleitung am Mittwoch erhalten hat, zeigt sich die Peko ernüchtert: «In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Beispiele, bei denen wir uns als Gremium nicht ernst genommen fühlten. Transparenz war und ist zu oft ein Wort ohne Taten geblieben», schreibt die Peko darin. Man sei es leid, der Unternehmensspitze als «Feigenblatt» zu dienen. Und man sei die «Alibi-Übungen» leid. 

Geschäftsführung sucht Dialog

Syndicom, Impressum und das Schweizer Syndikat Medienschaffender haben die Personalkommission bei den Verhandlungen mit der Geschäftsleitung beraten. Stephanie Vonarburg, Vizepräsidentin der Gewerkschaft Syndicom und Leiterin des Bereichs Medien, bezeichnet die Änderungen des Personalreglements gegenüber persoenlich.com als «unhaltbar». Entgegen den Beteuerungen von Seiten der Geschäftsleitung, die Überarbeitung des Personalreglements sei keine Sparübung, sei es verständlich, dass dies vom Personal als solche wahrgenommen werde. Vielen Angestellten würden bis zu acht Tage Ferien gestrichen. Bisher hatten vor allem ältere und langjährige Mitarbeitende bis zu sieben Wochen Ferien.

Die Geschäftsleitung bestätigt gegenüber persoenlich.com den Erhalt des Briefs. «Wir werden mit der Peko den Dialog suchen», sagt Jann Jenatsch, COO Keystone-SDA.

Bis am Freitag müssen die rund 200 Angestellten von Keystone-SDA die neuen Arbeitsverträge mitsamt schlechterem Personalreglement unterzeichnen. Verzichten zehn Prozent darauf, muss die Unternehmensleitung eine Massenänderungskündigung anmelden, die ein Konsultationsverfahren bedingt.



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