06.08.2025

Somedia

«Der Entscheid ist für uns nicht nachvollziehbar»

Das Glarner Obergericht hat am Dienstag den Verkauf der Glarner Regionalzeitung Fridolin an die Somedia gestoppt. Zwischenzeitlich hat der Rapperswiler Verleger Bruno Hug sein Kaufinteresse bekundet und eine halbe Million Franken überwiesen. Er wirft dem Glarner Sachverwalter und Somedia ein abgekartetes Spiel vor. Thomas Kundert, CEO von Somedia, wehrt sich.
Somedia: «Der Entscheid ist für uns nicht nachvollziehbar»
«Ohne unser Eingreifen wäre am 31. Juli wohl kein Fridolin mehr erschienen»: Thomas Kundert, CEO Somedia. (Bild: zVg/Somedia)

Herr Kundert, wie am Dienstag bekannt wurde, mussten Sie aufgrund eines Entscheides des Glarner Obergerichts die Redaktion des Fridolin räumen. Was bedeutet das für Sie? Wie haben die betroffenen Mitarbeiter darauf reagiert?
Der Entscheid vom Obergericht ist für uns weder inhaltlich noch formell nachvollziehbar. Wir haben einen Kaufvertrag mit gerichtlicher Genehmigung abgeschlossen. Und dies zu wirtschaftlich besseren Bedingungen als das nachträglich eingereichte Angebot von Bruno Hug und seinen Investoren. Seit dem 25. Juli waren wir mitten im Vollzug der Betriebsübernahme. Diesen Vollzug mussten wir nun kurzfristig stoppen. Für die Mitarbeitenden ist diese erneute Unsicherheit ein sehr belastender Zustand – genau das wollten wir verhindern.

Wieso haben Sie die Einsprachefrist nicht abgewartet?
Ein weiteres Abwarten war aus betrieblichen Gründen schlicht nicht möglich. Nach unseren Informationen war die Fridolin Druck und Medien Walter Feldmann AG Ende Juli faktisch zahlungsunfähig. Wir mussten also nach dem Kauf sofort handeln – mit einem Darlehen, um die Löhne der Mitarbeitenden zu sichern und durch sofortige Gespräche mit den Lieferanten, damit diese ihre Leistungen nicht einstellen. Ohne unser Eingreifen wäre am 31. Juli wohl kein Fridolin mehr erschienen. Die Sicherstellung des Betriebs direkt nach der Übernahme war ein ausserordentlicher Kraftakt. Gleichzeitig wollten wir endlich Stabilität für die Mitarbeitenden und Werbekunden schaffen.

«Das Obergericht hat der Beschwerde nur einstweilen aufschiebende Wirkung erteilt»

Wird die Zeitung nun an Bruno Hug verkauft?
Nein. Der Kaufvertrag mit unserer Fridolin Medien AG ist abgeschlossen und der Vollzug ist weitgehend erfolgt. Das Obergericht hat der Beschwerde nur einstweilen aufschiebende Wirkung erteilt. Dies hat zur Folge, dass der weitere Vollzug des Kaufvertrags vorläufig pausiert wurde. In der Sache selbst hat das Gericht noch nichts entschieden. Es handelt sich um ein laufendes Gerichtsverfahren und nicht um eine Rückabwicklung oder gar einen Verkauf an einen Dritten. Zudem besteht ein vertraglich verankertes Vorkaufsrecht zugunsten von Somedia – ein Verkauf an Bruno Hug oder andere ist ohne unsere Zustimmung rechtlich gar nicht möglich.

Bruno Hug wirft Ihnen vor, dass der ganze Verkauf gemäss einem ihm vorliegenden E-Mail-Verkehr zwischen Sachverwalter und Somedia abgekartet gewesen sei, sodass es ihm – gemäss Zitat gegenüber persoenlich.com – «gschmuch» geworden sei. War das Ihrer Ansicht nach auch der Fall?
Die Behauptung entbehrt jeder Grundlage. Der Sachverwalter wurde Ende Mai vom zuständigen Gericht mit dem Einverständnis des damaligen Fridolin-Geschäftsführers Stefan Wenkebach eingesetzt. Keine der involvierten Personen bei Somedia hatte im Vorfeld der Nachlassstundung Kontakt zum Sachverwalter. Wir hätten gerne schon viel früher eine Lösung gefunden.

Inwiefern?
Der Sachverwalter hat Stefan Wenkebach mehrfach schriftlich Fristen zum Einreichen eines Angebots angesetzt. Auch mit Bruno Hug hatte er Kontakt. Beide haben abgewunken, wollten für den Fridolin kein Angebot abgeben und nicht in ein unternehmerisches Risiko gehen. Sie waren ausdrücklich mit «unserer Lösung» einverstanden. Jetzt nach Ablauf von allen Fristen wollen sie nun scheinbar noch das Blatt wenden. Wenn ein Verkauf abgeschlossen ist, kann man nicht einfach einige Tage später noch mit einem neuen Angebot kommen, das zudem wirtschaftlich schlechter ist, und einfach das Blatt nochmals wenden.

Herr Hug hat gemäss eigener Aussage nun eine halbe Million Franken für den Fridolin überwiesen, Sie hingegen hätten für die Zeitung – gemäss Inside Paradeplatz – lediglich 275'000 Franken bezahlt. Stimmt das so?
Diese Darstellung ist falsch. Der Gesamtwert unseres Angebots liegt bei 875'000 Franken – also deutlich höher als das nachträglich eingereichte Angebot von Bruno Hug.

Wie kommen Sie auf 875’000 Franken?
Unser Angebot besteht aus einem bereits geleisteten Barbetrag und der Übernahme von Verbindlichkeiten der Fridolin Druck und Medien Walter Feldmann AG. Damit entlasten wir das Unternehmen von einem Teil der Schulden. Das kommt in erster Linie den Gläubigern der Gesellschaft zugute.

«Eine weitere juristische Auseinandersetzung liegt definitiv nicht in unserem Interesse»

Kommt es zu einer friedlichen Einigung mit Herrn Hug oder gibt es eine weitere juristische Auseinandersetzung?
Unser Ziel ist es, die aktuell unübersichtliche operative, finanzielle und rechtliche Situation rasch zu klären – im Interesse des Fridolin und der Mitarbeitenden. Eine weitere juristische Auseinandersetzung liegt definitiv nicht in unserem Interesse.

Kritiker werfen Ihnen vor, dass Somedia mit dem Fridolin, den Glarner Nachrichten sowie Radio und Fernsehen nun das Medienmonopol im Kanton Glarus hat. Welchen Stellenwert hat der Fridolin für Ihr Unternehmen und Sie persönlich als Glarner?
Der Fridolin ist im Kanton Glarus extrem gut verankert. Die Vereine und Institutionen haben mit ihm ein Sprachrohr. Das ist gut und richtig. Wir wollen den Fridolin in seiner heutigen Form erhalten und stärken. Die separaten Standorte und die eigenständigen Redaktionen unserer Medien sollen bestehen bleiben.

Können Sie in Glarus künftig Medienfreiheit garantieren?
Ja, definitiv. Der Kanton Glarus wird – gemessen an seiner Grösse – weiterhin über eine vielfältige und unabhängige Medienlandschaft verfügen. Und wir tragen Mitverantwortung dafür, dass das so bleibt.


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KOMMENTARE

Stefan Bühler
11.08.2025 21:44 Uhr
«Eine weitere juristische Auseinandersetzung liegt definitiv nicht in unserem Interesse» sagt Thomas Kundert am gleichen Tag, als Somedia mit der Firma Fridolin Medien AG einen neuen Antrag beim Obergericht in Glarus einreichte. Um damit gleich nochmals zu scheitern. Das Obergericht lehnte es mit Entscheid vom gleichen Tag ab, superprovisorisch einzugreifen. Denn es gebe "grundlegende Bedenken" gegen die Transaktion zwischen Sachverwalter und Somedia. Nicht nachvollziehbar für den CEO von Somedia? Für das Obergericht Glarus sehr wohl.
Franziska Feldmann
07.08.2025 07:34 Uhr
Warum wird nirgends erwähnt, dass unter Jörg Lutz, der Schulden von Somedia anhäufte, diese Situation verursacht hat und die Kontakte zur Somedia schon lange pflegte , um genau diese grauhafte Übernahmeversuche von langer Hand vorbereitete. Eine faire Berichterstattung wäre schön! Mit freundlichen Grüßen Franziska Feldmann
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