Herr Amsler, seit bald zwei Jahren leiten Sie zusammen mit Alessandra Paone OnlineReports. Warum kommt das neue Layout erst jetzt?
Ursprünglich wollten wir schon im ersten Halbjahr mit einer neuen Website online gehen. Wenn ich daran denke, muss ich lachen. Nein, im Ernst: Wir haben bald festgestellt, was alles damit zusammenhängt. Und wir wollten es richtig machen. Deshalb haben wir alle Rückmeldungen und Ansprüche gesammelt und das Konzept mehrfach durchdacht. Wir mussten sparen, um das Projekt finanzieren zu können. Ausserdem umfasst der Relaunch von OnlineReports viel mehr als nur die neue Website. Wir haben nun ein komplett überarbeitetes Werbeangebot und neu einen Unterstützungsverein. Das alles benötigt Zeit. Als Kleinstunternehmen konnten wir niemandem die Projektleitung übertragen und erledigten alles neben dem üblichen Alltagsgeschäft.
Wäre es auch eine Option gewesen, das kultige Dinosaurier-Layout beizubehalten?
Nein. Für uns war von Anfang an klar, dass OnlineReports einen neuen Auftritt benötigt, wenn der Titel erfolgreich in die Zukunft geführt werden soll. Wir haben das bei unserem Antritt auch versprochen – und nun eingelöst. Unsere Leserinnen und Leser sowie unsere Werbekundinnen und -kunden signalisierten uns klar, dass sie einen zeitgemässen Webauftritt wünschen. Ausserdem ist die Technik am Ende ihrer Lebenszeit angelangt und hätte ohnehin auf einen neuen Stand gebracht werden müssen, um Stabilität und Sicherheit zu gewährleisten.
«Wir haben auf der Startseite bewusst auf unnötige Textelemente verzichtet»
Das neue Erscheinungsbild ist so ziemlich das Gegenteil vom alten; die Website hat nun viel Luft und wenig Text. Sind Sie vom einen Extrem ins andere gekippt?
Das sehe ich anders. Ich finde unsere Seite nach wie vor sehr kompakt, insbesondere in der Mobile-Ansicht. Am Umfang unserer Texte haben wir sowieso nichts geändert. Wir setzen auf fundierte, differenzierte und darum zwangsläufig oft auch umfassendere Artikel. Tatsächlich wirkt die Startseite aber aufgeräumter. Wir haben hier bewusst auf unnötige Textelemente verzichtet und zeigen zum Beispiel nur beim Aufmacher-Artikel einen Lead. Wir möchten den Leserinnen und Lesern in aller Kürze aufzeigen, was wir anbieten, und sie keinesfalls langweilen. Wer reinklickt, sieht dann die hintergründige Story.
Als neues Redaktionssystem nutzt OnlineReports die Plattform von WePublish, die auch andere, kleinere lokale Onlinemedien verwenden, etwa Bajour, Tsüri oder Hauptstadt. Was brachte Sie zu dieser Lösung?
Wir waren und sind mit unserer früheren Hosting-Partnerin sehr zufrieden, daran lag es auf keinen Fall. Die Lösung von WePublish hat uns aber überzeugt, weil man merkt, dass das System explizit für Medientitel wie OnlineReports entwickelt wurde und alles bietet, was wir uns gewünscht haben. Es ist intuitiv zu bedienen und wir haben uns rasch daran gewöhnt. Ausserdem finden wir unseren Hosting-Vertrag auch in Bezug auf die Kosten transparent und fair.
OnlineReports lebt massgeblich von Onlinewerbung. Sorgt der Relaunch auch kommerziell für eine Verbesserung?
Das hoffen wir doch! Wir haben moderne und attraktive Werbeflächen und -möglichkeiten eingeführt und verzichten nach wie vor darauf, Anzeigen von digitalen Marketplaces auszuspielen. Wer bei uns inseriert, muss nicht befürchten, dass ihre oder seine Anzeige neben jener von Temu erscheint. So ist auch im Inserateteil eine hohe Qualität sichergestellt. Unsere Werbepartnerinnen und -partner haben positiv auf unser neues Angebot reagiert.
«Wir wollen nationale Politik aus regionaler Warte betrachten»
Wie wirkt sich der gestalterische Relaunch auf den Inhalt aus?
Inhaltlich bleibt OnlineReports wie gehabt und wir halten an sämtlichen Gefässen fest. Der Unterschied ist, dass nun auch die Kolumnen sowie unsere lockeren Rubriken wie das «Gelesen & gedacht» oder «Das Wort zum Bild» optisch prominenter platziert sind. Wir können unser Angebot viel besser präsentieren. Zum Relaunch gehört auch das grosse Monatsgespräch, das wir im vergangenen Herbst eingeführt haben. Ganz neu ist ausserdem die Rubrik BundeshausReports. Hier schreibt der erfahrene Journalist und Experte Thomas Dähler über Bundesbern – aus Nordwestschweizer Optik. Damit wollen wir eine Lücke schliessen, denn die grossen Medientitel verzichten wegen des Spardrucks zunehmend darauf, nationale Politik aus regionaler Warte zu betrachten, und beschränken das Angebot auf den Mantelteil.
Auch hinter den Kulissen gibt es eine Neuerung mit der Gründung des Vereins «Freunde von OnlineReports». Sollen die Mitglieder einfach möglichst viel Geld zahlen?
Wir haben bei den Mitgliedschaften darauf geachtet, dass für jedes Budget eine attraktive Möglichkeit vorhanden ist, sich dem Verein anzuschliessen. So kostet eine Einzelmitgliedschaft 70 Franken pro Jahr, und wer in Ausbildung ist, bezahlt nur 30 Franken. Die Mitglieder des Vereins bekommen auch etwas zurück: Sie werden zu Veranstaltungen eingeladen, zum Beispiel zu unseren geplanten Talks mit prominenten Persönlichkeiten im Marionetten Theater Basel. Solche Events sind auch eine gute Gelegenheit, sich mit interessanten Personen auszutauschen und zu vernetzen – auch mit uns. Für die Gründungsmitglieder – das sind alle, die sich bis am 8. Mai anmelden – hat der Vorstand unter Präsident Hans Furer eine Überraschung geplant.
Ein Relaunch geht selten so über die Bühne, wie man sich das vorher erhofft hat. Mit welchen Kinderkrankheiten kämpfen Sie?
Eigentlich wollten wir einen Tag früher live sein – aber darauf kommt es nun wirklich nicht an. Bei bestimmten Nutzerinnen und Nutzern hat es am Mittwoch eine gewisse Zeit gebraucht, bis sie das neue Layout aufrufen konnten. Und natürlich möchten wir noch ein paar Details anpassen. Aber ansonsten läuft das System störungsfrei. Darum sind wir sehr glücklich, dass es so gut geklappt hat.