25.03.2026

SRF

Ein kleines «Leitungsteam» führt die «Regionaleinheit»

Bisher führte eine breit aufgestellte Geschäftsleitung Schweizer Radio und Fernsehen als Unternehmenseinheit der SRG. Die jüngsten Veränderungen in Organigramm und Nomenklatur zeigen, wie stark Susanne Wille als SRG-Generaldirektorin die regionalen Strukturen verändert hat.
SRF: Ein kleines «Leitungsteam» führt die «Regionaleinheit»
SRF hat an Eigenständigkeit verloren unter der neuen SRG-Strategie. (Bild: Keystone/Michael Buholzer)

Aus elf mach vier: Bis im Sommer schrumpft die Führungsetage von Schweizer Radio und Fernsehen SRF um fast zwei Drittel. Eine Verkleinerung der Geschäftsleitung hatte schon die scheidende SRF-Direktorin Nathalie Wappler in die Wege geleitet, nachdem sie zuvor das Gremium noch auf über zehn Posten vergrössert hatte. Doch Umfang und Struktur des künftigen SRF-«Leitungsteams» tragen die Handschrift von Susanne Wille. Mit dem Reform- und Sparprojekt «Enavant» übernimmt das Mutterhaus SRG eine ganze Reihe von Aufgaben, die bisher in der Zuständigkeit der regionalen Unternehmenseinheiten lagen, etwa in den Bereichen Finanzen, Nutzungsforschung, Sport, Angebot und Produktion.

Nach dem Sommer soll ein vierköpfiges «Leitungsteam» um den frisch gewählten Direktor Roger Elsener seine Arbeit aufnehmen. Wer das sein wird, ist noch nicht bekannt. Bis am 29. März können sich interessierte Personen bewerben – allerdings nur intern. Eine externe Ausschreibung ist laut SRF «grundsätzlich nicht vorgesehen». Die Wahl durch den Verwaltungsrat soll bis spätestens Ende des Sommers erfolgen, heisst es. Mitsprache im laufenden Bewerbungsprozess hat auch Roger Elsener als gewählter Direktor, obwohl er sein Amt erst am 1. Mai antreten wird. Der Regionalvorstand der SRG-Deutschschweiz nominiert die künftigen Mitglieder des Leitungsteams; der Verwaltungsrat der SRG wählt sie.

Drei Abteilungen bleiben gleich

Drei der vier nun ausgeschriebenen Stellen orientieren sich an den bisherigen Profilen. Für die seit dem Abgang von Susanne Wille verwaiste Spitze der Abteilung Kultur/Gesellschaft und Wissen wird eine neue Leitungsperson gesucht. Bei den Abteilungen Distribution und Unterhaltung müssen sich die Stelleninhaber Stefano Semeria und Reto Peritz der Konkurrenz stellen – sofern sie selbst noch antreten.

Eine neue Funktion wird die oder der künftige «Leiter:in Information» übernehmen. Dabei handelt es sich um die fusionierte Chefredaktion. Aufgrund der lange Zeit eigenständigen Entwicklung von Radio und Fernsehen gab es bisher eine getrennte publizistische Führung für die beiden Bereiche. Auch sonst galt der journalistische Binnenwettbewerb mit zwei Redaktionsspitzen als sakrosankt.

«Im Tagesgeschäft zunehmend hinderlich»

Vor eineinhalb Jahren hatte die Ende April abtretende SRF-Direktorin Nathalie Wappler entschieden, die Chefredaktion Video (vormals Fernsehen) und die Chefredaktion Audio/Digital (vormals Radio) zusammenzulegen. Eine solche Trennung sei «nicht mehr zeitgemäss und im Tagesgeschäft zunehmend hinderlich», begründete Wappler im September 2024 den Entscheid für die Zusammenlegung. Die neue Führungsperson soll nun die beiden Redaktionen zu einer «multimedialen Abteilung Information» zusammenführen, steht in der Stellenausschreibung.

Gute Chancen ausrechnen für den neuen Job darf sich die aktuelle Co-Leitung der Chefredaktion Audio/Digital. Ursula Gabathuler und Beat Soltermann, beide Mitte 50, haben bereits die früheren Bereiche Radio und News Digital zusammengeführt. Damit bringen sie jene Erfahrung mit, die der nächste Schritt auf dem Weg zu einer einheitlich geführten Abteilung Information auch erfordert. Dazu gehört ein Stellenabbau von bis zu 17 Prozent des bestehenden Personals.

Harmonisierung quer durch die Schweiz

Die Gewichtsverschiebung zulasten der Regionen und zugunsten der Zentrale in Bern zeigt sich auch in einer neuen Bezeichnung für SRF: Schweizer Radio und Fernsehen ist künftig nur noch eine «Regionaleinheit» und nicht mehr eine «Unternehmenseinheit». So heissen auch die anderen sprachregionalen SRG-Medien. Auch RTS, RSI und RTR haben ihre Führung verkleinert und analog zu SRF aufgestellt. Entsprechend hat die SRG die Stellenprofile für die Leitungsteams «im Rahmen des Transformationsprojekts Enavant für die ganze Schweiz entwickelt».


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