«Ich würde Gratiszeitungen sofort abschaffen». Diese Aussage von Medienministerin Doris Leuthard vor einer Woche macht seither medial die Runde. Dabei ist es nur die halbe Wahrheit respektive nur die halbe Aussage, welche Leuthard am Journalismustag 18 in Winterthur gemacht hatte (persoenlich.com berichtete).
«Die Aussagen von Bundesrätin Leuthard zu den Gratiszeitungen erfolgten im Kontext einer Fragerunde, die unter anderem im Zusammenhang mit den strukturellen Schwierigkeiten der Printpresse stand», betont Annetta Bundi, stellvertretende Leiterin des Presse- und Informationsdienstes beim Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek), auf Anfrage von persoenlich.com.
Die klassischen Tageszeitungen würden sich seit längerem mit stark rückläufigen Erträgen aus dem Werbemarkt und sinkenden Abo-Zahlen konfrontiert sehen. «Bundesrätin Leuthard wies darum dann auf die Frage, was sie als Verlegerin tun würde, um einen Ausweg aus der schwierigen Situation zu finden, darauf hin, dass sie in so einer Situation Gratiszeitungen abschaffen würde, weil sie nie verstanden habe, ‹warum man journalistischen Content einfach verschenkt›», so Bundi weiter (siehe Video oben). Leuthard habe damit zum Ausdruck gebracht, dass sie die journalistische Arbeit für wichtig und wertvoll halte.
«Allein Sache der Verlage»
«Gewisse Verlage kannibalisieren mit Gratisangeboten ihre bezahlpflichtigen Tageszeitungen selbst», sagt Bundi zu persoenlich.com. Die per Ende Jahr beschlossene Einstellung des «Blick am Abend» sei wohl als weiteres Indiz dafür zu werten. «Über die Einstellung des ‹Blick am Abend› war das Uvek im Übrigen vorab nicht im Bild. Der Bund hat mit solch unternehmerischen Entscheiden nichts zu tun, es ist allein Sache der Verlage, solche Entscheide zu treffen», so die Mediensprecherin. Damit stützt Bundi die Aussage von «Blick»-Chefredaktor Christian Dorer, der am Mittwoch gegenüber persoenlich.com von «purem Zufall» sprach. «Es wäre abwegig zu glauben, dass wir wegen so einer Aussage innerhalb einer Woche eine Tageszeitung einstellen», so Dorer.
Bundi will klarstellen, dass der Bund sich hier nicht einmischt: «Es ist den Verlagshäusern, für die das Geschäftsmodell mit Gratisangeboten und Werbung weiterhin aufgeht, selbstverständlich unbenommen, dabei zu bleiben», sagt sie. Viele Verlage seien aber in einer anderen Situation – sie seien darum inzwischen auch im Online dazu übergegangen, einen Teil der journalistisch recherchierten Texte wieder kostenpflichtig zu machen beziehungsweise einer Bezahlschranke zu unterstellen, weil sie ihre Angebote sonst nicht mehr finanzieren könnten.