Frau Wannenmacher, Sie waren lange das Aushängeschild der TV-Sendung "kulturplatz" auf SF. Warum haben Sie jetzt gekündigt?
Es ist ja eine Binsenweisheit, dass die Dinge klarer sieht, wer auf Distanz geht. So ging es mir auch. Die Mutterschaftspause im vergangenen Jahr war eine gute Zäsur um über meinen Job nachzudenken. Dabei ist mir klar geworden, dass ich durchaus gerne wieder fürs Fernsehen arbeite, aber an einem Ort, der mir etwas mehr Spielraum gibt. Die Sendung "kulturplatz" ist eine hochkarätige Sendung, die Möglichkeiten für die Moderation sind allerdings vergleichsweise begrenzt.
Der Zeitpunkt kommt doch sehr überraschend.
Nach 6 Jahren "kulturplatz" ist es für mich der richtige Moment, mich neu zu orientieren. Zudem habe ich mit unseren drei Kindern nichts dagegen, etwas länger als ursprünglich geplant zuhause zu bleiben.
Was machen Sie denn momentan?
Ich geniesse die Freiheit! Und ich höre mich nach neuen Herausforderungen um.
Sie wollen als Moderatorin mehr Spielraum. Was würde Sie interessieren? Gibt es Wunschdestinationen?
Raus aus dem Studio, das wäre mein Wunsch. Moderieren ja, aber nur noch unter freiem Himmel! Nein im Ernst, die Moderation im Fernsehstudio ist natürlich vom Sendegefäss abhängig. Ist die Sendung live, wie damals bei "10vor10" oder bei "Kulturzeit" auf 3sat, gefällt mir das schon deutlich besser. Oder Moderation, kombiniert mit Reportage-Elementen, das fände ich äusserst spannend, denn das habe ich noch nie gemacht. Und da ich einst zur Videojournalistin ausgebildet wurde, wäre es für mich auch sehr interessant, mich in diesem Bereich wieder etwas fit zu machen. Ich bin offen. Hauptsache, der Job macht mir Freude und ich arbeite mit kompetenten Leuten zusammen.
Ihre Sendung wurde immer sehr spät am Abend ausgestrahlt. Ist dies für eine Moderatorin nicht ein bisschen frustrierend?
Nein, das hat mich nie gestört. Der Sendeplatz hat auf mein Befinden keinen Einfluss. Natürlich aber hilft es der Sendung, wenn sie möglichst attraktiv platziert ist, das gibt ihr mehr Relevanz.
Glauben Sie nicht, dass die Kultur durch den Wechsel in der Chefetage der SRG aufgewertet wird?
So ist es jedenfalls gerüchteweise zu hören, dass Herr Matter darüber nachdenkt, "kulturplatz" besser zu platzieren. Ich würde es meinem Team von Herzen gönnen. Und dort waren wir ja auch zu Beginn vor sechs Jahren, bis uns Ingrid Deltenre auf die 23-Uhr-Marke verbannt hat. Dem öffentlichen Fernsehen würde es bestimmt gut anstehen, den Platz nach "10vor10" einmal die Woche für die Kultur zu reservieren.
Vor Ihrer TV-Karriere, welche 1994 bei TeleZüri begann, waren Sie auch im Print tätig. Wäre dies eine Option?
Meine ersten vier Jahre als Journalistin war ich eine Print-Journalistin, das stimmt. Aber als ich dann als Voltontärin am Medienausbildungszentrum in Luzern einen Fernsehkurs besuchte, war ich schon sehr beeindruckt von der Lebendigkeit und Schnelligkeit dieses Mediums. Das entspricht meinem Temperament. Obwohl, bei meinem Konsum verhält es sich genau umgekehrt: ich lese viel lieber Zeitungen oder schaue ins Internet, als mich am Fernsehen zu informieren. Was aber auch mit dem etwas gar leichtgewichtig gewordenen "10vor10" zu tun haben könnte. Aber wenn Sie mich nach Print fragen: Eine Kolumne würde ich gerne auch mal schreiben!
Und was ist aus Ihrem Steckenpferd, der Literatur, geworden?
Ich habe für 3sat auch während meiner Zeit bei "kulturplatz" mehrmals an den Buchmessen Frankfurt und Leipzig moderiert und auch das Wettlesen in Klagenfurt. Für die kommende Buchmesse in Leipzig im März hat mich 3sat vor wenigen Tagen angefragt. Solche Aufträge nehme ich natürlich sehr gerne entgegen, denn dort kann ich quasi im Akkord Gespräche führen mit herausragenden Schriftstellerinnen und Schriftstellern.
Viele Prominente haben eine eigene Internetseite. Nur Sie nicht!
Das stimmt! Bis anhin war mein Sendungsbewusstsein einfach nicht gross genug. Aber es wäre wohl sinnvoll, dass ich mich in freien Zeiten wie diesen via Internet sichtbar mache.
Interview: Matthias Ackeret

