Freinehmen oder nicht? Wie Verlage den 14. Juni regeln

Frauenstreik - Auch Journalistinnen und Journalisten werden im Kampf gegen Lohnungleichheit und Diskriminierung am Frauenstreik teilnehmen. Bei der SRG müssen sie dafür freinehmen, hingegen gibt es möglichst keine Sitzungen. So handhaben das Tamedia, NZZ, CH Media oder Ringier:

von Michèle Widmer

«Lohngleichheit, dammit», «Mehr Frauen in Chefetagen» oder «Schluss mit All-Male-Panels»: In den Sozialen Medien zeigen Journalistinnen und Journalisten ihr Engagement im Vorfeld des Frauenstreiks (persoenlich.com berichtete). Bereits über 500 Namen stehen bei den Initiantinnen der Aktion «Medienfrauenstreik» auf der Liste der Unterstützerinnen und Unterstützer. Es ist also davon auszugehen, dass in den Redaktionen der Schweizer Medienhäuser am Freitag, 14. Juni, einige Arbeitsplätze leer bleiben. Wie gehen die Verlage damit um? Bei der SRG muss die Abwesenheit kompensiert oder frühzeitig freigenommen werden. Ab 15.30 Uhr sollen an diesem Tag keine Sitzungen mehr stattfinden (persoenlich.com berichtete).

Welche Regeln gelten bei den anderen Schweizer Medienhäusern? Hier die Antworten aus der Umfrage von persoenlich.com:


«Ringier und Ringier Axel Springer Schweiz ist es wichtig, in einer Gesellschaft zu leben und zu agieren, in der Frauen und Männer die gleichen Rechte geniessen. Deshalb ermöglichen wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch die Teilnahme am Frauenstreik. Die Teilnahme erfolgt als Privatperson, sollte mit dem Vorgesetzten abgesprochen werden und wird als Kompensationszeit oder Ferien eingetragen. Wir bieten ausserdem Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Ringier und Ringier Axel Springer Schweiz am 14. Juni intern die Möglichkeit an, ihre Anliegen in diesem Zusammenhang zu platzieren: Sie sind alle zu einer Diskussion mit Human-Resources- und Personalkommissionsvertretern im Pressehaus und im Medienpark eingeladen.»

Der Frauenanteil bei den Mitarbeitenden beträgt bei Ringier 45 Prozent, bei Ringier Axel Springer Schweiz 53 Prozent.




«Auf Anfrage gilt bei uns die selbe Regelung wie bei der SRG. Die Koordination von Sitzungsterminen beziehungsweise anderen Präsenzzeiten überlassen wir den dafür zuständigen Teams.»

Bei der NZZ-Mediengruppe beträgt der Frauenanteil bei den Mitarbeitenden 44 Prozent. In der Redaktion der NZZ liegt er derzeit bei 36 Prozent, bei der «NZZ am Sonntag» bei 42 Prozent.




«Für den Frauenstreik vom 14. Juni 2019 gewährt Tamedia jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter der Gruppe Entscheidungsfreiheit bezüglich der Teilnahme am Streik. Wer teilnehmen will, muss in Absprache mit dem oder der Vorgesetzten einen freien Tag beantragen.
Tamedia legt innerhalb der Gruppe viel Wert auf Lohngleichheit. Diese wird mittels eines fortschrittlichen Berechnungssystems kontrolliert, das die Struktur von Tamedia berücksichtigt und gleichzeitig den Anforderungen der gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich der Gleichstellung von Frau und Mann Rechnung trägt. Die Kadermitarbeitenden werden zudem seit mehreren Jahren dazu aufgefordert und darauf sensibilisiert, die Lohngleichheit bei Frauen und Männern in vergleichbaren Funktionen bei der Rekrutierung und bei Lohnerhöhungen durchzusetzen.»

In der Schweiz beschäftigt Tamedia derzeit 3'297 Mitarbeitende, davon 39 Prozent Frauen.  



«CH Media unterstützt die freie Meinungsäusserung und stellt es allen Mitarbeitenden frei, am Frauenstreik teilzunehmen. Die Mitarbeitenden können für die Abwesenheit freinehmen. Anfragen zur Teilnahme und Bedingungen bezüglich Frauenstreik gingen von den Mitarbeitenden keine ein. Spezielle Regeln wurden daher nicht erlassen.»

CH Media zählt über alle Bereiche 43 Prozent weibliche Mitarbeitende.