20.01.2011

"Weltwoche"

Grossangriff auf die SRG

Roger Köppel schiesst gegen Leutschenbach.

In der aktuellen Ausgabe der "Weltwoche" wird in mehreren Artikeln die SRG kritisiert. Dabei schiesst die "Weltwoche" nicht nur gegen SRG-Generaldirektor Roger De Weck ("versteckt sich hinter Nebelwand Service public (…) und redet schon von neuen Gebührenmodellen“), sondern auch gegen die "Leutschenbach-Journalisten", welche in der Illusion lebten, sie seien unabhängig. Ihnen wirft Roger Köppel im Editorial vor, von einer Monopolstellung im Werbemarkt zu profitieren und in der direkten Verantwortung der Regierung zu stehen, da sie mit "Zwangsgebühren" finanziert würden. Weiter wirft die "Weltwoche" auf Seite 29 den SF-Bundeshaus-Korrespondenten vor, im Vergleich zu den Berichten der privaten Medien Hofjournalismus zu betreiben, der auf gouvernementale Harmonie abziele. Dabei würden sie den Zuschauern und sich selber etwas vormachen. Für die "Weltwoche" ist es unvorstellbar, dass Staatskritik zum Service public gehört.

Im Hauptartikel auf Seite 27 wirft Andreas Kunz die Frage auf, ob der "Expansionskurs" der SRG weitergehen darf. Dabei geht es vor allem um die Weiterentwicklung des Onlinebereichs. Kunz wirft der SRG vor, mit "ihrer Expansion ins Internet und dem Griff nach Werbegeldern", sich nicht auf das Service-Public-Angebot zu beschränken, sondern zunehmend in eine Domäne der Verlage vorzustossen.

Weiter schreibt die "Weltwoche", dass der Begriff "Relevanz" (das sogenannte "R-Wort") zum Schlüsselbegriff und ständigen Thema in den SRF-Redaktionen geworden sei. Das Konzept Arena sei eine Art "Bundesrats-TV" geworden. Der Anspruch nach mehr Relevanz habe aus der Arena das Gegenteil gemacht: Die reale, lebendige Diskussionskultur einer direkten Demokratie sei kastriert worden.

Schliesslich kommt auch Radio- und TV-Direktor Rudolf Matter nicht unerwähnt davon. Er wird für den ressourcenaufwendigen Leistungsausbau kritisiert und für zu sozialdemokratischen Journalismus, der angesichts "hunderter Millionen Franken Zwangsgebühren" eine Form der Provokation sei.

In der mehrseitigen Debatte kommen die Kritisierten aber nicht zu Wort, da gemäss "Weltwoche" de Weck und auch Matter ein Gesprächsangebot ablehnten.

Um einiges versöhnlicher bewertet Kurt W. Zimmermann in seiner Medienkolumne die neue SRG-Spitze. "De Weck und Matter sind gut gestartet. Sie haben ihre Mitarbeiter motiviert. Sie sind in ihren Positionen transparent." Einen Schwachpunkt ortet er in der Finanzstrategie, welche nur auf der Einnahmenseite das Defizit beseitigen soll. Eine Strategie, die "ein kurzfristiger und untreuer Freund" sei. (eh)


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