11.03.2011

"Herr Blocher ist und war an der Weltwoche nicht beteiligt!"

Wie frei ist Roger Köppel? In der aktuellen März-Ausgabe von "persönlich" schreibt Kolumnist Roger Schawinski, "Weltwoche"-Verleger Köppel sei lediglich ein Statthalter seiner alten Eigner und könne seine Zeitung nur mit deren Zustimmung verkaufen. "Das ist falsch", entgegnet Köppel gegenüber "persönlich.com" und nimmt zu diesem und anderen Vorwürfen Stellung. Zum Interview:
"Herr Blocher ist und war an der Weltwoche nicht beteiligt!"

Herr Köppel, Roger Schawinski behauptet in seiner aktuellen "persönlich"-Kolumne, Sie besässen zwar alle "Weltwoche"-Aktien, seien aber gar nicht der eigentliche Eigentümer, sondern nur ein Statthalter, der die Firma nicht frei verkaufen könne, da Sie dafür die Zustimmung der alten Eigner benötigen. Wie frei sind Sie wirklich?

Ich staune einfach, mit welch falschen Behauptungen und kreditschädigenden Unterstellungen die Konkurrenz einen Medienjungunternehmer wie mich angreift. Tatsache ist: Ich bin alleiniger Eigentümer der Weltwoche, und ich bin seit meiner Übernahme frei, die "Weltwoche" zu verkaufen. Aber ich habe nicht die Absicht, die "Weltwoche" zu verkaufen. Ich möchte Sie noch lange weiter als Unternehmer und Chefredaktor führen.

Also, Sie können die "Weltwoche" jederzeit verkaufen, wenn immer Sie wollen...

Jederzeit. Aber anders als Roger Schawinski, der sein Unternehmen vor zehn Jahren verkauft hat, will ich die "Weltwoche" nicht verkaufen. Schawinski scheint zu sehr von sich selber auf andere zu schliessen.

Schawinski bezieht sich auf eine Äusserung von Ihnen.

Es gab nie eine offizielle Interviewanfrage von Roger Schawinski an mich zu diesem Thema. Wenn er private Äusserungen von mir meint, dann hat er sie falsch verstanden oder böswillig verzerrt.

Sind Sie beim Kauf der "Weltwoche" vor fünf Jahren von Herrn Tettamanti eine Verpflichtung eingegangen, wonach Sie einen bestimmten publizistischen Kurs verfolgen müssen?

Nein. Herr Tettamanti hat mich nur gefragt, ob ich bereit wäre, die "Weltwoche" längerfristig zu führen. Vermutlich hätte er sie mir nicht verkauft, wenn ich ihm gesagt hätte, ich würde sie rasch sanieren, um sie nach einem Jahr an Ringier, an den "Tages-Anzeiger" oder an Herrn Schawinski zu verkaufen. Die alten Aktionäre wollten die "Weltwoche" offensichtlich nicht einem Spekulanten verkaufen, sondern einem Journalisten, der die Unabhängigkeit und das staats- und politikkritische Profil der "Weltwoche" in bester liberaler Tradition langfristig sicherstellt.

Wollen Sie die "Weltwoche" langfristig verkaufen oder Anteile abgeben?

Als ich die "Weltwoche" Ende 2006 gekauft habe, war sie ein schwerer Verlustbringer. Seit 2007 sind wir wieder konstant in der Gewinnzone. Wir haben eine wachsende Festaboauflage und erfreuliche Tendenzen auf dem Lesermarkt. Unsere Leserzahlen sind heute höher als vor zehn Jahren, obschon ich den Titel konzeptionell stark verändert habe. Die "Weltwoche" ist heute ein führendes Rechercheblatt in der Schweiz, das seinen Finger auf wunde Punkte legt und Missstände beim Namen nennt. Für den Erfolg ist es entscheidend, dass ich das Blatt als Eigentümerunternehmer und Chefredaktor unabhängig führen kann. Ich werde mich mit voller Leidenschaft dieser Aufgabe noch lange widmen.

Der Kauf der "Weltwoche" gehört in unserer Branche immer noch zu den meistdiskutiertesten Themen. Inwieweit ist Herr Blocher daran beteiligt, wie immer wieder behauptet wird?

Das behaupten andere Zeitungshäuser, um einen unbequemen und erfolgreichen Konkurrenten in Misskredit zu bringen. Christoph Blocher ist und war nicht an der "Weltwoche" beteiligt.

Warum behalten Sie die Kaufmodalitäten geheim?

Ich habe die Karten immer auf den Tisch gelegt: Ich habe die "Weltwoche", die damals mehrere Millionen Franken Verlust gemacht hat, zu einem fairen Marktpreis gekauft. Ich hätte in Deutschland als Chefredaktor der "Welt" einen Vertrag bis 2012 unterschreiben können und war in einer guten Verhandlungsposition gegenüber der "Weltwoche". Ich habe mich aber mit voller Überzeugung für die riskantere Rolle des Unternehmers entschieden. Ich habe mein gesamtes Vermögen investiert plus Bankschulden, für die ich persönlich hafte.

Stehen Sie gegenüber jemanden in der Pflicht?

Gegenüber meinen Lesern, meinen Kunden und gegenüber meinen hervorragenden Kollegen. Wir sind gemeinsam zum unternehmerischen Erfolg verdammt.

Inwiefern arbeiten Sie mit der "Basler Zeitung" zusammen?

Bis jetzt noch nicht. Erfreulicherweise hat Markus Somm, der in Basel einen sehr guten Job macht, den einen oder anderen Kommentar für uns geschrieben. Bitte mehr davon.

Schaden Ihnen und Ihrer Zeitung solche Spekulationen?

Natürlich schadet es, wenn meine Kreditwürdigkeit und Glaubwürdigkeit mit falschen Behauptungen angegriffen wird.

Sie sind seit fast 10 Jahren - mit einem dreijährigen Unterbruch - Chefredaktor der "Weltwoche". Was waren für Sie wichtigsten Erkenntnisse der letzten Jahre?

Man muss Gegensteuer geben zum Medien-Mainstream und Missstände in der Politik aufdecken.

Inwiefern hat sich Ihre Haltung gegenüber der Zeitungsbranche geändert, seit Sie selber Verleger und Besitzer sind?

Journalisten spielen eine sehr wichtige Rolle in der direkten Demokratie. Von der Qualität ihrer Arbeit hängt die Qualität der Entscheidungen ab, die in der Schweiz politisch getroffen werden. Wir müssen den Staat kontrollieren, die Politik kritisch beleuchten und in der Lage sein, echte Probleme von Scheinproblemen zu unterscheiden. Diese Aufgabe wird immer wichtiger, und für diesen Journalismus setze ich mich mit der "Weltwoche" voll ein.

Interview: Matthias Ackeret.



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