Herr Matter, schon im Vorfeld der Regionaldirektorenwahl wurden Sie als wahrscheinlichster Kandidat gehandelt - nicht zuletzt deshalb, weil man Sie als "Gegengewicht zum neuen, linksliberalen SRG-Chef Roger de Weck" bezeichnete. Sehen Sie sich tatsächlich als Gegengewicht zu de Weck?
Ich glaube, die Politisierung dieser beiden Positionen macht keinen Sinn. Denn wir beide sind einem Journalismus mit hohem Anspruch verpflichtet - ein Journalismus, der die relevanten Themen auswählt, dazu die besten Argumente aller Beteiligten sammelt und dann versucht, diese darzustellen - mit Hintergund, so dass ein breites Publikum sie verstehen kann. Das ist das journalistische Credo, das wir teilen. Deshalb braucht es in keiner Art ein Gegengewicht - weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Wir stehen beide zur SRG und ihrem Informationsauftrag. Und das ist es, was zählt.
Man hat Sie auch als "wirtschaftsfreundlich" bezeichnet.
Was heisst "wirtschaftsfreundlich"? Ist es ein Lob oder eine Kritik? Ich nehme an, dass jemand, der so lange im Wirtschaftsjournalismus war wie ich, nur bereits deshalb als wirtschaftsfreundlich gilt. Klar ist: Ich kenne die Wirtschaft so gut, dass ich durchaus unterscheiden kann, was gut und was schlecht läuft.
Sie sagten in Ihrer Ansprache an der Pressekonferenz, dass Sie sich freuen, mit "Kollegen anderer Medienunternehmen" in Kontakt zu treten - ich nehme an, Sie haben die Verleger angesprochen?
Nicht nur die Verleger, ich freue mich auch auf den Kontakt zu Journalisten anderer Unternehmen.
Aber bleiben wir mal bei den Verlegern: Als Regionaldirektor SRF werden Sie auf diese "Kollegen" zugehen müssen, neuerdings sogar im Auftrag des Bundesrates: Es gilt, das Problem Onlinewerbung zu lösen.
Das ist ein Auftrag, der in erster Linie an Roger de Weck geht, er wird diese Gespräche initiieren müssen. Ich werde mich aber gerne daran beteiligen. Ich kenne einige Verleger persönlich und habe grossen Respekt vor ihrer Aufgabe. Ich war lange genug selber in privaten Medien tätig und weiss, was es heisst, nur Geld ausgeben zu können, das man am Markt verdient hat. Insofern habe ich sehr viel Verständnis für die Position der Verleger und ich denke, dass dies eine gute Gesprächsvoraussetzung ist.
Mit Ihrer Wahl zum SRF-Regionaldirektor werden die heutigen, interimistischen Positionen von SF-Direktor Ueli Haldimann sowie von Radio-Direktor Iso Rechsteiner spätestens ab 2011 obsolet. Was geschieht mit diesen beiden Personen?
Heute war natürlich keine Zeit, um diese Frage mit ihnen besprechen zu können. Aber ich hoffe, dass sie unserem Unternehmen erhalten bleiben. Beide haben viele Qualitäten und grosse Erfahrung. Ich kenne sie schon sehr lange, schätze beide sehr und würde mich freuen, weiter mit ihnen zusammen zu arbeiten. Beide haben bei der SRG schon verschiedene Posten ausgeübt und es gibt auch künftig wichtige Positionen zu besetzen. Darüber werden wir schon bald zusammen sprechen.
Derzeit sind Sie noch als Co-Projektleiter für das SRF-Konvergenzprojekt zuständig. Im Dezember hiess es, dass durch das Zusammenlegen von Radio und TV in der Deutschschweiz 20 bis 30 Vollstellen wegfallen werden. Wie sieht es heute aus - bleibt der Stellenabbau in diesem Rahmen?
Ja, das ist so konzipiert, jetzt geht es dann an die Umsetzung. Etwa ein Drittel dieser Stellen fallen ja allein durch das Zusammenlegen der Geschäftsleitungen von SR DRS und SF weg: Zusammen zählen sie heute 18 Personen, die SRF-Geschäftsleitung hingegen wird bloss aus 8 Mitgliedern bestehen. Zudem sparen wir bei der Zusammenlegung der drei Supportabteilungen Kommunikation und Marketing, Finanzen und Human Ressources. Aber der Abbau wird nicht exakt per Ende Jahr erfolgen. Die SRG ist ein Unternehmen, das mit seinen Mitarbeitern sozialverträglich umgeht. Das bleibt so. Es geht uns ja nicht so schlecht, dass wir die Restrukturierungsmassnahmen von einem Monat auf den andern durchziehen müssen.
(Interview: Markus Knöpfli)

