Herr Brennwald, nach sieben Jahre bei der "Rundschau": Welches war nun in all den Jahren der herausfordernste Kandidat auf dem heissen Stuhl?
Das waren eigentlich die Journalisten. Jürg Wilderberger war schwierig, oder auch Personen, die mit allen Tricks beschlagen sind. Ich denke da etwa an Klaus J. Stöhlker.
Stöhlker sagte unlängst, Sie hätten im Eins zu Eins keine Chance gegen ihn gehabt.
Die Aussage ist typisch für Stöhlker. Er disqualifiziert sich mit dieser Aussage doch selbst. Dabei war er ja ziemlich nervös vor der Sendung. Ich bin mir jedenfalls nicht sicher, ob Stöhlker nach der Sendung sehr zufrieden war.
Stöhlker findet, Sie seien für die "Arena" viel zu lieb.
Das ist doch Chabis. Stöhlker ist einfach nicht ganz à jour. Ich empfehle ihm, sich mein Interview von vergangener Woche mit Bundesrätin Micheline Calmy-Rey anzuschauen, das ich geführt habe.
Sie übernehmen eine Sendung, die in den vergangenen Jahren stetig an Publikum verloren hat. Wechseln Sie nicht zu einem Format, das seinen Zenit überschritten hat?
Nein, sonst hätte ich diesen Job nicht angenommen. Die "Arena" ist ein Erfolgmodell. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Aber vielleicht kann man sie noch näher ans Publikum bringen, sie noch dynamischer machen.
Was macht Sie da so sicher?
Es ist doch klar, wir brauchen einmal pro Woche eine heisse, grosse Diskussionsrunde über Themen, welche die Leute bewegen. Das kann nicht die intime Runde sein wie der "Club", das kann nicht ein Magazin mit einem Gast sein wie die "Rundschau", und auch nicht ein Format wie Anne Will mit fünf oder sechs Gästen, sondern eben nur die "Arena". Um erfolgreich zu sein, muss die Sendung möglichst genau dasjenige Thema und diejenigen Gäste aufnehmen, die zu diskutieren geben.
Krankt die "Arena", weil in der Politik heute die grossen Persönlichkeiten fehlen?
Nein, überhaupt nicht. Man klammert sich zu sehr fest an Überliefertem wie etwa Bodenmann gegen Blocher. Das ist falsch. Es gibt heute zahlreiche spannende, neu gewählte Personen im Parlament -- die gilt es aber erst zu entdecken. Man muss den jungen Politikern nur die Chance geben, sich zu präsentieren.
Sie wollen also quasi neue Politstars heranzüchten?
Der Begriff Star ist falsch. Es geht ja nicht darum, dass die Personen Glamour ausstrahlen, sondern es geht um den Inhalt. Dieser wird aber mit Personen, die eine Portion Charisma besitzen, besser transportiert.
Sie sagen, es fehlt der Politik nicht an interessanten Köpfen -- und auch nicht an den Themen. Haben folglich ihre Vorgänger ihren Job schlecht gemacht?
Schauen Sie, die "Arena" ist fünfzehn Jahre alt. Da kann etwas frischer Wind nicht schaden. Andrerseits: man sagt, es seien zu oft die gleichen Köpfe in der Runde. Diese Kritik ist so alt wie die Sendung. In der Politik findet ständig Erneuerung statt. Bei der SVP ist nicht mehr Ueli Maurer am Ruder, sondern Toni Brunner. Und auf der anderen Seite, bei der SP, ist nicht mehr Jürg Fehr, sondern Christian Levrat Präsident. Zudem gibt es viele junge neue Nationalräte. Das ist doch ein wunderbares neues Spektrum.
Viele vermissen in der Sendung schmerzlich die Konfrontationen der Neunziger Jahre. Hat man in den vergangenen Jahren nicht viel zu wenig die Kontroverse gesucht?
Ich werde die Konfrontation suchen -- in der Überzeugung, dass es der Sendung gut tut, wenn man die Leute aus der Reserve lockt und sie zu pointierten Aussagen bringt. Das heisst aber nicht, dass es in der Sendung stets Krach geben muss. Vielmehr muss es eine engagierte Debatte geben, die aber der Sache auch auf den Grund geht. Die Zuschauer müssen verbindliche Antworten erhalten.
Die "Arena" wird erneut einem Relaunch unterzogen. Was wird sich konkret ändern?
Wir müssen zwei Dinge auseinanderhalten: Ich übernehme die Sendung bereits im April. Der Relaunch der Sendung ist erst auf Ende August geplant. Vorher passiert wenig. Wir werden in den Monaten vor der Sommerpause jedoch einige neue Elemente ausprobieren -- etwa die innere Runde etwas flexibler gestalten, z.B. die Hauptgegner auch mal auf zwei, drei Personen beschränken. Alles andere ist ziemlich offen.
Sie werden doch mit konkreten Vorstellungen zur "Arena" kommen.
Die Flexibilisierung habe ich schon erwähnt. Dadurch können wir besser auf die politischen Konstellationen reagieren. Zweitens überlegen wir uns, ob wir mit Einspielern, etwa alten Aussagen, die Politiker bereits gemacht haben, die Runde beleben wollen. Denkbar ist auch, dass wir die Meinung des Volkes in die Sendung zu integrieren versuchen. Wir befinden uns aber, wie gesagt, erst in einer Konzeptionsphase.
Die Einbindung der Zuschauer in Politsendungen hat bislang beim Schweizer Fernsehen überhaupt nicht funktioniert.
Das stimmt nur sehr bedingt und kann sich ändern. Aber grundsätzlich soll der Zuschauer die Sendung geniessen und die redaktionelle Arbeit ist unser Job.
In der Vergangenheit haben die Parteien versucht, Einfluss auf die Themenwahl zu nehmen. Gibt es auch ähnliche Versuche, bei der Neugestaltung der "Arena" mitzureden? Binden Sie die Politik in die Neukonzeption der Sendung ein?
Wir werden Gespräche führen mit Politikern um herauszufinden, was sie an der heutigen "Arena" gut finden, und was nicht. Aber die Entscheidungen treffen wir. Ich spreche aber nicht nur mit Parlamentariern, sondern auch mit Zuschauern und Journalisten -- und zum Beispiel auch mit meiner Schwiegermutter.
Abschlussfrage: Der frühere "Arena"-Moderator Filippo Leutenegger trat nach seinem Job beim SF der FDP bei. Von welcher Partei fühlen Sie sich eigentlich angezogen?
Ich ziehe meine Kleider schon selber an
Sie sagten einmal, Sie seien grün.
Ja, aber ich sagte, dass sei ja heute auch der Ueli Giezendanner. Dies weil ich der Überzeugung bin, dass alle Menschen ein ökologisches Herz haben. Nur die Rezepte sind unterschiedlich. Mehr will ich aber zu meiner politischen Position nicht sagen.
(Interview: David Vonplon)

