15.02.2016

Zürcher Zeitungskrieg

Jean Ziegler stellt sich weiterhin hinter Marcel Gyr

Der Genfer Soziologieprofessor unterstützt die These von NZZ-Journalist Marcel Gyr, wonach es einen Geheimdeal zwischen der PLO und der Schweiz gegeben hat, auch weiterhin. Die SoZ berichtete in der aktuellen Ausgabe der 81-Jährige rudere nun zurück. Ein «Missverständnis» wie Ziegler sagt. Chefredaktor Arthur Rutishauser hält an seiner Version fest.
Zürcher Zeitungskrieg: Jean Ziegler stellt sich weiterhin hinter Marcel Gyr
von Matthias Ackeret

Der Genfer Soziologieprofessor und Alt-SP-Nationalrat Jean Ziegler stellt sich weiterhin hinter die These des Buches «Schweizer Terrorjahre» des NZZ-Journalisten Marcel Gyr, wonach es einen Geheimdeal zwischen der Schweiz und der PLO zur Verhinderung weiterer Terroranschläge gegeben habe (persoenlich.com berichtete). Dies erklärte Ziegler gegenüber persoenlich.com. Die «Sonntagszeitung» berichtete in ihrer aktuellen Ausgabe, Ziegler rudere als einer der Hauptzeugen von Gyrs These zurück, da er nichts von diesem «Deal» wisse.

Gemäss Ziegler liege ein «Missverständnis» zwischen der «Sonntagszeitung» und ihm vor. Er sei im Gespräch mit Chefredaktor Arthur Rutishauser, der den Text verfasst habe, keineswegs zurückgerudert oder habe gar Gyrs These widerrufen. Er habe dem Chefredaktor nur gesagt, dass er keine konkreten Beweise für die Existenz eines solchen Geheimabkommen habe, aber davon ausgehe, dass es ein solches gegeben hat. Diese Aussage wiederhole er seit drei Wochen im gleichen Wortlaut.

Lob für Gyr

Die Indizienlage ist für Ziegler klar. Zum einen habe er dem damaligen Aussenminister Pierre Graber bei der Kontaktaufnahme mit den Palästinensern geholfen, zum andern seien die Strafuntersuchungen wegen dem Flugzeugabsturz in Würenlingen ohne weitere Begründungen abrupt eingestellt worden. So sei nie ein Haftbefehl gegen die mutmasslichen Täter erhoben worden, was für die Opfer des Flugzeugabsturzes ein Debakel sei.

Warum ihn die «Sonntagszeitung» missverständlich zitiert habe, weiss Ziegler nicht. Er lobt das Buch von Marcel Gyr weiterhin als «saugut», da es zur Klärung der Wirrnisse der Siebzigerjahre beitrage. Ziegler vermutet, dass er nun inmitten die Fronten des «Zürcher Zeitungskrieges» hineingeraten sei.

Arthur Rutishauser findet «zurückrudern» gerechtfertigt

«Tages-Anzeiger»-Chefredaktor Arthur Rutishauser kann mit dem Ausdruck «Zeitungskrieg» nichts anfangen, wie er gegenüber persoenlich.com erklärt. Es gehe bei der ganzen Debatte ausschliesslich um die Frage, ob es einen Geheimdeal mit der PLO gegeben habe oder nicht.

Rutishauser betont, dass er in seinem Artikel in der «Sonntagszeitung» lediglich daraufhin gewiesen habe, dass Jean Ziegler nichts Konkretes von der Existenz eines solchen Geheimdeals wisse. Vergleiche man diese Äusserung mit früheren, die Ziegler zu diesem Thema gemacht habe, und wie sie in der NZZ interpretiert wurden, so sei der Begriff «zurückrudern» gerechtfertigt. Zudem habe er in seinem Bericht erwähnt, dass Ziegler Gyrs Buch nach wie vor gut finde, weil er sich Aufklärung über die damaligen Vorfälle erhofft. «Das fände ich auch gut», sagt Rutishauser.

Bild: Keystone



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