10.03.2021

Tamedia

«Es gibt sexistische Aussagen, die untolerierbar sind»

Tamedia/SonntagsZeitung-Chefredaktor Arthur Rutishauser über den Protestbrief der Journalistinnen, die Kritik der Zürcher Kantonsratsfraktionen und das Dementi von Bundesrat Ueli Maurer.
Tamedia: «Es gibt sexistische Aussagen, die untolerierbar sind»
Arthur Rutishauser ist Chefredaktor Tamedia/SonntagsZeitung und Mitglied der Geschäftsleitung von Tamedia. (Bild: Tages-Anzeiger/Urs Jaudas)
von Matthias Ackeret

Herr Rutishauser, momentan steht der Tages-Anzeiger massiv in der Kritik. 78 Tamedia-Journalistinnen protestieren gegen die Arbeitsbedingungen, die Zürcher Kantonsratsfraktionen kritisieren Ihre Berichterstattung zum Unispital und Bundesrat Ueli Maurer dementiert einen Bericht zur Restaurantöffnung. Welcher Kritikpunkt störte Sie am meisten?
Die Kritik der Journalistinnen an den Arbeitsbedingungen. Im offenen Brief werden sexistische Aussagen zitiert, die absolut untolerierbar sind und wofür ich mich auch bei den Betroffenen entschuldigen möchte. Die Vorwürfe, die mir so nicht bekannt waren, werden jetzt intern untersucht. Was Maurer und Maisano anbetrifft, sind wir als Journalisten gewohnt, dass es nach harter Kritik harte Reaktionen gibt. Da zählen einfach die Fakten.

Der Protestbrief Ihrer Journalistinnen stiess auf grosses mediales Echo, unter anderem am Montag im «10vor10». Ist dies gerechtfertigt?
Diskriminierung von Frauen im Arbeitsleben ist ein grosses Thema, auch bei den Medien. Darüber hat «10vor10» fair berichtet.


Wie haben Ihre Journalisten auf diesen Brief reagiert?
Es gibt absolut Konsens darüber, dass sexistische Bemerkungen in den Redaktionen nichts zu suchen haben. Das ist auch die Haltung der männlichen Journalisten.

78 von wie vielen Frauen insgesamt, die bei Tamedia arbeiten, haben eigentlich unterschrieben?
Das entspricht rund 12 Prozent aller Mitarbeiterinnen bei Tamedia, inklusive Druckzentren.

Nun haben Sie mit Claudia Blumer eine Vertrauensperson eingesetzt, die sich den ganzen Vorwürfen annehmen soll (persoenlich.com berichtete). Wie läuft diese Untersuchung ab?
Das wird jetzt definiert. Es geht sowohl um die konkreten Vorwürfe wie auch um die atmosphärischen Defizite. An der konkreten Umsetzung arbeiten wir aktuell mit Claudia Blumer.

Bei den anderen Kritikpunkten wird Ihre Berichterstattung in Frage gestellt. Haben Sie von Ihrer Seite Fehler gemacht und wenn ja, welche?
Das glaube ich nicht. Jedenfalls keine grösseren.

Ist die Betroffenheit bei den Betroffenen wegen Corona grösser geworden?
Es fehlt neben den dauernden Videokonferenzen das direkte Gespräch, wo man auch mal Dampf ablassen kann. Das merkt man schon.

Hatten Sie bereits eine Aussprache mit Herrn Maurer oder dem Herzchirurgen Francesco Maisano?
Nein, aber ich bin natürlich offen. Wir stehen aber, wie gesagt, zu unserer Berichterstattung. Heute ist übrigens auch der Untersuchungsbericht des Universitätsspitals zum Fall Maisano bekannt geworden. Der bestätigt weitgehend unsere Sicht betreffend Maisano wie auch gegenüber dem Whistleblower.

Wird es aufgrund der öffentlichen Kritik, die in den letzten Tagen geäussert wurde, innerhalb der Redaktionsstrukturen Veränderungen geben?
Wir haben das Ziel, mehr Frauen zu beschäftigen und auch mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen.

Nun sind wir seit genau einem Jahr im Ausnahmezustand. Was hat sich für Sie als profilierten Journalisten neben der ganzen Digitalisierung in den vergangen 12 Monaten am meisten verändert?
Es fehlt der direkte Austausch, sowohl intern auf den Redaktionen als auch extern mit den Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern von Politik und Wirtschaft. Dafür haben wir gelernt, dass man von überall arbeiten kann, und das ist manchmal ganz schön praktisch.

 



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Kommentare

  • Victor Brunner, 10.03.2021 18:19 Uhr
    Liebe Frau Steinmann, das ist doch das übliche unbeholfene Gejammer, wir armen Frauen, die bösen Männer. Lesen sie den Brief noch einmal, Anschuldigungen die nicht belegt sind.Wenn Frauen beschuldigen, sollten sie auch fairerweise auch beweisen, oder mit den Übeltäter sprechen, nichts dergleichen. Vielleicht gehen sie nochmals über die Bücher und verlangen von ihren Frauen das gleiche wie sie von den Männer fordern, Anstand und Respekt.
  • Sara Steinmann, 10.03.2021 12:45 Uhr
    Lieber Herr Brunner, mit Ihrem Kommentar hauen Sie direkt in die gleiche Kerbe. Warum schützen Sie die Täter und nehmen die Opfer nicht ernst? Genau so, wie es offenbar bei Tamedia zu- und hergeht, werden hier Aussagen verniedlicht und nicht ernst genommen. Man wird doch noch ein Kompliment machen dürfen, war doch nur nett gemeint... Diese strukturelle Unterdrückung von Frauen geht mir langsam so was von auf die Nerven. Sie sind Ihr Leben lang schon in einer privilegierten Position (sind Sie sich dessen überhaupt bewusst?). Den Brief als «eher peinlich» abzutun und als «feministische Hysterie» zu bezeichnen, finde ich völlig daneben. Wovor haben die Männer Angst (nicht alle, natürlich!)? Dass ihnen ihre Privilegien, die sie seit Geburt einfach haben und schon immer hatten, abhanden kommen? Ich weiss nicht, wie es sich anfühlt, als weisser Mann durchs Leben zu gehen. Wissen Sie, wie sich die betroffenen Journalistinnen bei Tamedia fühlen? Auf diese Art und Weise die Opfer so zu denunzieren und die Täter zu verteidigen (ein strukturelles und leider allzu toleriertes Verhalten übrigens) und die Frauen als nichtig und als nicht ernstzunehmend darzustellen, finde ich wie gesagt total daneben. Ich gehe davon aus, dass ein Mann sehr wohl unterscheiden kann zwischen sexistischen Sprüchen und herablassenden Bemerkungen UND einer freundlichen Frage, wie es einem geht. Ich hoffe, dass Sie Ihre Haltung noch einmal überdenken und sich vielleicht auch in Ihrem Alltag mal darauf achten, wie privilegiert Sie sind. Dass Ihnen vielleicht Frauen Platz machen, wenn Sie Ihnen auf dem Trottoir entgegenkommen oder vielleicht aufhören zu reden, weil Sie das Wort ergreifen. Es sind die kleinen Dinge im Leben... Winzige Zeichen, die zeigen, dass echte Gleichstellung eben noch lange nicht erreicht ist.
  • Victor Brunner, 10.03.2021 08:09 Uhr
    Komisch, Dr. Arthur Rutishauser seit 2010 in Führungspositionen bei TA Media spielt den Ahnungslosen, springt noch rasch auf den ganzen Wahnsin auf um seine Haut zu retten. Der Brief der Frauen ist eher peinlich, viele Anschuldigungen, keine wirklichen Fact & Figures, bekanntere Journalistinnen haben gar nicht unterschrieben. Warum, geht ihnen die feministische Hysterie zu weit? Die Führung von TA Media ist gut beraten wenn sie die Vorwürfe untersucht, nachfragt "wer hat was" und dann Entscheide fällt. Was nicht belegt ist gehört in den Papierkorb. Den Männern bei TA Media ist vorerst empfohlen, bei Begegnungen mit Frauen den Blick auf den Boden, keine Komplimente machen oder fragen "hast Du gut geschlafen", bist du gut drauf", oder bei Home-Office "bist Du drin" (in der Datei). Ein guter Teil der Vorwürfe dürfte reines Mobbing gegen Männer sein!
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