Berichte, wie sie sich in der letzten Woche gehäuft haben, sind beim Verein Junge Journalistinnen und Journalisten Schweiz (JJS) «ein ständiges Thema», da Mobbing und Sexismus Berufseinsteigerinnen und Praktikanten besonders stark betreffen können. So ist es für Junge sowie Einsteigerinnen und Einsteiger besonders schwierig, gegen redaktionelle Machtgefüge aufzustehen und Missstände innerhalb eines Teams anzusprechen – erst recht, wenn sie selbst betroffen sind. «Wie will jemand, der oder die innerhalb der Redaktion noch wenig Fuss gefasst hat, etablierte Journalistinnen und Journalisten infrage stellen – vor allem wenn, wie der Fall Canonica zeigt, zurzeit nicht einmal gestandene Redaktionsmitglieder gegen solchen Machtmissbrauch ankommen? Auch, weil sie offenbar nicht ernst genommen wurden», heisst es in einer JJS-Mitteilung.
Der Fall beim Magazin zeige klar, wie diese vulnerable Situation ausgenutzt werden könne. «Wer würde schon eine Stelle oder ein Praktikum beim Magazin ablehnen? Dass man dafür einiges aushalten muss, ist in der vorherrschenden Arbeitskultur noch immer viel zu selbstverständlich. Das muss sich ändern», heisst es weiter. Der JJS hat Vorschläge, wie dies ändern könnte: Mit entsprechender Ausbildung für Führungskräfte, einem offenen Dialog über psychische Gesundheit, Weiterbildungen und internen oder externen Anlaufstellen.
«Es ist wichtig, dass nicht geschwiegen wird, wenn Junge solche Erfahrungen machen. Sie dürfen nicht alleingelassen werden. Mobbing und Sexismus haben keinen Platz in unserer Branche», schreibt der Verein JJS. Redaktionen und Führungskräfte müssten eine Arbeitskultur schaffen, in der sich alle und insbesondere junge Medienschaffende sicher fühlen können, übergriffiges Verhalten anzuzeigen. Das Problem sei struktureller Natur, und die Verantwortung zum Umgang damit dürfe nicht auf den Schultern der Betroffenen lasten. Es liege an jeder Person und vor allem an den Führungskräften in Redaktionen und Verlagen, anzuerkennen, «dass unsere Branche ein Problem mit Sexismus hat und etwas dagegen unternommen werden muss».
JJS solidarisiere sich mit den Betroffenen und rät jungen Medienschaffenden laut Mitteilung, sich bei Fragen, Unsicherheiten oder Erlebnissen von Mobbing und Sexismus an die Berufsverbände SSM, Syndicom oder Impressum zu wenden. «Zudem möchten wir diejenigen ermutigen, die entsprechende Recherchen bereits im Schreibtisch liegen haben, diese Geschichten auch zu veröffentlichen. Ihr seht, dass es geht», heisst es im vom Co-Präsidium Simona Boscardin und Simon Schaffer gezeichneten Schreiben. (pd/cbe)

