28.02.2026

Somedia

Kein Leserbrief für Bundesparlamentarier

SP-Nationalrat Jon Pult ist mit einem Leserbrief zur SRG-Initiative bei der Südostschweiz abgeblitzt – und hat den Fall öffentlich gemacht. Chefredaktionsleiter Joachim Braun verteidigte die Praxis: Mandatsträger hätten genug andere Möglichkeiten, sich zu äussern.
Somedia: Kein Leserbrief für Bundesparlamentarier
Wollte in der Südostschweiz einen Leserbrief publizieren: der Bündner SP-Nationalrat Jon Pult. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Der Bündner Nationalrat Jon Pult hatte seinen Leserbrief als Reaktion auf Aussagen von SVP-Nationalrat Roman Hug und SVP-Grossrat Jan Koch eingereicht, die am 24. Februar 2026 in der Südostschweiz zur SRG-Initiative zitiert worden waren. Pult argumentierte, die SVP-Politiker verharmlosten die Folgen einer Halbierung des SRG-Budgets für Graubünden und insbesondere für RTR und das rätoromanische Kulturschaffen.

Laut Pult lehnte die Redaktion seinen Leserbrief mit der Begründung ab, er habe als Nationalrat «ganz andere Möglichkeiten», sich öffentlich zu äussern – die Leserbriefseite sei für «normale Bürgerinnen und Bürger» vorbehalten. Den abgelehnten Leserbrief veröffentlichte Pult daraufhin selbst in den sozialen Medien. 

Nicht erst seit dieser Abstimmung

Pult bezeichnete die Praxis in den Kommentaren zum Facebook-Post als «publizistisch falsch», akzeptierte sie aber als legitime Entscheidung der Redaktion. Joachim Braun, Leiter Chefredaktion der Südostschweiz, bestätigte am Freitag unter dem Post die Praxis und präzisierte, sie gelte bei allen Bundesparlamentarierinnen und -parlamentariern und sei nicht erst anlässlich der aktuellen Abstimmung eingeführt worden. 

Braun warf Pult zudem vor, in seinem Post einen relevanten Hinweis unterschlagen zu haben: Die Südostschweiz habe die Frage zur Zukunft von RTR, RSI und Regionalstudio SRF bereits in einem noch nicht publizierten Interview mit RTR-Direktor Nicolas Pernet gestellt. Pult widersprach: Er habe den Leserbrief eingereicht, bevor er von diesem Interview gewusst habe.

Pult erklärte in den Kommentaren zudem, dass die sieben Bündner Bundesparlamentsabgeordneten tatsächlich eine gemeinsame Kolumne «Berner Politik» nutzten, die wöchentlich erscheine – Hug sei diese Woche an der Reihe gewesen. Sein Kritikpunkt sei vielmehr, dass Mandatsträger «mit der neuen Redaktionsleitung nicht mehr spontan per Leserbrief auf Publikationen der Zeitung reagieren» könnten – eine Praxis, die früher möglich gewesen sei. (cbe)


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KOMMENTARE

Claude Bürki
02.03.2026 05:53 Uhr
Gut so -- Pult am Rednerpult in Bern reicht.