29.10.2019

Von der SRG zu Ringier

«Kopf und Bauch sagen: Do it!»

Bei «No Billag» galt sie als Hoffnungsträgerin und Trumpf der SRG: Nun wechselt die stellvertretende SRG-Direktorin in die Privatwirtschaft. Wie kam es dazu? Ladina Heimgartner spricht über die Gründe für den überraschenden Wechsel zu Ringier.
Von der SRG zu Ringier: «Kopf und Bauch sagen: Do it!»
Nächstes Jahr werde sie 40 Jahre alt, und sie habe Lust auf einen Wechsel: Ladina Heimgartner. (Bild: Nicola Pitaro).
von Edith Hollenstein

Frau Heimgartner, herzliche Gratulation. Wie kamen Sie zu diesem neuen Job: Ging die Initiative von Ihnen aus? Oder von Ringier?
Im Rahmen eines Austauschs über ganz andere Themen führte das eine zum anderen. Allmählich zeigte sich, dass sich hier etwas Interessantes ergeben könnte. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Sie hätten auch SRF-Direktorin werden können, doch Sie nahmen sich selber aus dem Rennen, mit der Begründung, Sie seien mit dem aktuellen Job zufrieden. Nun wechseln Sie trotzdem. Warum änderte sich das in so kurzer Zeit?
Um eines klarzustellen: Ich bin nach wie vor der Ansicht, ich habe bei der SRG einen tollen Job! Die Entscheidung, mich für die SRF-Direktion selbst aus dem Rennen zu nehmen, war damals, vor anderthalb Jahren, ein Bauchentscheid, vom Kopf bestätigt. Das war einfach nicht mein Weg. Nun tut sich eine neue Herausforderung auf und hier sagen Kopf und Bauch: Do it!  

Sie sagten in einem früheren persoenlich.com-Interview, im Berufsleben sollte eine Frau «auf freundliche Art unnachgiebig sein». War dies in diesem Job-Vergabe-Prozess nötig?
Auf freundliche Art unnachgiebig zu sein, ist nie verkehrt und entspricht eigentlich generell meinem Naturell. In diesem Job-Vergabe-Prozess waren die Ideen sehr rasch sehr nahe beieinander. Sicher ein weiterer Grund, der zum Entscheid führte.

«Ringier ist eine spannende Firma»

Warum passt Ringier als Unternehmen so gut zu Ihnen?
Ringier ist ein wichtiges traditionell-schweizerisches Medienhaus, das international tätig, dynamisch und mutig unterwegs ist. Im Bereich der digitalen Transformation setzt Ringier europaweit Massstäbe. Zudem investiert Ringier in Journalismus – wie sich am Beispiel Blick TV zeigt. Kurz: Ringier ist eine spannende Firma.

Sie sind verantwortlich für Corporate Services und auch für die interne und externe Kommunikation. Floskeln oder maximale Transparenz: Nach welchen Leitsätzen werden Sie den Bereich Kommunikation organisieren?
Aktuell bin ich ja noch in der SRG, über die Aufgaben bei Ringier berichte ich gerne, wenn ich mich dort eingearbeitet habe. Was aber Kommunikation allgemein angeht, so entspricht es schon meiner Überzeugung, die jeweils maximal mögliche Transparenz anzustreben.

Beim Abstimmungskampf um «No Billag» waren Sie eine zentrale Symbolfigur. Sie haben für den Service public und eine grosse und starke SRG gekämpft. Wie kämpfen Sie weiterhin für dieses Anliegen?
Ich bin natürlich nach wie vor der Ansicht, dass ein starker Service public gut und wichtig ist für die Schweiz, und dass es daneben aber auch starke private Medienhäuser braucht. Im Idealfall gelingt es, Allianzen zwischen privaten und öffentlichen Schweizer Medienhäusern zu bilden, um im Win-win-Modus Antworten auf die Dominanz der globalen Tech-Giganten zu finden, die sowohl im Angebot wie auch im Werbemarkt praktisch «gratis» zu viel aus dem Schweizer Markt abschöpfen. Die Login-Allianz ist ein solches Beispiel.

Wenn nun der «Trumpf der SRG» oder die «Hoffnungsträgerin» die SRG verlässt: Was ist das für ein Zeichen gegen innen, in Richtung der Belegschaft?
Das sind beides Bezeichnungen aus den Medien, die noch aus der «No Billag»-Phase stammen, als die Abschaffung der SRG auf dem Spiel stand. Die SRG steht aber heute auf sehr soliden Füssen, ist eine sehr attraktive Arbeitgeberin und kann auf eine hochmotivierte, kreative, engagierte und kompetente Belegschaft zählen. Diese macht Tag für Tag ein tolles Programm und kann auf ein treues Publikum zählen. Das sind die wahren Trümpfe.

«Mich drücken ist nicht meine Art»

Die SRG muss im grossen Stil sparen. Es könnte auch sein, dass Sie sich vor unangenehmen Entscheidungen drücken wollen?
Die SRG hat, wie andere Medienhäuser auch, ein finanzielles Problem im Bereich der Werbeeinnahmen und ist so zu einer weiteren Sparübung gezwungen. Dennoch sind 75 bis 80 Prozent der Einnahmen auf Gebührenseite gesichert, was wiederum die wenigsten Firmen von sich sagen können. Das Schiff durchquert wohl eine raue See, vor anderthalb Jahren – vor der «No Billag»-Abstimmung – war da jedoch ein Eisberg, der das Schiff zum Sinken hätte bringen können. Da habe ich – würde ich meinen – wacker mitgerudert. Mich drücken ist nicht meine Art und was die Sparmassnahmen angeht: Zusammen mit meiner Direktion in Chur haben wir unsere Hausaufgaben gemacht.

Bei der SRG haben Sie letztes Jahr das Frauennetzwerk «Idee femme» gegründet. Wer führt das nun an Ihrer Stelle weiter?
«Idée femme» ist ja nicht nur mein Werk, sondern ein Gemeinschaftsprojekt der aktuell zehn Frauen im SRG-Topmanagement. Diese Gruppe wird das Netzwerk weiterführen. Zudem haben wir eben erst ein neues Diversity-Board gegründet. Diversität und Gleichstellung sind wichtige Ziele der SRG – mit oder ohne meiner Person. 

Und was möchten Sie sonst noch unbedingt zu Ende bringen, bevor Sie im Frühling in Zürich starten?
Ich erarbeite alle wichtigen Aufgaben und Projekte im Team. Mein Wissen teile ich immer mit anderen, meine Ablage ist in der Regel auch recht ordentlich. Ich will selbst kein Klumpenrisiko sein. Entsprechend werde ich die laufenden Geschäfte auf RTR- und SRG-Ebene einfach sauber abschliessen, damit meine Nachfolge möglichst hürdenfrei loslegen kann.  

 



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