Der 1938 im Zürcher Oberland geborene Siegenthaler begann seine Laufbahn in den Medien als Zeitungsjournalist beim Wynentaler Blatt und beim Badener Tagblatt, bevor er 1974 zur «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens stiess. Von 1980 bis 1985 leitete er deren Inlandredaktion, ab 1990 stand er der Bundeshausredaktion vor – ein Amt, das er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 innehatte. Sein Nachfolger wurde Diego Yanez.
Ins Bewusstsein eines breiten Publikums drang «Sigi», wie ihn seine Kollegen nannten, mit prägnanten Kommentaren und scharfsinnigen Analysen. Wie die Basler Zeitung in einem Porträt schrieb, trug er seine Analysen in «unverwechselbarer, energiegeladener Manier» vor – «eine Mischung von Neugierde, Humor und auch ein wenig List in den Augen». Der damalige SF-Chefredaktor Filippo Leutenegger würdigte ihn mit den Worten: «Keiner kennt sich vor und hinter den Kulissen der Politik so gut aus wie er.»
Jean-Martin Büttner zeichnete ihn anlässlich seiner Pensionierung im Tages-Anzeiger als «Feinmechaniker der Politik». Die Prozesse politischer Arbeit galten ihm stets mehr als das «Meinungsdesign der Einflüsterer im Bundeshaus». Vizekanzler Achille Casanova lobte sein Talent, «auch komplizierte Sachverhalte verständlich darzustellen» – und fügte an, Siegenthaler habe «viel mehr gewusst, als er sagte». Büttner bescheinigte ihm zudem eine «nicht angriffige, aber auch nicht unkritische Haltung» gegenüber der Politik.
Siegenthaler selbst erklärte rückblickend, er habe stets versucht, gegenüber allen Parteien kritisch zu bleiben – obwohl er bekannte: «Ich denke tatsächlich, dass der Bundesrat fortschrittlicher politisiert, als das Parlament will und das Volk denkt.»
Nach der Pensionierung arbeitete Siegenthaler noch mit kleinem Pensum als freier Mitarbeiter für SF DRS und verfasste ab 2003 eine Kolumne im «Thuner Tagblatt». An seinem Wohnort in Oberhofen am Thunersee pflegte er zudem Reben als Winzer – ein Hobby, das er laut Giacobbo schon lange vor der Pensionierung gehegt hatte. Die letzten Lebensjahre waren laut Traueranzeige von Krankheit überschattet, die er nach Angaben der Familie mit «Ruhe und Gelassenheit» ertrug. (nil)


