Bereits Ende Juli wähnte sich Marcello Foa als neuen RAI-Präsidenten (persoenlich.com berichtete). Doch wenige Tage später musste der schweizerisch-italienische Doppelbürger mitansehen, wie ihm die Opposition aus Forza Italia und Sozialdemokraten ihre Stimmen verweigerte, und er nicht die nötige Zweidrittelmehrheit hinter sich bringen konnte. Als zu Lega-nah, wurde er damals von der Opposition bezeichnet.
Nun konnte er Berlusconis Forza Italia doch noch von sich überzeugen. Diese Stimmen hätten wohl einen Preis, meint Radio-SRF-Italien-Korrespondent Franco Battel im «Echo der Zeit». Die neue Regierung und insbesondere die Fünfsterne-Bewegung hatten im Wahlkampf angekündigt, offensiv gegen Berlusconis Medienimperium vorzugehen. Möglich, dass der angesprochene «Preis» eine Abschwächung oder Aufhebung dieser Ankündigung sei.
Foa schrieb bis vor Kurzem einen eigenen Blog, in dem er seine politische Gesinnung nicht verbarg: Immer wieder fiel er mit rechtspoupulistischen, euroskeptischen oder schwulenfeindlichen Voten auf – auch Falschmeldungen sollen dabei gewesen sein. «Ein Rechtskonservativer, der schnell mal zum publizistischen Zweihänder greift und noch eins draufgibt», so Battel.
Trotz einem grossen privaten Mediensektor spielt die RAI mit ihren drei abendlichen Nachrichtensendungen in Italien eine wichtige Rolle. Foa, der bei der «Corriere del Ticino»-Gruppe 300 Mitarbeiter leitete, dirigiert nun deren 13'000 beim italienischen Staatssender. Für Radio SRF bedeutet dies, dass die populistische Regierung auch bei den Medien die Weichen neu stellt. (maw)