08.01.2020

Dreikönigstagung 2020

Medien müssen ihren Nutzen für Leser erhöhen

Die Qualität sei für Medien überlebenswichtig, sagte VSM-Präsident Pietro Supino in seiner Neujahrsrede im Aura. Kurzfristig priorisiert der Verlegerverband den Ausbau der indirekten Presseförderung, langfristig die Förderung der Medienkompetenz.
Dreikönigstagung 2020: Medien müssen ihren Nutzen für Leser erhöhen
Verlegerpräsident Pietro Supino an der Dreikönigstagung vom 8. Januar 2020 im Zürcher Aura. (Bild: Usgang.ch/April-Jay Buenviaje)

In Zeiten eines Überangebots an Medien wird die Qualität nach den Worten von Verlegerpräsident Pietro Supino überlebenswichtig. Die Medien müssten besser und professioneller werden, als sie es in der Vergangenheit gewesen seien.

Es gelte, noch konsequenter zwischen Berichterstattung und Meinung zu trennen, sagte Supino am Mittwoch an der Dreikönigstagung des Verbandes Schweizer Medien (VSM) in Zürich. Die Medien müssten den Nutzwert für die Leserschaft erhöhen, indem sie darstellten, was institutionelle Nachrichten konkret für sie bedeuteten.

Medien müssen Mehrwerte schaffen

«Wir müssen eigenständiger auswählen, tiefer bohren und unterschiedlichen Gesichtspunkten mehr Raum geben», sagte Supino weiter. Die Konzentration auf echte Mehrwerte, die Nutzung neuer Technologien und die Fähigkeit zu Kooperationen seien Voraussetzung dafür, dass die Bezahlmedien überleben könnten.

Dabei stelle die digitale Transformation des Abo-Modells die grösste geschäftliche Herausforderung des neuen Jahrzehnts dar. Die Preise für digitale Abonnements lägen um die Hälfte bis zwei Drittel tiefer als die bestehenden Print- und kombinierten Online-/Print-Abos. Der Werbemarkt werde unter Druck bleiben.

Dramatischer Preiszerfall

Unter der optimistischen Annahme, dass die digitale Transformation gelinge, dürften die Einnahmen der traditionellen Medienmarken im nächsten Jahrzehnt im gleichen Umfang wie die Preise zurückgehen. Das sei dramatisch.

Der Balance-Akt zwischen inhaltlicher Arbeit und Kostenmanagement werde im neuen Jahrzehnt noch anspruchsvoller. Steigende Erträge im digitalen Geschäft vermöchten die Rückgänge im Print bei weitem nicht zu kompensieren. Bemerkenswert sei, dass das Medienangebot in der Schweiz trotz dieser dramatischen Entwicklung hervorragend bleibe, sagte der Verlegerpräsident.

Digitale Revolution

Bei der Technologisierung stehe der Durchbruch wohl erst noch bevor. Die Stichworte seien hier Automatisierung im Journalismus, Interaktion Computer – Mensch sowie das weite Feld der Datenanalyse. Über den Datenjournalismus hinaus würden Nutzerdaten helfen, die Angebote besser auf deren Interessen und Bedürfnisse auszurichten.

Der Aufbau der digitalen Kompetenz erfordere hohe Investitionen. Zugleich blieben die grossen Kostenblöcke insbesondere im Vertrieb gedruckter Zeitungen bestehen. Vor diesem Hintergrund hält Supino es für dringend notwendig, die indirekte Presseförderung unter Einschluss der Frühzustellung auszubauen.

Aufstockung der Förderung dringend

«Ohne Ausbau der indirekten Förderung in den nächsten drei Jahren könnten ein Drittel der heutigen Zeitungstitel nicht überleben», sagte Supino. Daher habe der Verband in den letzten Monaten in Zusammenarbeit mit der Post und dem Bakom die technischen Grundlagen für den Einbezug der Frühzustellung in die Förderung erarbeitet. Vom UVEK spüre der Verband Unterstützung.

Der VSM werde sich in den nächsten Monaten dafür einsetzen, dass das Parlament die notwendigen gesetzlichen Grundlagen schaffe. Kurz- und mittelfristig geniesse dieses Dossier absolute Priorität im Verlegerverband.

Aufbau von Medienkompetenz

Langfristig bleibe die Förderung der Medienkompetenz das wichtigste Anliegen. Das Verständnis der nächsten Generation für Medienqualität werde das künftige Medienangebot bestimmen. Darum könne der Stellenwert der Medienkompetenz nicht hoch genug eingeschätzt werden. (sda/wid)



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Kommentare

  • Giuseppe Scaglione , 09.01.2020 09:37 Uhr
    «Ohne Ausbau der indirekten Förderung in den nächsten drei Jahren könnten ein Drittel der heutigen Zeitungstitel nicht überleben». Wenn es nicht mehr so rund läuft, jammert man und ruft nach Papa Staat. Wenn das jede Branche so handhaben würde... Ich bin strikt dagegen, dass der Steuerzahler - in welcher Form auch immer - private Medien wie Tages-Anzeiger, Blick, 20 Minuten etc. subventionieren soll! Kein Mensch hat jemals die Medienkonzerne gezwungen, bestimmte Medien zu betreiben. Und der oft zitierte Nutzen für Gesellschaft und Demokratie ist bei vielen Zeitungen/Medien gleich Null. So gesehen, werden wir es überleben, wenn 30% der heutigen Zeitungstitel verschwinden.
  • Ueli Custer, 09.01.2020 09:10 Uhr
    Eine typische Sonntagsrede. Die Medien müssten Meinung und Berichterstattung noch konsequenter trennen. Gleichzeitig wird immer mehr sog. "Sponored Content" publiziert, dessen Gestaltung einzig darauf ausgerichtet ist, den Leser über den kommerziellen Hintergrund zu täuschen. Damit schaufeln sich die Verlage das Grab für ihre gedruckten Ausgaben. Allen voran die TX-Group.
  • Victor Brunner, 08.01.2020 12:14 Uhr
    Supino sagt: "Medien müssen ihren Nutzen für Leser erhöhen!". Witzig gerade in seinem Verlagshaus wird der Nutzen für die LeserInnen reduziert! Zu shen am Niedergang der journalistischen Qualität beim TA. Kommt noch dNun will er auch noch mehr Presseförderungie copy-paste-Politik bei den Regionalzeitungen zwecks Gewimmnaximierung dazu! Da kann der Verlegerpräsident auch gleich sein Amt mit Markus Ritter vom Bauernberband im Jobsharing führen. Wenn Ideen, Kompetenz und Innovationen fehlen sollen SteuerzahlerInnen zum Handkuss kommen. Krasse Unverschämtzheit!
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