Medienpionier übt scharfe Kritik an SRF

Roger Schawinski - Die Chefetagen werden aufgebläht, gespart wird bei den Journalisten: Der 77-Jährige schiesst scharf gegen die heutige SRF-Führung. Wie Schawinski in einem Interview mit der SonntagsZeitung sagt, sei Schweizer Radio und Fernsehen auf keinem guten Weg.

Roger Schawinski übt scharfe Kritik an der heutigen SRF-Führung. «Das Unternehmen ist meiner Meinung nach auf keinem guten Weg», sagt er in einem Interview mit der SonntagsZeitung. «Ich rede viel mit SRF-Mitarbeitern. Die Stimmung ist miserabel, die Angst vor Jobverlust geht um und Kreatives wird unterdrückt.»

Die Chefetagen seien in den letzten Jahren aufgebläht worden, dafür habe man bei den Machern gespart. Deshalb gebe es beim SRF-Angebot auch kaum mehr Innovation. «Aus meiner Sicht fehlt der SRF-Führung vor allem die Liebe zum Produkt und zu den Mitarbeitern», so der 77-Jährige weiter. Aus seiner Sicht sei SRF «auf keinem guten Weg». Dennoch sei er gegen die SRG-Initiative «200 Franken sind genug».

Anlass für das SonntagsZeitungs-Interview ist das Aus seiner TV-Sendung «Schawinski – Der Talk» auf Blue Zoom (persoenlich.com berichtete). Es ist dies bereits das zweite Aus seiner Talkshow. SRF setzte «Schawinski» nach fast neun Jahren im Frühjahr 2020 ab. «Man muss nur schauen, durch wen ich ersetzt wurde. Heute muss alles möglichst soft sein», so Schawinskis Seitenhieb in Richtung Urs Gredig. Wenn er die Onlineabrufe seiner Talkshow anschaue, so seien diese meist höher als jene der SRF-Talkshow «Gredig direkt». Schawinski: «Zudem hatte ich mehr relevante Gäste aus dem gesellschaftspolitischen Bereich.»

Auf die Frage von SonntagsZeitungs-Redaktor Rico Bandle, ob es ihn auch gereizt hätte, eine Talkshow wie die SRF-«Arena» zu moderieren, sagt Schawinski: «Bei vier oder fünf Gästen das Wort herumgeben und dafür schauen, dass alle gleich viel reden, wäre keine echte Herausforderung für mich.» (pd/cbe)



Lesen Sie auch den Kommentar von Matthias Ackeret, Chefredaktor von persönlich und persoenlich.com.