Möglicher Mediendeal sorgt in Zürich für Ärger

Kauft Tamedia die BaZ? - Noch ist das Tauschgeschäft zwischen Tamedia und der «Basler Zeitung» nicht bestätigt, und doch gehen schon die Wogen hoch. Was, wenn der Herausgeber des städtischen Amtsblatts Christoph Blocher heisst? Der Zürcher Gemeinderat diskutierte am Mittwoch offenbar die Folgen.

von Michèle Widmer

Tamedia soll die «Basler Zeitung» übernehmen und dafür dem Besitzer Christoph Blocher das «Tagblatt der Stadt Zürich» überschreiben. Der mögliche Deal ist noch nicht einmal verkündet, schon regt sich Widerstand. Laut der «Aargauer Zeitung» diskutierte der Zürcher Gemeinderat am Mittwochabend über mögliche Folgen eines Besitzerwechsels des Titels, der zugleich das städtische Amtsblatt herausgibt.

Demnach wollten Jean-Daniel Strub (SP) und Andreas Kirstein (AL) vom Stadtrat wissen, unter welchen Voraussetzungen der Vertrag gekündigt werden könnte. «Für die Stadt Zürich ist zentral, dass die Vertragsbedingungen eingehalten werden», sagt Stadtschreiberin Claudia Cuche-Curti gegenüber der Zeitung. Dies beinhalte unter anderem, dass der redaktionelle Teil sachlich, politisch und journalistisch ausgewogen gestaltet werde und dass der amtliche Teil klar abgegrenzt sei.

Gerade erst hat das «Tagblatt» einen neuen Vertrag mit Tamedia ausgehandelt, gültig seit 1. Januar 2018 bis Ende 2022. Wie die «Wochenzeitung» in der aktuellen Ausgabe schreibt, würde der neue Vertrag Blocher die Übernahme «versüssen». Demnach wird die Berichterstattung des Blattes zwar von einem Publikationsausschuss überprüft, dieser bestehe aber anders als ursprünglich vorgesehen nicht mehrheitlich aus unabhängigen Experten, sondern in der Mehrheit aus dem Aktionariat der Zeitung. Damit könnte der SVP-Politiker die redaktionelle Linie stark verändern.

Kein Mitspracherecht bei Inseratekombinationen

Aus dem Vertrag herausgestrichen wurde laut WoZ zudem der Passus, wonach die Stadt ein Mitspracherecht bei Inseratekombinationen mit anderen Zeitungen und Zeitschriften hat. Nun wäre es Blocher also möglich, das «Tagblatt» an den Inseratepool der Zehnder-Medien und der Lokalinfo AG anzuschliessen. Im Sommer hatte Blocher den Zehnder Verlag mit seinen lokalen Wochenzeitungen gekauft (persoenlich.com berichtete).

Laut Jean-Daniel Strub wäre es «verheerend, wenn ein politisches Lager» das Gütesiegel Städtisches Amtsblatt «für seine politischen Zwecke nutzen könnte», sagt der Zürcher SP-Gemeinderat gegenüber der «Aargauer Zeitung». Ganz so einfach käme die Stadt wohl nicht aus dem Vertrag heraus. Ein Besitzerwechsel gebe der Stadt keine Handhabe, den laufenden Vertrag zu künden, sagt Cuche-Curti gegenüber der WoZ.

Impressum besorgt

Bereits vor der definitiven Bestätigung ruft der mögliche Deal zwischen der BaZ und Tamedia die Journalistenorganisation Impressum auf den Plan. Mit der Übernahme durch Tamedia drohe nun, dass die BaZ zum Kopfblatt der Tamedia-Zentralredaktion werde, was auf der Basler Redaktion etliche Arbeitsplätze kosten und die Informationsvielfalt weiter einschränken dürfte, schreibt sie in einer Mitteilung.

Erstmals aufs Tapet brachte den möglichen Deal die «Schweiz am Wochenende». Am vergangenen Samstag berichtete die Zeitung, die Spitze von Tamedia habe mit Christoph Blocher über einen Kauf der «Basler Zeitung» verhandelt (persoenlich.com berichtete). Am Montag soll Markus Somm, Chefredaktor der BaZ, bei seinem Rundgang durch die Redaktion dieses Gerücht bestätigt haben. Noch diese Woche soll die BaZ verkauft werden, so Somm. Dies hätten mehrere Redaktionsmitglieder bestätigt, berichtet das «Regionaljournal Basel» von Radio SRF am Dienstag.

Seitdem waren aus den Häusern Tamedia und BaZ keine Neuigkeiten zu hören. Am Mittwoch wurde allerdings BaZ-Verwaltungsrat Rolf Bollmann am Tamedia-Hauptsitz gesichtet. Ob er dabei die entsprechenden Verträge unterzeichnet hat, bleibt vorerst abzuwarten.