31.03.2025

Radio Top

«News sind heute kein Grund mehr, Radio zu hören»

Peter Döbeli, Geschäftsführer Top-Medien, zu den Gründen für den Neustart von Radio Top mit mehr Musik und weniger News. Auch das Logo ist neu. Nur der Name bleibt. «Es soll jedem sofort klar sein, dass Radio Top neu ist, dass wir uns weiterentwickelt haben», so Döbeli.
Radio Top: «News sind heute kein Grund mehr, Radio zu hören»
«Der Name Radio Top passt auch zu unserem künftigen Programm»: Peter Döbeli, Geschäftsführer Top-Medien. (Bild: zVg)

Peter Döbeli, was gab den Anstoss für den Neustart von Radio Top?
Wir sind als Radio Eulach vor 41 Jahren gestartet und wurden im Jahr 1998 zu Radio Top. Seit damals hat sich das Medienverhalten und auch die Erwartungshaltung des Publikums drastisch verändert. Wer für die Zukunft fit sein will, muss sich diesen Veränderungen anpassen.

In welchem Mass spielte die finanzielle Situation eine Rolle?
Jede unternehmerische Entscheidung sollte die finanzielle Lage des Unternehmens berücksichtigen. Von daher wäre es verantwortungslos, dies nicht zu berücksichtigen.

«Ich weiss, dass diese Entscheidung gerade bei Journalisten wenig Freude auslöst»

Die Nachrichten bezieht Radio Top fortan von CH Media. Verabschiedet sich Radio Top damit vom Lokaljournalismus?
Nein, natürlich nicht. Themen, die unserem Publikum unter den Nägeln brennen, werden wir im Rahmen der Moderation einfliessen lassen. Es ist erwiesen, dass die meisten Radio-Konsumenten bei den News aussteigen. Die News sind heute kein Grund mehr, Radio zu hören. Darum haben wir entschieden, in dem Bereich zu sparen, der unserem Publikum am wenigsten wichtig ist, damit wir an anderen Orten investieren können. Ich weiss, dass diese Entscheidung gerade bei Journalisten wenig Freude auslöst. Aber seit Millionenbeträge aus unserem Werbemarkt zu den US-Tech-Giganten abfliessen, befinden sich alle lokalen Medien im Überlebensmodus. Zudem bin ich der Meinung, dass der lokale Bezug sehr wichtig ist. Aber dieser Bezug muss sich vor allem in der Moderation widerspiegeln.

Wieso war es nicht möglich, zusammen mit Tele Top, das weiterhin aus der Region berichtet, eine Lösung für eigene Radionachrichten zu finden?
Ich zitiere unseren Redaktionsleiter Remo Müller: «Gute Radio-News kann man nicht nebenbei machen!» Damit ist Folgendes gemeint: Erstens produziert Tele Top eine News-Sendung pro Tag und hat somit einen völlig anderen Arbeitsrhythmus. Zweitens benötigt man ja dann doch wieder jemanden, der sich um die Themenauswahl und das Aufbereiten der Radio-News kümmert. Also funktioniert diese Möglichkeit nicht. Wir haben das auch intern diskutiert, und diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen.

Bei der Musik setzt Radio Top nach eigenen Angaben auf eine «fein abgestimmte Mischung, die genau das trifft, was die Region hören will». Wie klingt das genau?
Wir haben mittels Marktforschung in unserem Einzugsgebiet in Erfahrung gebracht, welche Musik am besten ankommt. Aufgrund dieser Ergebnisse haben wir uns für einen konservativeren Musikmix entschieden. Die 1980er- und 1990er-Jahre spielen dabei die Hauptrolle und werden ergänzt durch 2000er-Songs und handverlesene 1970er. Aufgrund dieser Auswahl haben wir dann mittels eines Musik-Testing noch die Songs evaluiert, die bei unserem Publikum am besten ankommen. Dabei spielt auch eine Rolle, ob die Zuhörenden den Song schon zu oft gehört haben. Also ob sie diese Musik überhaupt noch hören wollen. Wir sind hier sehr akribisch vorgegangen.

«Der Name Radio Top ist in unserem Einzugsgebiet fest verankert»

Mit einem so grossen Relaunch hätte man auch den Namen wechseln können. Wieso heisst der Sender weiterhin Radio Top?
Wir haben über einen neuen Namen diskutiert, sind jedoch zu dem Schluss gekommen, dass der Name Radio Top in unserem Einzugsgebiet fest verankert ist. Das spürt man, wenn man zum Beispiel an Messen, Ausstellungen etc. mit dem Publikum direkt in Kontakt steht. Wir wollten dieses Sympathiepotenzial nicht verschenken. Ausserdem ist der Name Radio Top kurz, knackig und prägnant. Und er passt zu unserem künftigen Programm.

Aber auf den Blitz als Logo verzichten Sie. 
Gerade der Entscheid, beim Namen Radio Top zu bleiben, war ein zentrales Argument bezüglich des neuen Auftritts. Wir wollen weiterhin Radio Top heissen, aber wir möchten gleichzeitig auch deutlich machen, dass mit dem neuen Radio Top am 1. April 2025 eine neue Ära beginnt. Es soll jedem sofort klar sein, dass Radio Top neu ist, dass wir uns weiterentwickelt haben.

Was gibt Ihnen die Gewissheit, mit diesen Massnahmen die Weichen richtig gestellt zu haben?
Lustige Frage! Gewissheit hat man nie. Aber wir haben diese Entscheidungen auf einer soliden Basis mit Daten aus der Marktforschung gefällt und sind nicht davon ausgegangen, was wir glauben oder gut finden. Nur was das Publikum will, ist entscheidend. Darum haben wir lediglich die Gewissheit, dass wir so professionell wie nur möglich vorgegangen sind. Und wir wissen, dass wir ein talentiertes Team haben, das mit grosser Freude und Begeisterung bei der Sache ist. Das wird man hören und spüren. Die Leute müssen jetzt eigentlich nur noch den richtigen Sender einschalten.


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