10.10.2013

Watson

On- und Offline-Querkopf Philipp Meier verpflichtet

Ex-20min.ch-Chefredaktor Hansi Voigt rekrutiert munter weiter.
Watson: On- und Offline-Querkopf Philipp Meier verpflichtet

Nicht nur bei seinem ehemaligen Arbeitgeber Tamedia (persoenlich.com berichtete) rekrutiert Ex-20min.ch-Chefredaktor Hansi Voigt derzeit Mitarbeiter für sein Online-Projekt "Watson": Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat Voigt vor kurzem Philipp Meier eingestellt - im Zürcher Kulturleben bekannt als ehemaliger Kurator der Toni Molkerei und des Cabaret Voltaire und Vizepräsident der Partypartei. Derzeit betreibt Meier den Blog Milieukoenig. Vier Fragen zu den Beweggründen für den Wechsel seines Betätigungsfeldes.

Philipp Meier, was hat Sie bewogen bei "Watson" mitzumachen?
"Watson" ist aktuell das wohl spannendste Medienprojekt der Schweiz und mich reizt es, neue und abenteuerliche Wege zu beschreiten. Zu Zeiten, als Hansi Voigt "20 Minuten Online" leitete, war dies die einzige Newsplattform, die ich täglich mehrmals ansteuerte. Ich machte damals beim Planking mit (siehe Bild oben) und lieferte ein paar Mal mit provokativen Kunstaktionen Stoff, über den sie berichteten.

Woher rührt Ihr plötzliches Interesse für Onlinejournalismus? Ihr Background ist ja ein ganz anderer.
Ich beschäftige mich schon lange mit Onlinejournalismus. Respektive, und das ist wohl das Missverständnis, das hinter dieser Frage steckt: Online wird aktuell der Journalismus neu erfunden. Das geht so weit, dass ich es für möglich halte, dass das, was sich Online als Journalismus durchsetzen wird, nicht mehr Journalismus genannt werden wird, weil es nicht mehr viel mit dem Offlinejournalismus gemein haben wird. In meinem Leben war ich schon Landschaftsgärtner, Clubkurator und Direktor einer Kunstinstitution; und was das alles eint ist im weitesten Sinne die Aufgabe des Kuratierens. Vom Grundsetting her, gibt es zwischen der Bepflanzung einer Blumenrabatte, der Dramaturgie einer Clubnacht, der Initiierung und Begleitung von Kunstaktionen und dem Kuratieren von Onlineportalen keine grossen Unterschiede. Ich war übrigens auch Kurator von rebell.tv (2006-2010), dem ersten unabhängigen Newsportal der Schweiz.

"Watson" setzt auf mehr User-Partizipation. Wir bei persoenlich.com erleben das Durcharbeiten von Kommentaren als sehr harzig. Da sind wenig Perlen dabei. Kann da etwas Spannendes entstehen? Und wenn ja: was?
Der Kommentar ist erst der Anfang einer Interaktion und das Freischalten desselben gehört zum Onlineportal wie das Veröffentlichen von anderen Inhalten. So gesehen ist das noch fast keine Interaktion. Ernstzunehmend wäre sie erst, wenn die Kommentierenden merken, dass ihre Äusserungen bei den Autorinnen und Autoren ankommen. Das kann dadurch geschehen, dass gewisse Kommentare hervorgehoben oder sogar in die Artikel eingebettet werden. Die Autorinnen und Autoren sollten wenn möglich direkt in den Kommentarspalten auf (ernstzunehmende) Kommentare reagieren; und im besten Fall entstehen aus Kommentaren neue Geschichten. Womit wir da angekommen sind, wo der Kern der (ernstzunehmenden) Partizipation steckt: Die Community kuratiert mit und beeinflusst die Kuratierung. Ich bin überzeugt davon, dass dies auch einen positiven Einfluss auf die Kommentarkultur haben wird.

Was wird bei "Watson" genau Ihre Aufgabe sein?
Das ist noch nicht gänzlich geklärt, weshalb ich einfach mal folgende trendige "Journalismus 2.0"-Begriffe nenne: Social Media Editor, Community Redaktor und Content Curator. Mein Pensum wird das umfassen, was ein Vater maximal an Arbeit leisten sollte, nämlich 80 Prozent. Wobei ich das Glück habe, meine Passion zum Beruf zu machen, weshalb ich wohl oft auch dann noch weiter arbeiten werde, wenn die Kinder im Bett sind. Denn: Wer schaut überhaupt noch fern?

Interview per Mail: Adrian Schräder





 

 



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