14.05.2025

Medienpolitik

Pietro Supino unterstützt Forderung der Halbierungsinitiative

In einem Meinungsbeitrag in seinen Tamedia-Titeln spricht sich der TX-Verleger für ein komplementäres Mediensystem aus, wo die SRG nur das leistet, was Private nicht anbieten. Der Service-public-Auftrag liesse sich so mit 200 Franken Gebühren pro Haushalt bewältigen.
Medienpolitik: Pietro Supino unterstützt Forderung der Halbierungsinitiative
TX-Verleger Pietro Supino anlässlich der Präsentation der Jahresergebnisse der Mediengruppe am 5. März 2025. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

In seinem «Plädoyer für eine aufgeklärte Medienpolitik» argumentiert Pietro Supino, dass in der aktuellen Mediendebatte sachorientierten Lösungen ideologische Vorstellungen vorgezogen werden sollten. Der TX-Verleger betont die zentrale Rolle unabhängiger Medien für die Demokratie: Sie schaffen öffentliche Räume für Meinungsbildung und nehmen eine wichtige Kontrollfunktion gegenüber Institutionen wahr. Dabei sei die Abgrenzung zum Aktivismus und eine professionelle Distanz entscheidend für die Glaubwürdigkeit von Medien.

Zur Förderung einer vielfältigen Medienlandschaft befürwortet Supino bewährte indirekte Unterstützungsformen wie die Presseförderung zur Entlastung der Vertriebskosten oder die Unterstützung der nationalen Nachrichtenagentur und Journalistenschulen. Direkte staatliche Fördermodelle hingegen gefährdeten die Pressefreiheit, da öffentliches Geld nur nach inhaltlichen Kriterien vergeben werden könne, was die Unabhängigkeit der Medien beeinträchtige.

SRG soll sich auf Kernauftrag beschränken

Als grösste Herausforderungen für private Medien identifiziert Supino die Wettbewerbsverzerrung durch öffentlich finanzierte Angebote, zunehmende Werbeverbote und den fehlenden Schutz journalistischer Investitionen. Er fordert, dass die SRG sich auf audiovisuelle Inhalte konzentrieren und auf den Betrieb digitaler Nachrichtenportale verzichten sollte. Die SRG müsse mit privaten Anbietern ein komplementäres Mediensystem anstreben, statt in Konkurrenz zu treten, so der TX-Verleger.

Der Kernauftrag lasse sich auch mit 200 Franken Gebühren pro Haushalt erfüllen. Zusammen dem Ertrag aus der TV-Werbung von rund 200 Millionen Franken pro Jahr wäre das Budget der SRG immer noch grösser als der Medienumsatz von CH Media und Tamedia zusammen.

Abstimmung im kommenden Jahr

Heute beträgt die Haushaltabgabe 335 Franken. Sie soll in den nächsten Jahren auf 300 Franken reduziert werden. Eine weitergehende Reduktion auf 200 Franken, wie sie Supino unterstützt, fordert die sogenannte Halbierungsinitiaitve aus dem Umfeld der SVP. Voraussichtlich im kommenden Jahr kann die Schweizer Bevölkerung über das Anliegen abstimmen.

Weiter kritisiert der TX-Verleger den Abfluss von Werbegeldern ins Ausland und das Fehlen eines Leistungsschutzrechts in der Schweiz. Die globalen Tech-Plattformen betreiben ihr Geschäft mit journalistischen Inhalten regionaler und nationaler Medienanbieter, ohne dafür zu bezahlen. Die Schweiz brauche dringend ein Leistungsschutzrecht, das auch Schutz vor KI-Anwendungen bietet.

Medienschaffende dürfen nicht Subventionsjäger werden

Supino schliesst mit dem Fazit, dass die Medienbranche zwar mit enormen Herausforderungen konfrontiert sei, es aber kein grundlegendes Angebotsproblem gebe. Jedes Medienunternehmen müsse sich der Realität anpassen. Die grössten Chancen lägen in der Pflege der eigenen Glaubwürdigkeit, der Leistung von Mehrwerten und Innovation. Medienschaffende dürften nicht zu Subventionsjägern werden. (nil)


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KOMMENTARE

Michael Burkard
20.05.2025 22:08 Uhr
Natürlich ist es kein Zufall, wenn ein gewiefter Medienmagnat sein "Plädoyer für eine aufgeklärte Medienpolitik" zeitgleich mit der Einigung zwischen SRG und Verlegerverband lanciert. Aber immerhin wissen jetzt alle, wo sich die Bruchlinie in der Medienlandschaft Schweiz befindet: Hier die echten Verleger, die zusammen mit der SRG dem Journalismus Sorge tragen und darum die "Halbierungsinitiative" bekämpfen wollen. Dort die Medienunternehmer, deren doppelseitige "Medienpolitik" in einer einfachen Gewinn- und Verlustrechnung Platz fände und die deshalb die SRG von den grünen Wiesen des Internets verjagen und zu einem Retro-Rundfunk zusammensparen wollen.
Christine Daborn
15.05.2025 07:35 Uhr
Pietro Suppino hat völlig recht, vor allem seine Aussage "Die SRG müsse mit privaten Anbietern ein komplementäres Mediensystem anstreben, statt in Konkurrenz zu treten" trifft voll ins Schwarze. Nur was er über die Medienvielfalt sagt entspricht Wunschdenken, denn es herrscht in allen Blättern linke Meinungseinfalt, und das missfällt den Lesenden immer mehr, deshalb der grassierende Abo-Schwund. Vor allem sein TagesAnzeiger ist unerträglich links. Wäre die SRG nicht ebenfalls so permanent links sondern meinungsneutral würde sie ihren Auftrag des komplementären Angebots auch inhaltlich erfüllen.
Daniel Nordmann
14.05.2025 10:53 Uhr
Wer einem eine Grube gräbt .... Herr Supino stellt seine Lesenden vor die Alternative: Von wem wollen Sie eine umfassende Information? Von der gewinnnorierten und börsenkotierten TX- Group oder von einer, dem Service Public verpflichteten SRG? - Da könnten die zahlenden Abonnentinnen und Abonnenten von TX-Titeln auf die Idee kommen, ihr Abo zu kündigen und das gesparte Geld im Abstimmungskampf für die SRG einzusetzen ...
Victor Brunner
14.05.2025 09:53 Uhr
Artikel: "Der TX-Verleger betont die zentrale Rolle unabhängiger Medien für die Demokratie". Geehrter Supino, helfen Sie der Demokratie indem Sie in ihrem Hause wieder Medienvielfalt schaffen!
Karl Küenzi
14.05.2025 09:17 Uhr
Pietro Supino reiht sich - auf (monetär) deutlich tieferem Niveau - ein in die Reihe der Tech-Milliardäre und CEO, wie wir sie in den USA im Schatten Trump kennenlernen: Er redet der möglichst freien Marktwirtschaft und dem Abbau jeglicher staatlicher Lenkung das Wort. Mit der 200 Franken Initiative gibt er den "Medien" Vorschub, die unbelastet von Faktenchecks schwadronieren (lassen) und anfällig auf Einflussnahme von aussen sind. Damit schmeichelt er den Schweizer Möchtegern-Trumps. Man kann jedes Budget halbieren oder ganz einstampfen. Was das bedeutet, sieht man in den USA bei der Atomwaffenkontrolle, der Cyberabwehr, USAID, den Gerichten, den Nationalparks, der AKW-Kontrolle usw. Und nicht zuletzt in der amerikanischen Medienlandschaft.
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